Titel: Hunter, über die Wahl der künstlichen Beleuchtung.
Autor: Hunter, James
Fundstelle: 1841, Band 80, Nr. XXXI. (S. 119–132)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj080/ar080031

XXXI. Ueber die Wahl der künstlichen Beleuchtung und die Beseitigung ihrer Nachtheile; von James Hunter.

Aus Froriep's neuen Notizen, Nr. 359–361.

Folgende Bemerkungen aus des Verfassers (eines Augenarztes) 1840 in London erschienener Schrift: On the Influence of artificial light in causing impaired vision etc. werden, wenn sie auch viel Bekanntes enthalten, doch als eine Zusammenstellung des Wichtigsten über einen der vornehmsten Punkte gewerblicher Diätetik nicht unwillkommen seyn.

Das künstliche Licht wirkt nur dann besonders nachtheilig, wenn die Augen dabei durch die Beschauung winziger Gegenstände angestrengt werden. An öffentlichen Orten ist selten die Beleuchtung so stark, daß die Augen durch deren directe Einwirkung leiden, und sie wird hauptsächlich durch die Menge kohlensauren Gases schädlich, welche sich aus den Brennstoffen entwikelt. Da ferner an solchen Orten der Blik nicht fortwährend auf denselben Gegenstand geheftet ist, so wirkt dem nachtheiligen Einflusse der eigenthümlichen Färbung des künstlichen Lichtes die Mannichfaltigkeit der von den Wänden und Möbeln zurükgeworfenen Farbentöne häufig entgegen. Beim Lesen, Schreiben, Nähen, Letternsezen und anderen, die anhaltende heftige Anstrengung der Augen in den Abendstunden in Anspruch nehmenden Beschäftigungen muß das Licht von bedeutender begränzender Kraft seyn oder die Umrisse der Gegenstände scharf erkennen lassen, und zu diesem Ende muß es den Augen sehr nahe gebracht werden, die es unter solchen Umständen, vermöge seiner ungünstigen Färbung und erhizenden Eigenschaft, beeinträchtigt.

Die Umstände, auf welche es bei Beurtheilung der verhältnißmäßigen Brauchbarkeit und Unschädlichkeit verschiedener Arten von künstlichem Lichte ankommt, sind: 1) Reinheit der Farbe; 2) praktische Bequemlichkeit, und 3) Wohlfeilheit.

Das reinste, durch die Verbrennung kohlenwasserstoffhaltiger Substanzen in der atmosphärischen Luft zu gewinnende Licht wird durch das reine öhlbildende Gas gewonnen, das man durch die Einwirkung der Schwefelsäure auf Alkohol erzeugt, aber so theuer ist, daß es für gewöhnlich nicht angewandt werden kann. Das nächstreine Licht dürfte Naphtha liefern; allein der ekelhafte Geruch dieser Substanz und die Schwierigkeit, deren Verbrennung längere Zeit zu reguliren, ließen dieselbe nicht in allgemeine Aufnahme kommen. Durch neuere Erfindungen sind jedoch diese Uebelstände großentheils beseitigt worden, |120| und die besten Naphthalampen, die gegenwärtig angefertigt werden, liefern ein Licht, das an Reinheit jedes andere bekannte und in allgemeinem Gebrauche seyende Lampenlicht übertreffen dürfte.

Das Oehlgas gewährt ein vorzüglich schönes Licht; indeß kam es zu hoch zu stehen und deßhalb nicht in allgemeinen Gebrauch. Das aus Harz bereitete Gas gibt ein durchaus eben so gutes Licht wie das Oehlgas.

In Ansehung der Reinheit des Lichtes möchte nun das von der Parrot- oder Cannel-Steinkohle gewonnene Gas kommen, welches wohl hinsichtlich der Bequemlichkeit und verhältnißmäßigen Wohlfeilheit den ersten Rang einnimmt.

Das Licht, welches die feineren Thransorten, namentlich das raffinirte Spermöhl liefern, kommt in Ansehung der Reinheit zunächst, und möchte in manchen Fällen sogar reiner seyn, als dasjenige des Parrot- und Cannelkohlengases. Dagegen ist dasselbe in seiner Anwendung bei weitem weniger bequem und dabei viel theurer. Wenn man zur Beleuchtung Thran oder Oehl brennt, so hängt erstaunlich viel von der Einrichtung der Lampe ab. Die Argand'sche Lampe ist jedoch die vorzüglichste und auch im allgemeinsten Gebrauche. Die ursprüngliche Einrichtung derselben ist vielfach abgeändert und verbessert worden; allein Parker's patentirte Heiß-Oehllampe, in welcher das Oehl, bevor es an den Docht streicht, erhizt und dadurch so außerordentlich flüssig gemacht wird, daß die Haarröhrchenanziehung im Dochte ungemein leicht und gleichförmig von statten geht, ist unter allen die beste. Die Verstopfung des Dochtes und der Mangel an Zug im Oehle, welcher bei kalten Lampen oft so störend wird, kommt bei der Parker'schen (im polyt. Journal Bd. LXXIV. S. 203 beschriebenen) nicht vor, und dieselbe brennt zugleich weit heller und reiner.

Nach den feineren Oehlsorten geben das reinste Licht Wachs-, Wallrath-, Stearin- und Cocosbutter-Lichte; allein wenn gleich sich gegen die Qualität dieser Arten von Licht wenig sagen läßt, so fehlt es ihnen doch an Stätigkeit; die Flammen brennen immer tiefer, und bei allen findet, zumal wo Luftzug vorhanden ist, ein Rinnen des flüssig gewordenen Brennstoffes statt. Palmer's Lichtlampen haben eine solche Einrichtung, daß sie die Sauberkeit und Bequemlichkeit der Wachslichter mit der stätigen und gleichförmigen Flamme der Oehllampen bis auf einen gewissen Grad vereinigen. Bei ihnen erhält sich auch die Flamme bis zum gänzlichen Aufbrennen des Lichtes stets auf derselben Höhe; es ist kein Puzen erforderlich, und es läßt sich an diesem Apparate ein Schirm von mattgeschliffenem Glase oder Milchglase oder eine undurchsichtige Reverbere anbringen, wie bei einer Argand'schen Tischlampe. Sie ist offenbar den gewöhnlichen Wachslichtern |121| bei weitem vorzuziehen, und eignet sich insbesondere für gewisse Umstände, z.B. für die Cajüte u.s.w. eines Schiffes.

Das aus der gewöhnlichen Seekohle (sea-coal) gewonnene Gas enthält viel weniger Kohlenstoff, auf dessen Anwesenheit doch die Leuchtkraft beruht, als das aus Parrot- und Cannelkohle bereitete; es brennt mit röthlichgelber Flamme, deren Luft sehr erhizend wirkt und den Augen großen Schaden zufügt, und eignet sich durchaus nicht für den häuslichen Gebrauch, ausgenommen in Sälen und an öffentlichen Orten, wo man die Sehkraft nicht an winzigen Gegenständen übt. Diese geringere Sorte von Steinkohlengas ist diejenige, welche in London so allgemein angewandt wird, und es ist sehr zu bedauern, daß mehrere Gasgesellschaften dieser Hauptstadt keine besseren Steinkohlensorten zur Gasfabrication verwenden.

Das Licht der gewöhnlichen kunstlos gearbeiteten Oehllampen und der Talgkerzen ist von sehr geringer Güte. Bei den Lampen findet der Vortheil statt, daß die Flamme sich stets auf gleicher Höhe hält und stätiger brennt, als bei Talglichtern, zumal bei den gröberen Sorten der lezteren; denn bei diesen ist nicht nur die Farbe der Flamme höchst schädlich, sondern wegen des durch die ungleiche Beschaffenheit des Dochtes veranlaßten beständigen Flakerns und Zu- und Abnehmens der Größe der Flamme eignen sie sich durchaus nicht zur Beleuchtung winziger Gegenstände, welche man scharf und lange anzusehen hat.

Unter Berüksichtigung aller Umstände ist der Verf. der Ansicht, daß das aus Parrot- oder Cannelkohle bereitete Gas im Allgemeinen das beste Beleuchtungsmaterial ist. Es empfiehlt sich hauptsächlich durch die Reinheit und Gleichförmigkeit des Lichtes, so wie dadurch, daß man lezterem ohne Schwierigkeit jede beliebige Stellung geben und dessen Intensität leicht steigern und vermindern kann; endlich durch Sauberkeit, Gefahrlosigkeit und große Wohlfeilheit.

Man bedient sich beim Brennen des Leuchtgases vorzüglich dreier Arten von Brennern: 1) des Hahnenspornbrenners; 2) des platten oder Fischschwanzbrenners und 3) des Argand'schen Brenners. Aus dem ersten streicht das Gas durch ein kleines rundes Loch in einem stählernen Mundstük und bildet ein dünnes Lichtbündel. Diese Vorrichtung ist gegenwärtig sehr aus der Mode gekommen, da man bei Anwendung derselben von einer gleichen Quantität Gas weit weniger Licht erhält, als beim Gebrauche des Fischschwanz- und Argand'schen Brenners. Beim Fischschwanzbrenner kreuzen einander zwei Gasströme gerade an der Stelle, wo sie in die atmosphärische Luft eintreten, und die Flamme hat die Gestalt einer dünnen dreiekigen Schicht, deren Spize unterwärts gerichtet ist. Dieser platte Brenner |122| gibt ein recht gutes Licht, und es findet bei demselben nur der Uebelstand statt, daß sich nicht leicht ein Schlot anbringen läßt, welcher der Flamme eine volle Stätigkeit geben und den Luftzug durchaus gleichförmig machen würde. Es herrscht ziemlich allgemein die Ansicht, daß mit dem Fischschwanzbrenner das Gas weit sparsamer brenne, als mit dem Argand'schen; allein Ure, Robison und Andere, die sich mit diesem Gegenstande gründlich beschäftigt haben, sind anderer Meinung. Es unterliegt indeß keinem Zweifel, daß in sehr vielen Fällen der platte Brenner indirect wohlfeiler ist, weil er bei seiner Einfachheit nicht leicht in Unordnung geräth, und keine Glasröhren springen, was bei den Argand'schen Brennern so oft geschieht, wenn bei der Besorgung der Brenner nachlässig oder ungeschikt verfahren wird. Deßhalb möchte dieser Brenner in allgemeineren Gebrauch kommen, als der Argand'sche. Bei dem leztern streicht das Gas aus vielen kleinen, im Kreise gestellten Löchern, und nach dem Anzünden verbinden sich die sämmtlichen Flämmchen zu einer cylinderförmigen hohlen Flamme. Der Glasschlot bewirkt, daß diese von allen Seiten gleichförmig von der Luft bestrichen und dadurch weit niedriger, aber heller wird. Bei der Wahl des Schlotes hat man Mehreres zu berüksichtigen; ist derselbe zu niedrig, so ist der Zug nicht stark genug und die Flamme nicht so weiß, wie sie es seyn soll; ist er zu hoch, so ist der Zug zu heftig und das Gas verbrennt schnell und gibt weniger Licht, aber desto mehr Hize. Bei gehöriger Einrichtung und Beschikung ist der Argand'sche Brenner offenbar derjenige, welcher den Vorzug vor allen übrigen verdient, da sich auf keine andere Weise eine so reine und stätige Flamme erhalten läßt. Man glaubt ziemlich allgemein, daß beim Argand'schen Brenner die Strahlen von der innern Oberfläche des hohlen Cylinders verloren gehen, weil die Flamme undurchsichtig scheint. Dieß ist jedoch ein Irrthum. Die Flamme ist nicht undurchsichtig; denn wenn man einen kleinen Gegenstand mitten zwischen dieselbe bringt, so kann man ihn deutlich sehen, und überdieß befinden sich bei den besten Leuchtthurmlampen mehrere Argand'sche Flammen ineinander geschachtelt; ja 3 bis 4 solche concentrische Flammen thun die beste Wirkung, was nicht der Fall seyn würde, wenn die Flamme so undurchsichtig wäre, als sie scheint. Allerdings sieht man aus einiger Entfernung keinen Gegenstand, der sich hinter einer Flammenschicht befindet; allein der Grund liegt darin, daß das auf die Nezhaut geworfene Bild der Flamme im Vergleiche mit dem des Gegenstandes so viel heller ist, daß lezteres verdunkelt wird. Aus demselben Grunde sind in einem verdunkelten Zimmer, wo nur ein Sonnenstrahlbündel durch das Loch eines Fensterladens fällt, die Gegenstände, welche |123| gerade hinter diesem Bündel liegen, fast ganz unsichtbar, und doch wird Niemand deßhalb an der Durchsichtigkeit des Sonnenlichtes zweifeln.

Wenn man bei Gaslicht viel feine Arbeit verrichten muß, so hat man sehr darauf zu sehen, daß man bei jeder gelegentlichen Unterbrechung die Intensität des Lichts augenbliklich vermindert, was sich so bequem bewerkstelligen läßt, damit die Augen sich ausruhen und die ermüdeten Nezhäute wieder ihre Spannung erlangen können. Eine solche kurze Rast wirkt oft entschieden günstig, so daß man mit gestärkter Sehkraft wieder an das Werk gehen kann, zumal wenn man in der Zwischenzeit die Augen in kaltem Wasser gebadet und dadurch dem erhizenden Einflusse des künstlichen Lichts kräftig entgegengewirkt hat.

Man glaubt sehr allgemein, daß selbst die besten Arten von Gaslicht ungemein nachtheilig auf die Augen wirken. Allerdings hat dasselbe Tausenden mehr geschadet, als irgend eine andere Art von Licht, und schadet ihnen noch. Dieß rührt jedoch nicht von irgend einer Eigenthümlichkeit in der optischen oder chemischen Natur des Gaslichts her, wie man allgemein meint; denn nur der Mißbrauch desselben macht es so außerordentlich schädlich. Dieselbe Lichtmenge, welche durch die Gasbereitung aus den theuersten Kohlensorten gewonnen wird, kostet fünfmal weniger, als die, welche man aus dem früher wohlfeilsten Leuchtstoffe, dem Talge, erhält. Doch wollen nicht alle, welche Gas brennen, ebensowohl an die große Wohlfeilheit, als an dessen Bequemlichkeit glauben, weil sie bei der geringen Kostspieligkeit des Gaslichts dasselbe leicht im Uebermaaße anwenden, so daß die entlegensten Winkel des Zimmers, wo sie, einen Abend wie den andern, viele Stunden lang die feinsten Arbeiten verrichten, grell beleuchtet werden, und sich nirgend eine beschattete Stelle vorfindet, welcher sich die ermüdeten Augen zuwenden können, um sich ein wenig auszuruhen, während zugleich die Luft in einem höchst schädlichen Grade erhizt und durch kohlensaures Gas vergiftet wird.

Von optischen Hülfsmitteln zur Verbesserung der schädlichen Farbe des künstlichen Lichts, welche an dessen nachtheiligen Wirkungen hauptsächlich Schuld ist, werden vorzüglich zwei angewandt.

1) Sucht man die dem künstlichen Lichte fehlenden blauen Strahlen durch Zurükwerfung des Lichts demselben hinzuzufügen.

2) Sucht man die im Ueberschusse vorhandenen rothen und gelben Strahlen durch Verschlukung von dem künstlichen Lichte zu entfernen.

Bei dem ersteren Verfahren läßt man das aufwärts strahlende Licht gegen eine blaue Fläche prallen, so daß nur die darin enthaltenen |124| wenigen blauen Strahlen niederwärts zurükgeworfen werden, und indem sie sich mit dem direct von der Flamme niederstrahlenden röthlich-gelben Lichte mischen, ein zusammengeseztes Licht von weißer Farbe bilden, in welchem die drei Primärfarben ziemlich in demselben Verhältnisse gemischt sind, wie im Tageslicht.

Bei dem zweiten Verfahren läßt man das direct von der Flamme ausströmende Licht durch irgend ein durchsichtiges blaues Medium, z.B. blaues Glas oder eine blaue Flüssigkeit, fallen, welche die überschüssigen rothen und gelben Strahlen verschlukt und reinweißes Licht durchläßt.

Wir wenden uns nun zur Beschreibung der verschiedenen Vorrichtungen, mittelst deren man die Farbe des künstlichen Lichts durch blaue Reverberen verbessert, da es das einfachste und wohl am allgemeinsten nüzliche ist.

Es ist hiezu nur ein konischer Hohlschirm (Blende, Reverbere, Reflector) nöthig, dessen innere Oberfläche vergißmeinnicht-blau angestrichen ist. Die Wirkung dieser Vorrichtung ist, daß fast alle aufwärts streichenden Strahlen durch die schrägen Wände der Reverbere aufgefangen und deren rothe und blaue Bestandtheile verschlukt, die blauen aber abwärts geworfen werden und sich mit dem fehlerhaft gefärbten Lichte vermischen, welches direct von der Flamme niederstrahlt. Die Reflectoren können aus irgend einem passenden Materiale, z.B. blauem Taffet, blauem Papier oder blau angestrichenem Metalle bestehen. Die Taffetschirme sind die zierlichsten, aber auch die theuersten, und werden leicht durch die Hize beschädigt; die aus steifem Papier von hellhimmelblauer Farbe sind wohlfeil, leicht anzufertigen und vollkommen zwekdienlich; die dauerhaftesten und im Ganzen genommen besten bestehen aus Blech, das außerhalb bronzirt und auf der inneren Seite hellhimmelblau angestrichen ist.

Besteht der Schirm aus Papier oder Taffet, so kann er auf einem Drahtgestelle ruhen, das oben an dem Glasschlote oder an der Gloke der Lampe aufgehängt wird. Besteht die Blende aus Metall, so kann man sie auf dieselbe Weise aufhängen, obwohl es besser ist, einen dreiarmigen Kranz an den Brenner zu schrauben und den Rand der Blende in dieser Art zu unterstüzen. Lichtlampen, z.B. die Palmer'sche, lassen sich leicht mit Reflectoren versehen, gewöhnliche Lichter aber hat man auf ein Stativ zu steken, oder man kann einen senkrechten messingenen Stab an dem Leuchter anbringen, und an diesem Stabe den Reflector auf- und niederschieben und mittelst einer geränderten Kopfschraube feststellen.

Kein Pigment eignet sich zum Anstreichen der inneren Fläche der |125| Reflectoren so gut, wie eine Mischung von Ultramarin und Berlinerblau. Kobalt und Blauasche (Saunders blue, cendres bleues) lassen sich indeß, wie überhaupt alle hellblauen Farbstoffe, ebenfalls dazu benuzen. Bloßes Berlinerblau wird durch die Hize der Flamme leicht grün, und viele andere blaue Farben verlieren die gehörige Durchsichtigkeit, während keine dem Ultramarin an Reinheit und Haltbarkeit gleichkommt. Die blaue Oberfläche des Reflectors muß glatt, aber nicht glänzend seyn. Wendet man angestrichenes Metall an, so darf dasselbe nicht lakirt, sondern die Farbe muß ganz matt aufgesezt werden.

Bringt man einen hellblauen Reflector über die Flamme eines gewöhnlichen Lichts, so ist die Wirkung höchst bemerkbar. So erscheint z.B. weißes Papier nicht mehr röthlich-gelb, sondern von viel reinerer und weißer Farbe. Das Licht wirkt auf die Augen äußerst angenehm und kühlend, und die Weiße desselben macht dessen begränzende Kraft um Vieles bedeutender.

Bei Anwendung eines gewöhnlichen weißen Reflectors wird das Licht um Vieles heller und blendender; allein da dieß durch die Zurükwerfung aller im künstlichen Licht enthaltenen Strahlen bewirkt wird, so erreicht man dadurch bei weitem nicht dieselben Vortheile, wie wenn die größere Begränzungskraft lediglich durch einen Zusaz von blauen Strahlen erlangt wird, da leztere wegen ihrer verhältnißmäßigen Kühlheit und geringen stoßenden Kraft die Augen am wenigsten angreifen, während zugleich die Nezhaut von einem Licht erregt wird, in welchem die Primärstrahlen ziemlich dasselbe Mischungsverhältniß besizen, wie im Sonnenlicht.

Nach der zweiten Methode läßt sich die Farbe des künstlichen Lichts verbessern, indem man es durch ein farbiges Medium fallen läßt, welches die überschüssigen rothen und gelben Strahlen verschlukt. Bei diesem Verfahren veranlaßt der große Verlust an Licht die Hauptschwierigkeit, die sich nicht dadurch beseitigen läßt, daß man die Intensität der Flamme verstärkt, weil man dadurch die Beleuchtung viel theurer machen und eine starke Entwikelung von Hize und Kohlensäuregas veranlassen würde. Man hat vielmehr entweder das durchgefallene Licht mittelst blanker, metallener Reflectoren zu concentriren, oder die Oberfläche des die rothen und gelben Strahlen aufsaugenden Mediums convex zu machen, so daß es als eine Sammellinse wirkt.

Blaßblaue Brillen verschluken ebenfalls die im künstlichen Licht im Ueberschusse enthaltenen rothen und gelben Strahlen; allein der Gebrauch derselben ist nicht anzurathen, weil sie, wegen der größeren Wärme der absorbirten Strahlen, heiß und unbequem werden |126| und man dieselben wegen des vielen Lichts, das sie einsaugen, immer abnehmen muß, sobald man irgend einen anderen Gegenstand ansehen will, als denjenigen, auf welchen die Beleuchtung vorzugsweise concentrirt ist.

Besizt der Glasschlot einer Argand'schen Lampe eine ganz blaßblaue Färbung, so erhält das Licht dadurch eine bessere Farbe, aber um Vieles geringere Intensität. Fügt man jedoch einen kegelförmigen Reflector von glänzendem Metall, z.B. Zinn oder plattirtem Kupfer, hinzu, so werden alle aufwärtsgehenden Strahlen wieder nach Unten zurükgeworfen und die Beleuchtung der unter der Lampe befindlichen Gegenstände um Vieles stärker gemacht, während in dem Lichte die Primärstrahlen ziemlich dasselbe Mischungsverhältniß haben, wie im Sonnenlichte. Eine andere Vorrichtung zur Verbesserung der Farbe des künstlichen Lichts, die sich leicht an einem Argand'schen oder auch einem Fischschwanzbrenner anbringen läßt, ist eine dreiarmige Stüze, die sich an dem Brenner anschrauben läßt; zwei der Arme sind an ihrem Ende einwärts gebogen, und am dritten befindet sich eine kleine Schraube mit gerändertem Kopfe. Sie sind 3 1/2 Zoll lang und stüzen eine kreisrunde Glasplatte, in deren Mitte sich ein Loch befindet, das etwas größer ist, als zur Durchlassung des Brenners nöthig ist. Diese Glasplatte ist blau gefärbt, und zwar hat das Blau die Tiefe, daß, wenn man bei Tageslicht ein Stük weißes Papier darunter legt, lezteres ungefähr die Farbe des blauen Himmels hat. Ueber dieser Glasplatte befindet sich ein kegelförmiger Reflector von Weißblech oder plattirtem Kupfer, der durch eine Schraube mit gerändertem Kopfe festgehalten wird und 4 Zoll Höhe besizt, während die obere Oeffnung in demselben 3 1/2 Zoll weit ist.

Die Art und Weise, wie man den Glasschlöten und Reflectoren, so wie der kreisförmigen Platte die geeignete blaue Farbe am besten ertheilt, ist, daß man diese Gegenstände mit in Mastixfirniß abgeriebenem Ultramarin anstreicht, wobei die Farbe so gleichförmig als möglich aufgetragen werden muß. Dieß ist dem von den Glasmalern angewandten Kobaltemail vorzuziehen, welches leztere eine bedeutende Menge rother Strahlen mit durchläßt, und wenn gleich jener Anstrich nicht so dauerhaft ist, als Email, so hält er doch, wenn man ihn schont, sehr lange.

Die Schuhmacher und manche andere Professionisten in Deutschland, so wie die Holzschneider in England, wenden häufig ein höchst einfaches Verfahren zum Concentriren und Abkühlen des künstlichen Lichts an, welches durch eine unbedeutende Modification auch zur Verbesserung der Farbe des Lichts dienen und lezteres dadurch für die Augen weit weniger erhizend oder überhaupt schädlich machen |127| kann. Es wird eine große kugelförmige Flasche mit reinem Wasser gefüllt und zwischen den zu betrachtenden Gegenstand und das Licht gebracht; da denn die durch die Flasche fallenden Strahlen, wegen der Kugelgestalt, in ein Bündel von parallelen Strahlen zusammengedrängt werden. Hiedurch erzeugen sie einestheils eine viel intensivere Beleuchtung und anderntheils werden sie des größten Theiles ihrer Hize beraubt. Wenn die Flasche mit reinem Wasser gefüllt ist, so verändert sich die Farbe des durchfallenden Lichts nicht; löst man aber darin eine geringe Quantität schwefelsauren Kupferoxyd-Ammoniaks auf, so daß das Wasser eine blaßblaue Färbung erhält, so wird die Farbe des Lichts um Vieles dadurch verbessert werden, weil das Medium die überschüssigen rothen und blauen Strahlen verschlukt. Jenes Salz läßt sich leicht bereiten, indem man in einem Mörser gleiche Theile von schwefelsaurem Kupfer oder blauem Vitriol und von kohlensaurem Ammoniak zusammenreibt und hierauf mit ihrem dreifachen Volumen destillirten Wassers vermischt. Diese Mischung wird eine dunkelblaue Farbe darbieten. Man hebt sie in einem wohlverstöpselten Fläschchen auf, und wenige Tropfen davon reichen hin, mehrere Quart Wasser hinreichend stark zu färben. Je nachdem die Flasche größer oder kleiner ist, hat man den Zusaz von der blauen Solution zu vermehren oder zu vermindern. Am besten beurtheilt man die richtige Stärke des Zusazes, indem man bei Tageslicht ein Stükchen weißes Papier hinter die Flasche legt, und sobald sich dasselbe, durch die Flüssigkeit gesehen, schön himmelblau ausnimmt, enthält das Wasser genug von der blauen Auflösung. Bei künstlicher Beleuchtung darf man die blaue Farbe des Wassers kaum bemerken. In jeder guten Apotheke wird man übrigens jenes Salz erhalten können, welches so wohlfeil ist, daß man für ein paar Groschen genug hat, um einen Oxhoft Wasser zu färben.

Melloni hat durch Versuche dargethan, daß, wenn Strahlen von künstlichem Lichte durch eine auch noch so dünne Wasserschicht gehen, deren erhizende Kraft um 89 Proc. geringer wird, ohne daß deßhalb die Temperatur des Wassers sich merklich erhöht, da es eine so bedeutende Capacität für den Wärmestoff besizt. Hieraus ergibt sich, wie wohlthätig Flüssigkeiten, durch welche die Strahlen gesammelt werden, in allen den Fällen wirken, wo, wie beim Holzschneiden, eine sehr kräftige Beleuchtung nöthig ist. Unter gewöhnlichen Umständen kann man aber von diesem Mittel wenig Vortheil ziehen; denn die Hize, welche das brennende Gefühl erzeugt, welches demjenigen so oft lästig wird, welcher seine Augen viel bei künstlichem Lichte anstrengt, strahlt von der Flamme nach allen Richtungen, troknet die Luft des Zimmers aus, vermehrt die |128| Verdunstung von der Oberfläche der Augen, veranlaßt eine unangenehme Steifheit und ein Juken der Augenlieder und wird häufig die Ursache der chronischen Entzündung der die Augenlieder auskleidenden Membran. Um diese Wirkung zu vermeiden, hat man für gehörigen Luftwechsel im Zimmer zu sorgen und darauf zu sehen, daß die höchstmögliche Leuchtkraft beim geringstmöglichen Verbrauch von Brennstoff gewonnen werde. Man hat stets zu bedenken, daß die durch Verbrennung erzeugte Wärme zu der Menge des erzeugten Lichts nicht immer in geradem Verhältnisse steht. Wenn z.B. beim Brennen von Gas oder Oehl der Luftzug an der Flamme zu stark ist, so erzeugt der rasche Verbrennungsproceß viel Wärme und sehr wenig Licht. Von der Qualität der zur Beleuchtung dienenden Brennstoffe hängt ebenfalls viel ab. Je mehr Kohlenstoff sie enthalten, desto bedeutender ist ihre Leuchtkraft im Verhältnisse zu ihrer Heizkraft, und umgekehrt. Das aus gewöhnlichen Steinkohlen bereitete Gas, wie es in London so allgemein im Gebrauch ist, enthält wenig Kohlenstoff und viel Wasserstoffgas oder gemeine brennbare Luft, welche beim Verbrennen sehr wenig Licht und viel Wärme entbindet, und hierin liegt der Grund, weßhalb solche geringe Gassorten bei der Anwendung zu häuslichen Zweken so erhizend und nachtheilig auf die Augen wirken.

Die austroknende Wirkung, welche die zur Beleuchtung dienenden Flammen auf die Zimmerluft hervorbringen, läßt sich am besten durch geeignete Lüftung unmerklich machen. In solchen Stuben aber, welche durch erhizte Luft geheizt werden und die statt eines offenen Kamins einen Ofen besizen, wird man es sehr nüzlich finden, wenn man an irgend eine bequeme Stelle eine breite Schüssel mit Wasser sezt, dessen Verdunstung die Luft gehörig feucht hält. Wer wegen der feinen Arbeiten, die er zu verrichten hat, eines sehr starken Lichts bedarf, kann sich eines großen, mit Wasser getränkten Schwammes bedienen, der in einem irdenen oder hölzernen Geschirre auf dem Arbeitstische liegt und durch die Verdunstung, welche er veranlaßt, die benachbarte Luft feucht und angenehm kühl erhält. Befindet sich das Licht ziemlich in gleicher Höhe mit dem Auge und von einem metallischen Reflector beschattet, so hat man lezteren auf der Außenseite mit Holz oder Leder oder irgend einem anderen schlechten Wärmeleiter zu überziehen.

Auf directe Weise läßt sich die beim Verbrennen kohlenstoffhaltiger Materialien, als Oehl, Wachs, Talg oder Gas, erzeugte Quantität Kohlensäuregases nicht vermindern; denn beim Verbrennen eines gewissen Gewichtstheiles dieser Substanzen, geschehe der Proceß nun schnell oder langsam, bei starkem oder schwachem Luftzuge wird stets |129| die gleiche Quantität jenes Gases erzeugt. Dagegen läßt sich bei künstlicher Beleuchtung in einem Zimmer die Entstehung von Kohlensäuregas indirect durch geeignetes Reguliren der Verbrennung vermindern, so daß man das intensivste Licht beim geringstmöglichen Verbrauche von Brennstoff erhält. Wenn z.B. zwei Lampen ein gleich starkes Licht geben, während bei der einen der Zug zu stark ist, so wird diese mehr Oehl consumiren und mehr Kohlensäuregas erzeugen, als die andere, bei welcher der Zutritt der Luft in geeigneter Art stattfindet.

Das Kohlensäuregas ist um etwas mehr als die Hälfte schwerer als die atmosphärische Luft, hat aber beim Entstehen eine so hohe Temperatur, daß es durch seine Ausdehnung leichter wird, als die umgebende Luft, weßhalb es sich an die Deke erhebt, und wenn es dort durch keine Oeffnung entweichen kann, dort bleibt, bis es sich abgekühlt hat, worauf es niedersinkt und sich mit den unteren Luftschichten vermengt. Ist das Zimmer gehörig gelüftet und ein offenes Kamin vorhanden, so wird das Kohlensäuregas weggeführt, bevor es Zeit gehabt hat, nachtheilig auf den Körper zu wirken. In engen, niedrigen oder schlecht gelüfteten Zimmern, aus welchen das Kohlensäuregas nicht entweichen kann, häuft es sich in großer Masse an und veranlaßt Kopfweh, Schwerathmigkeit und andere lästige Symptome, wirkt auch nach und nach höchst nachtheilig auf das ganze Nervensystem, so daß Schwindel und Verwirrung der Geisteskräfte, Trübung der Augen und zuweilen völlige Blindheit, ja Lähmung und Apoplexie bei solchen Personen entstehen, welche der nachtheiligen Wirkung dieser hinterlistigen krankmachenden Potenz längere Zeit fast unausgesezt unterworfen gewesen sind.

In allen Fällen, wo viele Personen in kleinen und schlecht gelüfteten Räumen zusammengedrängt sind, wo viel Licht gebrannt wird, wie dieß z.B. in den Werkstätten vieler Professionisten der Fall ist, muß durch Oeffnungen in der Deke, welche mit der freien Luft, z.B. durch den Schlot, communiciren, dafür gesorgt seyn, daß das durch die Beleuchtung und das Athemholen erzeugte Kohlensäuregas sich nicht zu stark anhäufen könne. In dergleichen Werkstätten ist die Einrichtung höchst empfehlenswerth, daß sich über den Flammen der Lichter ein umgekehrter Trichter befindet, dessen Röhre in das Freie oder in den Schlot mündet. Auf diese Weise wird das Kohlensäuregas, so wie es entsteht, aus dem Zimmer geführt und das Zimmer kühl und behaglich erhalten, zumal wenn man die Lüftungsröhre mit einer Scheide von Holz, Leder oder irgend einem schlechten Wärmeleiter umgibt. Die guten Wirkungen dieser Methode zur Wegschaffung des Kohlensäuregases haben sich in niedrigen, |130| engen Zimmern häufig in einer höchst auffallenden Weise gezeigt. In dem niedrigen Comptoir eines dem Verf. bekannten Kaufmanns konnte man nach dem Anzünden des Gases nicht über 1 bis 1 1/2 Stunde bleiben, ohne unerträgliche Brustbeklemmungen, Kopfweh und Verdunkelung der Augen zu verspüren, weit das Kohlensäuregas und die erhizte Luft nirgends einen Ausweg fanden; allein durch bloße Anwendung jener Lüftungsröhren mit unten angebrachten Trichtern über den Gasbrennern, welche Röhren durch die Deke in einen weiten, leeren Bodenraum mündeten, wurden alle jene übeln Wirkungen alsbald beseitigt, und die Luft im Zimmer blieb, selbst wenn dasselbe viele Stunden hinter einander künstlich beleuchtet worden, völlig rein und von angenehmer Temperatur. – Diese Lüftungsmethode sollte bei allen ähnlichen engen Localen in Anwendung gebracht werden. Sie ist durchaus nicht kostspielig, und wenn man die Trichter zum Ansteken an eine kurze, in der Deke befindliche Röhre einrichtet, so lassen sie sich beliebigen Falles bei Tage beseitigen und Abends ohne Umstände an Ort und Stelle bringen. In Privathäusern macht sich bei Kaminheizung eine besondere Vorrichtung zum Lüften der Zimmer selten nöthig, wogegen bei Ofen- oder Dampfheizung nicht genug Zug von selbst vorhanden ist, um das Kohlensäuregas abzuleiten, weßhalb irgend eine eigens zur Lüftung dienende Vorrichtung noth thut.

Ueber den Brennern der Oehl- und Gaslampen hängen öfters Glasgloken, die jedoch nur zur Reinerhaltung der Deke dienen, indem sie, wenn die Flamme gelegentlich raucht, die Kohlentheilchen des Rauchs auffangen. In Betreff der Lüftung des Zimmers oder Ableitung der Kohlensäure, welche unter gewöhnlichen Umständen stets in Gasform erscheint, leisten sie nicht das Geringste. Hängte man diese Glasgloken mit der Oeffnung nach Oben auf und füllte man sie theilweise mit Wasser, so würde dessen Verdunstung die Austroknung der Luft verhindern und jene Gloken sich nicht weniger hübsch ausnehmen, aber weit nüzlicher seyn, als gegenwärtig.

Lichtschirme verschiedener Art werden zur Zerstreuung und Milderung des Lichts, so wie zum Auffangen von falschen Strahlen, die sonst mit den vom betrachteten Gegenstande zurükgeworfenen ins Auge dringen würden, sehr allgemein angewandt. Die zum Zerstreuen und Mildern des Lichts dienenden sind mehrentheils von mattgeschliffenem Glase oder Milchglase, öfters aber auch von Porzellanbiscuit angefertigt. Sie zerstreuen das Licht in einem großen Zimmer in einer gleichförmigen Weise, indem sie eine große Menge heller Punkte darbieten, von denen das Licht nach allen Richtungen strahlt, und sie mildern die Blendung, indem der Glanz der kleinen |131| Flamme sich über eine große Oberfläche vertheilt. Ungeachtet die mattgeschliffenen Glasschirme in so allgemeinem Gebrauche sind, herrschen über deren Zwekmäßigkeit sehr verschiedene Ansichten. So ist David Brewster, welcher diesem Gegenstande viel Aufmerksamkeit geschenkt hat, entschieden der Meinung, daß sie den Augen außerordentlich viel Nachtheil bringen, indem sie die Zahl der ausstrahlenden, leuchtenden Punkte vergrößern, deren Licht auf eine ausgedehntere Stelle der Oberfläche der Nezhaut einwirkt, als wenn nur eine kleine unbedekte Flamme vorhanden ist. Der Verf. kann dieser Ansicht nicht beitreten; denn wiewohl das von solchen Schirmen ausstrahlende Licht eine weit größere Stelle der Nezhaut trifft, als das von einer nakten Flamme ausgehende, so wird doch der Glanz des auf die Nezhaut geworfenen Bildes genau in demselben Verhältnisse gemindert, in welchem das Bild vergrößert wird. Zugleich ist der Verf. aber entschieden der Meinung, daß man den Nuzen, den diese Schirme den Augen bringen, viel zu hoch anschlägt. Der Hauptvortheil, den man durch das mattgeschliffene Glas erreicht, ist die gleichmäßige Vertheilung des Lichts, und an öffentlichen Orten oder in den Gesellschaftszimmern der Privathäuser sind sie sehr zu empfehlen. Für Bibliotheken, Comptoirs, Werkstätten und überhaupt solche Localitäten, wo das Licht auf die Gegenstände, welche besonders genau angesehen werden sollen, concentrirt und das übrige Zimmer verhältnißmäßig dunkel gehalten werden muß, damit die Augen sich Orten zuwenden können, die ihnen gelegentlich das Ausruhen gestatten, sind Schirme von mattgeschliffenem Glase entbehrlich und wenig zwekmäßig, weil sie durch die Zerstreuung des Lichts einen bedeutenden Verlust an demselben veranlassen. An dergleichen Orten thun undurchsichtige Schirme von Metall u.s.w., wie wir sie früher beschrieben, bessere Dienste, indem sie theils die Augen vor falschen Strahlen schüzen, theils nach der bereits mitgetheilten Anweisung so eingerichtet werden können, daß sie durch das Zurükwerfen blauer Strahlen die schädliche Färbung des künstlichen Lichts verbessern.

Hängt die Lampe, welche z.B. ein Speisezimmer beleuchtet, von der Deke herab, so daß sie mit den Augen einen Winkel von etwa 40 Grad über der Horizontalebene bildet, so ist kein undurchsichtiger Schirm erforderlich. Befindet sich die Flamme tiefer, wie z.B. bei einer gewöhnlichen Tischlampe, so sollte um den unteren Rand der Gloke aus mattgeschliffenem Glase ein etwa 4 Zoll breiter Kranz von irgend einer undurchsichtigen Substanz sich herumziehen, welche Einrichtung von Dr. Arnott empfohlen wird und bei welcher ein helles Licht auf den Tisch fällt, während die nach der |132| Deke und dem oberen Theile der Wände streichenden Strahlen zurükgeworfen werden und ein hinreichend starkes, sehr angenehmes Licht im ganzen Zimmer verbreiten.

Wer viel bei künstlicher Beleuchtung arbeitet, muß sehr sorgfältig darauf sehen, daß die Flamme ihm nicht in die Augen scheint. Die beste Stellung ist, wenn die Flamme sich etwa 3 Fuß über dem Tische befindet, und an den die Strahlen zurükwerfenden konischen Schirmen muß eine Ausladung vorhanden seyn, damit bei keiner Stellung des Kopfes fremde Strahlen in die Augen dringen können. Ist es unmöglich oder unbequem, die Lichtquelle so hoch anzubringen, so hat man den Reflector an der Außenseite mit einem Holzfutterale zu belegen oder ihn doppelt zu machen und Filz dazwischen zu bringen, so daß dessen Oberfläche weniger Wärme ausstrahlt.

Die gewöhnlichen grünseidenen Lichtschirme sind zu empfehlen, weil sie die fremdartigen Strahlen nicht in das Auge dringen lassen; allein in Bezug aus Verstärkung der Intensität oder Verbesserung der Farbe des Lichtes gewähren sie keinen Nuzen, und die eben beschriebenen konischen blaugefärbten Reflectoren sind weit empfehlungswerther. Viele Personen tragen vor den Augen grüne Schirme; allein besser thut man, wenn man den die Strahlen auffangenden Schirm an dem Leuchter oder der Lampe selbst anbringt, und bei Anwendung einer Wasserflasche hat man den Obertheil mit schwarzem Papier zu überkleben, damit die horizontalen Strahlen verschlukt werden. Wer viel vor blendendem Feuer arbeitet, thut wohl, wenn er sich eines Schirmes bedient; derselbe muß aus leichter, inwendig geschwärzter und auswendig mit Stanniol belegter Pappe angefertigt seyn, so daß er die vom Feuer ausgehenden und auf den Stanniol fallenden Wärmestrahlen zurükwirft.

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