Titel: Boucherie, über Dauerhaftmachung des Holzes.
Autor: Boucherie, A.
Fundstelle: 1841, Band 80, Nr. XLVIII. (S. 192–193)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj080/ar080048

XLVIII. Fortgesezte Versuche über Dauerhaftmachung des Holzes; von Hrn. A. Boucherie.

Aus den Comptes rendus, 1841 1er sem., No. 7.

Hr. Boucherie hat die Versuche mit seinem Verfahren dem Holz eine längere Dauer zu sichern fortgesezt19); die Resultate derselben verdienen wegen ihrer industriellen Anwendung sowohl, als wegen ihrer Wichtigkeit für die Pflanzenphysiologie, alle Beachtung.

Sein Verfahren kann bekanntlich nur dann ausgeführt werden, wenn die Bäume im Saft stehen, und abgesehen davon, daß sich diese Zeit auf ein paar Monate des Jahres beschränkt, läuft die Holzfällung zu dieser Zeit dem im Interesse der Forstwirthschaft üblichen Herkommen völlig zuwider, und die wenigsten geben ihre, sicherlich übel begründete, Ueberzeugung auf, daß das Holz, wenn es nicht im Winter gefällt worden ist, dem Verderben sehr ausgesezt sey. – Um diese, der Ausführung seines Verfahrens im Großen entgegenstehenden Hindernisse zu beseitigen, bemühte sich der Verf. das Holz auch im Winter durchdringen zu lassen und es gelang ihm, auf eine von der Einsaugung der Lebenskraft verschiedene, aber eben so wohlfeile und vollständige Weise, mitten im Winter und in sehr kurzer Zeit alle, sowohl unbehauene, als zur Verarbeitung bestimmte, behauene Holzarten durchdringen zu lassen. Das hiezu zu verwendende Holz muß frisch gefällt und je nach seinem Zwek in Klöze gehauen seyn. Um diese Klöze mit den verschiedenen Flüssigkeiten zu imprägniren, stellt man sie aufrecht und befestigt an ihr oberes Ende Stüke von wasserdichter Leinwand, welche als Reservoir dienen, in das man unaufhörlich Salz- oder andere Lösungen schüttet, von welchen man eben, um dem Holze neue Eigenschaften zu verleihen, es durchdringen lassen will. In den meisten Fällen dringt die Flüssigkeit sogleich oben ein und es fließt beinahe zu gleicher Zeit auch der Saft aus. Bei einigen Hölzern, welche große Mengen Gases enthalten, beginnt dieses Ausfließen des Saftes erst, nachdem diese Gase ausgetrieben sind; dann fließt aber auch der Saft ohne Unterbrechung aus. Die Operation ist als vollendet zu betrachten, wenn am untern Ende der Holzstüke eine mit der auf das obere Ende geschütteten, völlig gleiche Flüssigkeit aufgefangen wird.

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Bei den mit diesem Verfahren angestellten Versuchen beobachtete der Verf. eine Menge merkwürdiger Thatsachen, von welchen folgende das größte Interesse darbieten:

1) Der Saft beinahe aller Hölzer kann zu Tausenden von Litern leicht ausgezogen werden, und zwar ohne Kosten und in kurzer Zeit; in einem einzigen Tage sammelte Hr. B. 4850 Liter; er operirte, dabei von zwei Personen unterstüzt, mit sieben Bäumen.

2) Nicht nur die zukerigschleimigen Substanzen u.s.w., welche der Saft in Auflösung enthält, können so dem Holze entzogen werden, sondern auch die harzigen gefärbten Stoffe u.s.f., welche es einschließt, können extrahirt werden; man braucht zu diesem Zwek die Bäume nur mit den jene Säfte auflösenden Flüssigkeiten zu imprägniren. Nach einiger Maceration, wenn man sich diesen Ausdruk hier erlauben darf, ist der ausgetriebene künstliche Saft mit diesen Substanzen beladen. In dem einen wie in dem andern Falle können diese Säfte mit vielem Vortheil nuzbar gemacht werden.

3) Man nimmt allgemein an, daß der Saft von der Peripherie des Holzes einigermaßen verschieden ist von jenem aus der Mitte. Aber auch die mehr oder weniger hohe Stelle des Stammes, an welcher man sammelt, das Alter des Baumes und die Jahreszeit sind von Einfluß auf die Zusammensezung des Saftes.

4) In den meisten Fällen enthält der Saft nur einige Tausendstel fester Substanz, obwohl das Holz mehrere Hundertel auflöslicher Substanz einschließt. Nichts kann den Gefäßreichthum des Holzfasersystems besser beweisen, als diese Thatsache.

5) Die Holzarten enthalten je nach ihrer Species, ihrem Alter und der Jahreszeit verschiedene Gasarten in unterschiedlichen Verhältnissen. Der Verf. fand, daß diese Gasarten in manchen Fällen das Zwanzigstel vom Kubikinhalt des Holzes ausmachten.

6) Im Laufe seiner Versuche fand der Verf. auch, daß die Zusammenziehbarkeit der Gefäße des Holzes unter dem Einfluß gewisser Agentien sich nicht gleich bleibt, und daß, während die eine Holzart von der Flüssigkeit A, welche neutral, und der Flüssigkeit B, welche adstringirend war, sich vollkommen durchdringen ließ, eine andere Holzart nur der Flüssigkeit A in ihre Gefäße den Zugang gestattete. Diese Beobachtung ist wichtig für die Praxis.

7) Die leichtesten Hölzer sind nicht, wie man glauben möchte, auch am leichtesten zu durchdringen. Die Pappel widersteht weit mehr als die Buche, die Weißbuche u.s.w., und die Weide weit mehr als die Birne, der Ahorn und die Platane.

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Man vergleiche seine Abhandlung im polytechn. Journal Bd. LXXVII. S. 144; und Bemerkungen über sein Verfahren von Hrn. Ed. Köchlin Bd. LXXVIII. S. 295.

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