Titel: E. Dollfuß, über Bereitung der Schlichte aus Kartoffelstärke.
Autor: Dollfuß, Emil
Fundstelle: 1841, Band 80, Nr. LII. (S. 206–214)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj080/ar080052

LII. Ueber die Bereitung der Schlichte aus Kartoffelstärke; Bericht des Hrn. Emil Dollfuß über eine von Hrn. Fries aus Guebwiller der Société industrielle in Mülhausen gemachte Mittheilung.

Aus dem Bulletin de la Société industrielle de Mulhausen, No. 66.

Hr. Fries hat in einer Mitteilung über die Bereitung der Schlichte aus Kartoffelstärke zum mechanischen Schlichten der Baumwollen-Kettenfäden Ihre Aufmerksamkeit auf die aus der Gegenwart von Metallsalzen, welche man derselben zuzusezen pflegt, hervorgehenden Uebelstände hingelenkt, und Sie zugleich von dem Resultate der Versuche in Kenntniß gesezt, welche er behufs der Weglassung dieser Salze anstellte, wobei jedoch die Schlichte die ihr zukommenden Eigenschaften nicht verliert.

Sie haben diese Mittheilung Ihrem Comité für mechanische Gegenstände, welchem die HHrn. Daniel Köchlin-Schuch, Heinrich Schlumberger und Eduard Schwartz als Mitglieder des Comité's für chemische Gegenstände beigesellt wurden, zur Untersuchung übergeben, und im Namen dieser gemischten Commission erstatte ich Ihnen über die von ihr zur Bestätigung der Angaben des Hrn. Fries angestellten Versuche Bericht, und beginne mit dem Verf. über den Zwek und die Art seiner Nachforschungen.

Hr. Fries behauptet zuvörderst, daß der Zusaz von Metallsalzen zur Stärkeschlichte, z.B. schwefelsaurem Kupfer und Zink, welche man gewöhnlich hiezu benuzt, aus dem Grunde stattfindet, weil die Erfahrung lehrte, daß diese Körper die Schlichte flüssiger, schleimiger und geeigneter machen, in den Faden zu dringen und demselben anzuhängen, vorzüglich aber, weil sie das Eintroknen der Schlichte erleichtern, welche ohne diesen Zusaz, wenn sie auch eben so lange gekocht wird, gallertartig bleibt, nach dem Erkalten gerinnt, und sich nach dem Auftragen auf den Faden leicht abblättert. Er beweist aber zugleich, daß die Gegenwart dieser Salze andererseits den Uebelstand herbeiführt, daß das Bleichen des Zeuges erschwert wird und daß sie für den zum Druk bestimmten Zeug von schlimmer Folge seyn könne. Diese schwefelsauren Salze werden nämlich bei dem |207| Bleichen zersezt, die ihnen zur Basis dienenden Oxyde werden frei, verbinden sich mit den (vom Talg, Oehl, von der grünen Seife herrührenden) Fettsäuren, womit der Zeug zufällig an gewissen Stellen in größerer oder kleinerer Quantität imprägnirt seyn kann, und bilden mit ihnen Metallseifen, die oft sehr schwer dem Gewebe zu entziehen sind und, wenn dieß nicht geschieht, beim Färben Fleken verursachen. Dieß ist der Grund, welcher schon längst den Wunsch nach einem Mittel erregte, die Metallsalze bei der Bereitung der Schlichte hinweglassen oder durch etwas anderes ersezen zu können.

Wenn man die Wirkung dieser Salze auf das Stärkmehl untersucht (fährt Hr. Fries fort), findet man, daß durch längeres Kochen ein Theil der in ihnen enthaltenen Säure auf die Stärke einwirkt, indem er sie entweder theilweise in Dextrin umwandelt, oder das Plazen ihrer Körnchen oder Kügelchen befördert und dadurch den auflöslichen Theil derselben befreit.

Dieses angenommen, daß nämlich die schwefelsauren Salze nur vermöge des während des Kochens abgegebenen Antheils Säure wirken, dachte Hr. Fries, daß dieselbe Wirkung auch müßte hervorgebracht werden können, indem man die freie Säure in ganz geringer Menge anwendet, und dieselbe, nachdem sie ihre Wirkung auf die Stärke ausgeübt hat, mit einem Alkali sättigt, um zu vermeiden, daß sie, selbst in sehr verdünntem Zustande, nicht in die Länge mehr auf das Gewebe einwirken kann.

Davon ausgehend machte er zuvörderst einige Versuche im Kleinen. Nachdem diese gelungen waren, entschloß er sich erst, sie auch im Großen vorzunehmen, wobei er von dem Resultat eben so befriedigt ward. Folgender Composition bediente er sich zuerst:

268 Liter Wasser,

26 Kilogr. Stärke,

90 Gramme Schwefelsäure,

292 Gramme (krystallisirtes) einfachkohlensaures Natron.

Man zerrührt nach Hrn. Fries die Stärke mit einem Theil des kalten Wassers, und läßt dieses Gemenge, um es von Unreinigkeiten zu befreien, durch ein enges Sieb in den Kessel ablaufen, sezt dann das übrige Wasser, hierauf die Schwefelsäure hinzu und erhizt. Nach 30 bis 40 Minuten langem Sieden, d.h. wenn die Masse von ihrer anfänglich diken und gallertartigen Consistenz in einen gummiartigen, durchsichtigen und fadenziehenden Zustand übergegangen ist, ohne daß sie jedoch zu flüssig geworden wäre, sezt man das kohlensaure Natron zu, welches vorher in 2 Liter Wasser aufgelöst wird, und rührt wohl um, damit die Mischung recht innig vor sich |208| gehe. Man läßt noch 5 Minuten kochen, worauf dann die Schlichte zur Anwendung fertig ist.

Um das langwierige Abwägen bei jeder Portion, so wie auch Versehen der Arbeiter zu vermeiden, räth Hr. Fries, eine Mischung von Schwefelsäure und Wasser in solchem Verhältniß zu bereiten, daß 1 Liter der Mischung 90 Gramme Säure enthält. Zu diesem Ende schüttet man z.B. 50 Liter Wasser in einen steinernen Hafen, macht an der Höhe des Wassers ein Zeichen, nimmt wieder 3 bis 4 Liter davon heraus und schüttet nach und nach unter Umrühren 4 1/2 Kilogr. Schwefelsäure hinein; zulezt füllt man das Gefäß mit so viel Wasser an, daß man im Ganzen 50 Liter Mischung hat; ebenso verfährt man mit dem kohlensauren Natron, wobei man Acht gibt, daß man die 292 Gramme in 2 Litern der Lösung hat, damit nicht ein Theil des Salzes sich nach dem Erkalten in Krystallen absezt. Man schüttet also 100 Liter lauwarmen Wassers in ein Gefäß, allenfalls in eine hölzerne Kufe, macht ein Zeichen, nimmt ungefähr 10 Liter wieder heraus und sezt dem Zurükbleibenden 14,600 Gr. krystallisirte Soda zu; nachdem das Salz aufgelöst ist, sezt man dann noch so viel Wasser zu, bis das Ganze das Zeichen von 100 Litern erreicht. Mittelst dieser beiden Auflösungen wird die Schichte folgendermaßen zusammengesezt:

267 Liter Wasser,

26 Kilogr. Stärke,

1 Liter angesäuertes Wasser, und nach dem Verkochen

2 Liter Sodaauflösung.

Nicht lange nach seiner ersten Mittheilung benachrichtigte Hr. Fries die Commission, er habe durch neue Versuche gefunden, daß die zuerst von ihm angewandte Menge Säure reducirt werden könne, so daß eine Schlichte mit nur 65 Grammen Schwefelsäure und nur 210 Gr. des Natronsalzes auf eben so viel Stärke als bei der ersten Vorschrift ihm treffliche Dienste leistete. Später ging er sogar noch weiter und wendete nur 5 Gr. Säure und 16 Gr. Soda auf 5 Kilogr. Stärke an, wobei er dann aber der Mischung eine kleine Menge, etwa 200 Gr. Leiokom (geröstete Stärke) zusezte. Bei anderen Versuchen, wo er kein Leiokom anwandte, nahm er 10 statt 5 Gramme Schwefelsäure mit entsprechender Vermehrung des Natronsalzes. – Wir werden weiter unten unser Ergebniß mit diesen verschiedenen Mischungen mittheilen.

Hr. Fries räth an, das Kochen 30 bis 40 Minuten dauern zu lassen, weil, wie er sehr richtig bemerkt, gewisse Sorten von Kartoffelstärke (namentlich die sehr seinkörnigen) etwas weniger Zeit zum Plazen ihrer Kügelchen bedürfen, als die grobkörnigeren. Diese |209| Verschiedenheit in der Größe kann nur mit dem Mikroskop gut wahrgenommen werden, und ist Folge entweder des Bodens, oder der besondern Kartoffelsorte, aus welcher sie gewonnen wurde. Gewisse Stärkearten bedürfen nach Hrn. Fries weniger Säure als andere, um sich in einer gewissen Zeit gehörig umzuwandeln; 9, manchmal nur 8 Deciliter angesäuerten Wassers reichen für diese schon hin. Es versteht sich, daß dann die Alkalilösung ebenfalls in verhältnißmäßig geringerer Menge angewendet werden muß.

Hr. Fries bemerkt ferner, daß das Verhältniß der Säure bei allen Stärkesorten vermindert werden kann, wenn man dagegen die Dauer des Kochens verlängert; wegen der größeren Kosten ist das Verhältniß, wobei ein Sieden von gewöhnlicher Dauer, nämlich 30 bis 40 Minuten, hinreicht, jedoch vorzuziehen.

Bei anderen Versuchen hat sich Hr. Fries überzeugt, daß durch ein sehr langes Kochen der Stärke mit Wasser von z.B. 6 bis 8 Stunden und ohne allen anderen Zusaz die Tegumente (Hüllen) sich so gut öffnen, daß auf diese Weise eine sehr gute, nur etwas weniger gummöse, Schlichte erhalten wird. Es ist übrigens klar, daß dieses Verfahren, so wie das vorhergehende, unbequem und kostspielig wäre, vorzüglich wegen des größeren Verbrauches an Brennmaterial, so wie auch wegen der vermehrten Arbeit. Wenn man hingegen statt der Schwefelsäure 10 Gramme einfachkohlensaures Natron auf jedes Kilogramm Stärke zusezt und 1 1/2 bis 2 Stunden kochen läßt, erhält man eine vollkommen gummöse Schlichte, welche sich sehr lange aufbewahren läßt und nach dem Verf. um so tauglicher seyn müßte, weil sie wahrscheinlich den Vorzug hätte, weniger leicht zu schimmeln.

Die Commission hat diese lezteren Versuche und den unten folgenden wegen der Kostspieligkeit dieser Bereitungen der Schlichte im Großen nicht nachgemacht; doch sollten sie hier angegeben werden, um sich ihrer nöthigenfalls bedienen zu können.

Der erwähnte weitere Versuch des Hrn. Fries bestand darin, einen Theil der Stärke getrennt in Dextrin umzuwandeln und dann dieses auf die übrige Masse wirken zu lassen. Er mischte zu diesem Behufe 2 Gramme Schwefelsäure, 200 Gr. Stärke und 2 Liter Wasser, ließ dieß alles bis zur vollkommenen Auflösung der Stärke kochen und sättigte hierauf mit einer hinlänglichen Menge Soda (6 1/2 Grammen), ersezte das verdampfte Wasser und fügte noch überdieß 6246 Gr. Wasser und 600 Gr. Stärke hinzu; er ließ kochen, bis Alles gut in Faden lief und gummös war. Der Erfolg (sagt Hr. Fries) war gut; doch zieht er das andere Verfahren vor, weil es leichter ausführbar ist, obwohl man zur Noth den Dextrinsyrup |210| kaufen oder eine Quantität desselben auf einmal im Voraus bereiten kann.

Hr. Fries hat, wie man sieht, diesen Gegenstand umständlich und von allen Seiten untersucht und durch seine klaren Vorarbeiten der Commission ihre Aufgabe sehr erleichtert. Es blieb derselben nichts mehr übrig, als die von Hrn. Fries erhaltenen Resultate zu bestätigen, d.h. sich zu versichern, ob seine Schlichte wirklich alle Eigenschaften vereinigt, um die nach den bisherigen Vorschriften bereitete ersezen zu können. Der Berichterstatter und Hr. Heinrich Schlumberger wurden mit dieser Prüfung speciell beauftragt, welche sie in der Fabrik der HHrn. Dollfuß-Mieg und Comp. vornahmen.

Den ersten Versuch stellten wir mit der ersten Mischung (siehe oben) an. Diese Schlichte, von sehr gutem Aussehen, gab anfänglich sehr gute Resultate; allein öfters trat der Fall ein, daß das, was vom vorigen Tage übrig geblieben war, am anderen Tage wässerig war und weggeworfen werden mußte, indem es keiner Anwendung mehr fähig war. Dieser Uebelstand wiederholte sich in der Folge unter Tags und während die Schlichte noch warm war (bekanntlich muß sie so warm wie möglich angewandt werden). Als wir dieß Hrn. Fries mittheilten, rieth er uns, die zweite Vorschrift in Anwendung zu bringen (siehe ebenfalls oben), und schrieb übrigens diesen Umstand der Mittelmäßigkeit der angewandten Stärke zu. Wirklich besteht ein großer Unterschied in Bezug auf die Güte, zwischen den verschiedenen, im Handel vorkommenden Stärkesorten, indem die geringeren Sorten an gummigen Theilen schlechter ausgeben, weßhalb man mehr von ihnen nehmen muß, um der Schlichte denselben Grad von Dike zu geben. Dieser Unterschied in der Qualität kann bei dem bloßen Ansehen der Stärke nicht wahrgenommen werden; sie muß, wenn man sich davon überzeugen will, in Wasser aufgelöst und gekocht werden. Wir fanden die Voraussagen des Hrn. Fries bis zu einem gewissen Punkt gegründet, indem wir bessere Resultate als vorher erhielten, und die so bereitete Schlichte auch gummöser war als die vorige. Doch kann ihre Neigung, wässerig zu werden, ungeachtet der nach dem Rathe des Hrn. Fries auch reducirten Zeit des Kochens nicht unterdrükt werden.22) Wir |211| mußten mehreremale diese Schlichte wegwerfen, wie uns dieß auch mit der anderen, und zwar aus demselben Grunde, geschah.

Wir nahmen hierauf unsere Zuflucht zu einem Zusaze von Leiokom, wie dieß schon seit ziemlich langer Zeit bei Bereitung der gewöhnlichen Schlichte geschieht, welches wir aber bisher nicht zu den zu unseren Versuchen dienenden Mischungen nehmen zu sollen glaubten. Wir thaten dieß auf Aufforderung des Hrn. Fries unter gleichzeitiger Verminderung der Säure von 65 Grammen auf nur 5 Gramme für 5 Kilogr. Stärke, also auf 1/1000. Der Sodazusaz wurde in demselben Verhältniß reducirt. Vom Leiokom wurden gleich Anfangs 200 Gr. auf 5 Kilogr. Stärke genommen und nach und nach bis auf 500 Gr. gesteigert.

Mehrere Wochen lang gab dieser dritte Versuch vortreffliche Resultate; wir schrieben sie (und zwar, wie man sich unten überzeugen wird, mit Recht) der Gegenwart des Leiokoms zu. Als indessen nach dieser Zeit mit der Stärke gewechselt wurde, trat der oben erwähnte Uebelstand (des Wässerigwerdens) wieder von Neuem ein, und zwar in hohem Grade. Von einer so schnellen Veränderung in der Qualität unserer Schlichte überrascht, schrieben wir dieß zuerst irgend einem Zufall oder einer Nachlässigkeit des Arbeiters zu; nachdem wir aber mehrere Tage lang alle Operationen aufs Genaueste verfolgt hatten und immer gleichen Erfolg sahen, so konnten wir nicht mehr zweifeln, daß nur die Anwendung der Schwefelsäure daran Schuld sey, und in der That hatte die mit schwefelsaurem Zink bereitete Schichte, deren wir uns während aller dieser Versuche auf einigen Maschinen zu bedienen fortfuhren, um beständig einen genauen Vergleich anstellen zu können, in keiner Weise den erwähnten Fehler, obwohl sie mit derselben Stärkesorte bereitet worden war. Auch bei Anwendung von nur 1/2000 Säure nach dem Rathe des Hrn. Fries war der Erfolg nicht besser.

Wir wußten wohl, daß die hiezu angewandte Stärke von schlechter Qualität war; es lag aber in unserer Aufgabe, schlechte Sorten sowohl als gute auf ihr Verhalten zu freier Säure zu prüfen, um unser Urtheil für alle in der Praxis vorkommenden Fälle aussprechen zu können. Wir beobachteten hiebei, daß, je geringer die Sorte der Stärke wurde, um desto mehr auch das Verhältniß der Säure verringert |212| werden mußte, um das Wässerigwerden der Schlichte zu verhindern. Die zulezt geprüften Sorten konnten deren gar keine mehr vertragen, ohne diesen Fehler zu bekommen; während andere, bessere, auch mit einem viel beträchtlicheren Säurezusaz die befriedigendsten Resultate gaben. Daraus scheint uns hervorzugehen, daß allerdings das schwefelsaure Zink und Kupfer auf die Stärke nur vermöge der geringen Quantität Säure wirken, welche sie während des Kochens abtreten, und daß von da an ihre Wirkung in dieser Beziehung derjenigen der im freien Zustande angewandten Säure gleich geachtet werden muß, daß aber nichtsdestoweniger die Oxyde oder basischen Salze, welche sich durch die Zersezung dieser schwefelsauren Salze bilden können, später auf eine andere Weise auf die Stärke einwirken, nachdem diese einmal in Schlichte umgewandelt ist; indem unter übrigens gleichen Umständen wir uns überzeugten, daß, wenn die Schlichte, wozu diese schwefelsauren Salze verwendet wurden, sich auch zersezt und wässerig wird, dieß doch nur sehr selten geschieht (ein einzigesmal nur kam es bei unseren Versuchen vor, und früher im Jahre nur ein- oder zweimal), während mit freier Säure bereitete Schlichte, sobald die dazu benuzte Stärke in gewissem Grade mittelmäßig ist, immer diese Erscheinung darbietet.

Während diese verschiedenen Versuche auf einem Theil unserer disponiblen Schlichtmaschinen ausgeführt wurden, stellten wir auch Versuche mit einer Mischung von unserer Erfindung an, welche bloß aus in Wasser aufgelöster Stärke und Leiokom bestand, ohne allen Zusaz weder eines Metallsalzes noch einer Säure. Allerdings brachte uns eine Angabe des Hrn. Fries auf den Gedanken zu dieser Mischung, indem derselbe beobachtete, daß Stärke allein in Wasser aufgelöst und mehrere Stunden lang gekocht, auch eine gute Schlichte gebe. Wir hofften daher, ein ähnliches Resultat zu erhalten, indem wir uns begnügten, das Kochen nur ungefähr so lange wie gewöhnlich dauern zu lassen, aber Leiokom der Stärke zusezten. Wir fanden bald, daß wir uns nicht geirrt hatten und daß ein Kochen, welches höchstens eine Stunde dauerte, auf diese Weise eine Schlichte lieferte, welche in keiner Beziehung etwas zu wünschen übrig ließ. Wir probirten dieselbe zuerst mit großer Vorsicht und nur auf einer einzigen Maschine, und erst nachdem wir ein ganz treffliches Resultat erhalten hatten, wendeten wir sie mehr im Großen und zulezt bei allen Maschinen der Fabrik an. Während die säurehaltige Schlichte wässerig wurde und weggeworfen werden mußte, blieb diese gummig und behielt alle ihre Eigenschaften bei. Es war kein Unterschied zwischen den auf diese Weise geschlichteten Ketten und jenen mit Zusaz von schwefelsaurem Zink, so wie auch den mit |213| Hrn. Fries' Composition geschlichteten wahrzunehmen. Unsere Schlichte zersezte sich nie und erlitt auch sonst keine nachtheilige Veränderung. Die einzige bei ihrer Bereitung nöthige Vorsicht war eine geringe Vermehrung des Verhältnisses des zuzusezenden Leiokoms in dem Grade, als die Stärke von geringerer Qualität war, um immer den gehörigen Grad von Dike herauszubringen. Doch müssen wir hinzufügen, daß diese Vermehrung oder Verminderung des zuzusezenden Leiokoms gar nicht nothwendig ist, wenn man sich sogleich und ein- für allemal entschließt, dasselbe in dem für die geringsten Sorten der Stärke passenden Verhältnisse, etwa zu 1/10 ihres Gewichts, anzuwenden, wie wir es zulezt gemacht haben. Der Kostenpreis dieser Schlichte wird durch diese gleichbleibende und constante Vorschrift nicht sehr erhöht werden, weil er im äußersten Fall nur um einige Procente differiren und man am Ende noch eine Ersparniß darin finden wird, selbst wenn man den geringen Mehrverbrauch an Brennmaterial in Folge der verlängerten Dauer des Kochens noch in Rechnung zieht; denn man erspart andererseits Zink- oder Kupfervitriol, oder Schwefelsäure und Soda. Bei folgender Vorschrift sind wir am Ende verblieben.

Kartoffelstärke 5 Kilogr. (10 Pfd.); Leiokom 500 Gramme (1 Pfd.); Wasser 50 Liter (100 Pfd.). Die gewöhnliche Dauer des Kochens ist 60 Minuten über freiem Feuer für eine Mischung, welche 5 Hektoliter (1000 Pfd.) Wasser enthält.

So weit gekommen, glaubte die Commission, ihre vier Monate lang fortgesezten Versuche nicht mehr weiter verfolgen zu müssen, um sichere Schlüsse aus denselben ziehen zu können. Es scheint sowohl durch das Vorausgehende, als durch constante Resultate in der Fabrikanstalt, wo diese Versuche angestellt wurden, erwiesen23), daß die Anwendung der freien Schwefelsäure zur Bereitung der Schlichte aus Kartoffelstärke, obwohl sie später beim Bleichen die Bildung schwer zu entfernender Metallseifen aus dem Zeuge verhindert, doch, selbst in kleiner Menge, nicht ohne Nachtheil stattfinden könne, außer wenn man ganz besonders gute Stärke anwendet, indem die Säure die Zersezung der Schlichte begünstigt, also ihre Anwendung im Großen nicht empfohlen werden kann; daß aber, wenn man in Berüksichtigung dessen, was vom Bleichen gesagt worden ist, keine Metallsalze anwendet, welche bis jezt allein als tauglich betrachtet wurden, um der Schlichte die nothwendigen Eigenschaften zum Gelingen dieser Operation zu ertheilen, man seinen Zwek vollkommen |214| erreicht, wenn man bloß Leiokom mit der Stärke gemischt anwendet, selbst wenn leztere von geringer Qualität ist. Wir getrauen uns sogar zu behaupten, daß unter allen Umständen, indem es so schwer hält, sich immer Stärke von gleicher Qualität zu verschaffen, diese leztere Schlichte den Vorzug vor den bisher angewandten verdient, wofür wir die Gründe und was über das Verhältniß zu beobachten ist, oben schon angeführt haben. Die Kosten kommen nicht höher. Auch die mit Metallsalzen bereiteten Schlichten sind vor dem Uebelstande, wässerig zu werden, nicht ganz sicher, und die Bildung von Metallseifen bei dem Bleichen ist durch diese neue Vorschrift ganz vermieden.

Wir glauben noch hinzufügen zu müssen, daß, was die schwefelsauren Salze betrifft, das Zinksalz weniger schadet als das Kupfersalz; daß hingegen der Alaun, dessen sich in neuerer Zeit mehrere Weber aus Gründen der Ersparniß zu bedienen scheinen, beim Bleichen noch schädlicher wirken muß, da es wirklich vorkommen kann, daß die Thonerde beim Bleichen nicht mehr ganz aus dem Zeuge entfernt wird, so daß derselbe beim Färben nothwendig Fleken bekommen muß.

|210|

Wir müssen hier bemerken, daß alle unsere Proben über freiem Feuer gekocht wurden, während sich Hr. Fries hiezu des Dampfes bediente. Diesem Umstande kann jedoch die Verschiedenheit der Resultate nicht zugeschrieben werden, weil offenbar das eine wie das andere Verfahren, so wie es auch bei der gewöhnlichen Schlichte der Fall ist, gleiche Resultate geben muß, wenn man nur darauf Acht hat, je nach dem Verfahren die Dauer des Kochens einzurichten, worauf wir sahen, und was die Praxis bald lehrt. Diese Dauer muß nothwendig |211| nach der Menge der auf einmal bereiteten Schlichte verschieden und bei geringerer Quantität etwas kürzer seyn, als bei größerer. Wenn angegeben wird, daß 30–40 Minuten lang gekocht werden soll, so bezieht sich dieß auf Quantitäten, welche von der oben angegebenen nicht zu sehr abweichen, d.h. auf eine Mischung, wozu ungefähr 300 Liter Wasser kommen. Die Uebung wird immer den Punkt am besten lehren, wo man einzuhalten hat, und welcher durch die gehörige Dike der Schlichte zu erkennen ist.

|213|

Die Fabrik hat nämlich jezt für alle ihre Schlichtmaschinen die bloß aus Kartoffelstärke und Leiokom bereitete Schlichte eingeführt.

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