Titel: Egen, über die Conditionirung der Seide.
Autor: Egen,
Fundstelle: 1841, Band 80, Nr. XC. (S. 353–371)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj080/ar080090

XC. Ueber die Conditionirung der Seide; von Hrn. Professor Dr. Egen.42)

Auszug aus den Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen, 1840, 6te Lieferung, im polytechnischen Centralblatt 1841, Nr. 18 und 19.

Die zu Lyon im Jahre 1840 eingezogenen Erkundigungen brachten, statt der Nachricht von der erfolgten königlichen Bestätigungsordonnanz der Talabot'schen Methode, nur die Kunde von mannichfachen Einreden, welche die Seidenhändler, Moulinirer und Seidenproducenten der Einführung des neuen Verfahrens entgegenstellten. Einen vollständigen Aufschluß gab aber erst die im Oktober 1840 auf Befehl der Handelskammer in Lyon als Manuscript zur Vertheilung an die Betheiligten gedrukte Schrift:

Nouvelles expériences pour l'essai en grand du conditionnement de la soie, par le procédé de M. M. L. Talabot frères, faites à Lyon an mois d'Août 1840, en vertu d'une décision de M. de Ministre de l'agriculture et du commerce, par les soins de la Chambre de commerce de la dite ville, et contradictoirement avec M. M. les délégués des Chambres de commerce de Nimes, Avignon et St. Etienne, et de la Chambre consultative de Privas. Lyon, Imprimerie de Barret 1840.

Die neuen Verhandlungen und Untersuchungen sind für die Einführung des Talabot'schen Verfahrens wichtig, und legen für dessen Genauigkeit und praktische Anwendbarkeit einen vollgültigen Beweis ab.

Die Resultate der angestellten Versuche sind so zusammengeordnet, wie sie auf die drei vorzüglich vorgebrachten Einwürfe antworten.

I. Genauigkeit des Talabot'schen Verfahrens.

Im Allgemeinen sprachen mehrere Deputirte die Befürchtung aus, es könnten die nothwendigen vielen und sehr genauen Abwägungen, besonders weil ein kleiner Fehler in dem Gewichte der Proben auf den ganzen Ballen Seide von großer Bedeutung werde, leicht zu Irrungen Veranlassung geben. Auf diesen Einwand antworteten die Commissionsglieder, alle Abwägungen geschähen doppelt und durch geübte Hände, und seyen von dem Director streng überwacht. Bei der geringsten Differenz zwischen den beiden Abwägungen müßten sie wiederholt werden. Das Gewicht werde durch genaue Waagen bestimmt, |354| deren Genauigkeit, Empfindlichkeit und guter Zustand unter genauer Aufsicht gehalten werde.

Andere Deputirte machten den Einwand geltend, die Auswahl der dreißig Probestränge (es wurde nämlich neuerdings festgesezt, statt der frühren 27 Stränge fernerhin 30 Stränge zur absoluten Austroknung zu verwenden) biete keine hinlängliche Garantie einer beständigen Genauigkeit dar und scheine dem Mißbrauche zu weiten Spielraum zu gestatten. Der Präsident erwiederte im Namen der Commission, daß die Angestellten, die von dem Director gewählt wurden, als sachkundige und ehrenhafte Männer zu betrachten wären, in deren Charakter man kein Mißtrauen sezen dürfe; der Director selbst werde von der Handelskammer ernannt, und seine moralische und materielle Verantwortlichkeit lege ihm die Pflicht auf, die Angestellten in ihren Verrichtungen genau zu überwachen; die Handelskammer ernenne monatlich zwei Specialcommissäre, den einen aus der Classe der Seidenhändler, den andern aus der Classe der Seidenfabrikanten, welche die Condition täglich zu beaufsichtigen berufen seyen; endlich stehe es sowohl dem Verkäufer als auch dem Ankäufer frei, bei der Auswahl der Probestränge gegenwärtig zu seyn.

Welche Genauigkeit durch das neue Verfahren bei sorgfältiger Behandlung zu erreichen sey, mußte durch Versuche nachgewiesen werden. Die folgenden Versuche wurden im Laufe des Monats in Gegenwart der Deputirten angestellt.

Versuch 1. Ein Ballen französische Organsine wog netto = 114,860 Kilogramme.

Die Probebündel, jedes von 10 Strängen, wogen

vor der Austroknung nach der Austroknung Verlust
Nr. 1 526,650 Gramme. 466,730 Gramme. 12,84 Proc.
– 2 525,670 – 466,590 – 12,67 –
– 3 525,770 –

Da die beiden Austroknungen bis auf 1/6 Proc. stimmen, so wurde das dritte Bündel nicht getroknet. Das Conditionsgewicht des Ballens berechnet sich auf 112,058 Kilogr.; die Seide hatte also 12,75 Procent Feuchtigkeit, und durch das Conditioniren 2,75 Proc. Gewicht verloren.

Versuch 2. Der Ballen wurde, nach Wegnahme von 30 Probesträngen, bei einem Gewichte von netto 113,33 Kilogr. der öffentlichen Condition übergeben, welche das Conditionsgewicht zu 111,22 Kilogr. bestimmte.

Versuch 3. Nachdem der Ballen im Gewichte von 111,22 Kil. aus der öffentlichen Condition zurükgeliefert war, wurden wieder 30 Probestränge ausgewählt, und zwar wog das Bündel

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vor der Austroknung nach der Austroknung Verlust
Nr. 1 522,000 Gramme. 470,800 Gramme. 10,88 Proc.
– 2 533,820 – 481,050 – 10,97 –
– 3 523,700 –

Da die beiden Austroknungen bis auf 1/10 Proc. stimmen, so blieb das dritte Bündel unberüksichtigt. Das Conditionsgewicht des Ballens berechnet sich auf 110,293 Kil., welches von dem Conditionsgewichte des altern Verfahrens um 0,927 Kil. abweicht. Berechnet man hingegen nach den Resultaten des ersten absoluten Austroknens den Ballen von 113,282 Kilogr., so findet man ein Conditionsgewicht von 110,518 Kil., welches von den Resultaten der zweiten Operation nur um 0,225 Kil. oder um 1/5 Proc. abweicht.

Versuch 4. Der Ballen Seide wurde jezt Abends strangweise auf nasse Tücher gelegt, und der Haufen mit doppelten nassen Tüchern zugedekt. Die Seide wog vor dieser Anfeuchtung 109,555 Kil., nach derselben am andern Morgen 110,597 Kil., hatte also 1,042 Kil. Feuchtigkeit, und zwar in sehr ungleichem Grade, angenommen. Die Deputirten erkannten an, daß sich die Seide in einem durchaus anomalen Feuchtigkeitszustande befinde.

Um dieß auch durch den Versuch nachzuweisen, wurde an drei Stellen, welche am verschiedensten feucht zu seyn schienen, ein Strang Seide weggenommen, und diese Stränge wurden absolut getroknet. Die drei Stränge wogen zusammen 0,153665 Kil., und der erste enthielt 13,29 Proc., der zweite 11,59 Proc., der dritte 11,70 Proc. Feuchtigkeit. Nunmehr wurden aus diesen Ballen 30 Stränge gewählt, und diese in drei Bündeln von je 10 Strängen absolut getroknet. – Es wog:

vor der Austroknung nach der Austroknung Verlust
Nr. 1 528,500 Gramme. 473,450 Gramme. 11,63 Proc.
– 2 508,720 – 452,700 – 12,37 –
– 3 517,820 – 464,100 – 11,57 –

Da die Verluste der beiden ersten Bündel um mehr als 1/2 Proc. von einander abweichen, so mußte auch das dritte Bündel ausgetroknet werden. Die Deputirten erklärten zu Protokoll: daß sie bei der absichtlich bewirkten so sehr ungleichen Anfeuchtung der Seide über diese Differenz sich gar nicht wundern könnten.

Der mittlere Verlust beträgt 11,86 Proc. und das Conditionsgewicht des Ballens, unter Hinzurechnung der weggenommenen Seide, 110,331 Kilogramme.

Versuch 5. Der angefeuchtete Ballen Seide wurde wieder der Conditionirung nach dem ältern Verfahren übergeben. Statt der hinzugebrachten Feuchtigkeit von 0,951 Proc. vom Bruttogewicht verlor |356| derselbe nur 0,899 Proc., also behielt die Seide 0,052 Proc. Feuchtigkeit zurük.

Versuch 6. Nach dieser Conditionirung wurden wieder 30 Stränge aus dem Ballen ausgewählt und diese nach dem neuen Verfahren behandelt. Es fand sich das Bündelgewicht

vor der Austroknung nach der Austroknung Verlust
Nr. 1 490,400 Gramme. 442,390 Gramme. 10,85 Proc.
– 2 504,550 – 454,650 – 10,97 –
– 3 513,050 –

Der mittlere Verlust beträgt 10,91 Proc. und das Conditionsgewicht des in seinem Gewichte ergänzten Ballens berechnet sich daraus auf 110,325 Kilogr.

Hiemit wurde die erste Reihe von Versuchen am 8. August abgeschlossen. Die vier Conditionirungen nach dem neuen Systeme hatten das folgende Handelsgewicht des Ballens gegeben; nämlich

die erste = 110,518 Kilogr.
– zweite = 110,293 –
– dritte = 110,331 –
– vierte = 110,325 –
––––––––––––––
Das Mittel beträgt = 110,367 Kil.
und die größte Abweichung vom Mittel = 0,151 –
oder = 0,137 Proc.,

also beinahe 1/7 Proc.

Am 11. August wurde eine zweite Beobachtungsreihe vor mehreren neu angekommenen Deputirten eröffnet. Der Deputirte Teraube von Privas erklärte, daß er sehr bezweifle, ob aus der Untersuchung weniger Stränge auf den Feuchtigkeitsgehalt des ganzen Ballens ein richtiger Schluß gemacht werden könne; er könne selbst neuen, unter seinen Augen ausgeführten Versuchen dieser Art nur geringen Werth beilegen. Der Deputirte Guérin von Privas stimmte dieser Ansicht bei und wünschte, daß es möglich sey, einen ganzen Ballen den Versuchen zu unterwerfen. Der dritte anwesende Deputirte hielt die Versuche für ausreichend.

Versuche 7 und 8. Um nun den Wünschen der beiden ersten Deputirten möglichst nachzukommen, wurden aus einem Ballen Organsine 6 Bündel von je 10 Strängen ausgewählt, 3 Bündel davon am 11. August und die drei andern am 12. August den Versuchen unterworfen. Die drei ersten Bündel wogen

vor der Austroknung nach der Austroknung Verlust
Nr. 1 551,750 Gramme. 481,780 Gramme. 14,53 Proc.
– 2 555,970 – 485,040 – 14,62 –
– 3 562,020 –
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Die drei andern Bündel wogen

vor dem Austroknen nach dem Austroknen Verlust
Nr. 1 546,900 Gramme. 478,150 Gramme. 14,38 Proc.
– 2 568,650 – 495,880 – 14,67 –
– 3 554,850 –

Der mittlere Verlust des ersten Versuchs beträgt 14,57 Proc., der des zweiten Versuchs 14,53 Proc.

Der Ballen wog, nach Wegnahme der 60 Stränge, netto 107,867 Kil. Sein Conditionsgewicht beträgt also

nach dem ersten Versuche = 103,560 Kilogr.
– – zweiten – = 103,600 –
––––––––––––––
Unterschied = 0,040 Kil. oder 0,037 Proc.,

also beinahe 1/27 Proc. Die größte Abweichung der einzelnen Versuche vom Mittel beträgt gegen [...]/6 Proc.

Versuch 9. Nachdem die 60 Stränge von dem Ballen weggenommen worden, wurde derselbe nach dem ältern Verfahren conditionirt. Die Seide mußte, des starken Verlustes beim ersten Austroknen wegen, zum. zweitenmale ausgetroknet werden. Es ergab sich nach 48stündigem Austroknen ein Conditionsgewicht von 103,700 Kilogr.

Versuch 10. Nachdem der Ballen aus der öffentlichen Condition zurükgebracht und sein Gewicht netto auf 103,712 Kil. bestimmt worden war, wurden wiederum 30 Stränge ausgewählt und diese untersucht. Man fand das Gewicht

vor dem Austroknen nach dem Austroknen Verlust
vom Bündel Nr. 1 543,470 Gr. 492,950 Gr. 10,25 Proc.
– 2 529,050 – 480,550 – 10,09 –
– 3 532,820 –
Der mittlere Verlust beträgt also 10,17 Proc., woraus
sich das Conditionsgewicht des Ballens berechnet auf:
103,546 Kilogr.
Dasselbe wurde früher bestimmt zu 103,560 –
und zu 103,600 –
–––––––––––––
Das Mittel beträgt 103,569 Kilogr.
Die größte Abweichung vom Mittel 0,031 –
oder 0,030 Proc., also 1/33 Proc.

Versuch 11. Aus einem Ballen Trame, wiegend 79,618 netto und aus 380 Strängen bestehend, wurden 30 Stränge dadurch ausgewählt, daß beim Nachzählen der 13te Strang ausgeworfen wurde. Die anwesenden Deputirten erkannten protokollarisch an, daß nach diesem Verfahren die ausgewählten Stränge den Mittlern Feuchtigkeitszustand darstellen müßten. Man fand das Gewicht

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vor dem Austroknen nach dem Austroknen Verlust
vom Bündel Nr. 1 305,710 Gr. 269,570 Gr. 13,41 Proc.
– 2 305,800 – 270,120 – 13,21 –
– 3 307,600 –

Der mittlere Verlust beträgt also 13,31 Proc., wovon die einzelnen Versuche nur um 1/10 Proc. abweichen. Daraus berechnet sich das Conditionsgewicht des Ballens zu 77,293 Kilogr.

Versuch 12. Der Ballen Trame, von einem Nettogewichte von 78,68 Kilogr., wurde der öffentlichen Conditionirung übergeben. Das Conditionsgewicht wurde bestimmt nach 48stündiger Austroknung auf 76,86 Kilogr.

Am 14. August wurde hiemit die zweite Reihe von Beobachtungen abgeschlossen. Die Deputirten Teraube und Guérin erkannten jezt die ausreichende Genauigkeit des Verfahrens an. Sie trugen aber darauf an, daß alle Abwägungen doppelt, von zwei verschiedenen Angestellten und auf zwei verschiedenen Waagen, geschehen möchten. Die Commission erkannte diese Forderung als begründet an.

Die dritte Reihe von Versuchen wurde am 17. August eröffnet, nachdem sich wieder mehrere neue Deputirte eingefunden hatten. Da die Resultate der früheren Versuche vorlagen und nicht in Zweifel gestellt werden konnten, so wurde durch die folgenden Versuche, wenigstens theilweise, eine Prüfung des Verfahrens von anderen Seiten beabsichtigt.

Versuch 13. Nachdem der früher (Versuch 11 und 12) benannte Ballen Trame aus der öffentlichen Condition zurükgebracht worden war, wurden 30 Stränge ausgewählt und diese untersucht. Man fand das Gewicht

vor dem Austroknen nach dem Austroknen Verlust
des Bündels Nr. 1 301,060 Gr. 271,640 Gr. 10,83 Proc.
– – – 2 296,800 – 267,980 – 10,76 –
– – – 3 302,820 –

Der mittlere Verlust beträgt also = 10,80 Proc., die Abweichung vom Mittel 1/25 Proc. und das Conditionsgewicht des um 30 Stränge verminderten Ballens 76,290 Kilogr., welches nach Versuch 11 beträgt: 76,401 Kilogr. Der Unterschied macht 0,111 Kilogr. oder 1/7 Proc. aus.

Versuch 14. Es wurde jezt ein Ballen Seide von doppelten Cocons (soie doupion) von 50,220 Kil. netto gebracht und, da jeder Strang derselben gegen 290 Gramme wog und nicht getheilt werden durfte, nur 18 Stränge ausgewählt und diese in drei Bündel von je 6 Strängen vereinigt. Jedes Bündel war so groß, daß es in |359| drei Abcheilungen, in drei verschiedenen Apparaten getroknet werden mußte. Die Austroknungen dauerten 5 bis 6 Stunden. Man fand das Gewicht

vor dem Austroknen nach dem Austroknen Verlust
vom Bündel Nr. 1 1,933 Kil. 1,713900 Kil. 12,77 Proc.
– – – 2 1,759 – 1,563850 – 12,47 –
– – – 3 1,785 –

Der mittlere Verlust beträgt also 12,62 Proc., wovon die Beobachtungen nur um 1/6 Proc. abweichen; das Conditionsgewicht des um 18 Stränge verminderten Ballens ist = 43,694 Kil.

Versuch 15. Die öffentliche Condition bestimmte dieses Gewicht zu 43,57 Kil.

Versuch 16. Das Gewicht des zurükgelieferten Ballens fand sich 43,550 Kil. Man wählte wieder 18 Stränge aus und behandelte diese wie früher. Man fand das Gewicht

vor dem Austroknen nach dem Austroknen Verlust
vom Bündel Nr. 1 1,919 Kil. 1,749820 Kil. 9,66 Proc.
– – – 2 1,633 – 1,487970 – 9,74 –
– – – 3 1,687 –

Der mittlere Verlust beträgt also 9,70 Proc., wovon die Beobachtungen nur um 1/25 Proc. abweichen.

Das Conditionsgewicht berechnet sich nach diesen Versuchen

= 43,666 Kilogr.
nach den früheren Versuchen = 43,694 –
–––––––––––––
so daß das Mittel beträgt = 43,680 Kilogr.
die Abweichung vom Mittel = 0,014 –
also = 0,032 Proc. oder 1/32 Proc.

Versuch 17. Es wurde ein Ballen roher Nähseide (rondelette écrue) von einem Nettogewichte von 26,050 Kil. und aus 18 Päkchen bestehend, herbeigeschafft. Aus 15 Päkchen wurden aus jedem 2 Flotten, also im Ganzen 30 Flotten gezogen und diese in 3 Bündel vereinigt. Es wog nun

vor dem Austroknen nach dem Austroknen Verlust
das Bündel Nr. 1 337,130 Gr. 302,490 Gr. 11,45 Proc.
– – – 2 423,200 – 379,070 – 11,64 –
– – – 3 306,400 –

Der mittlere Verlust beträgt also 11,55 Proc. und die Abweichung vom Mittel 1/10 Proc. Das Conditionsgewicht des um 30 Flotten verminderten Ballens berechnet sich zu 24,634 Kilogr.

Versuch 18. Die öffentliche Condition bestimmte das Gewicht des Ballens auf 24,530 Kil.

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Versuch 19. Nachdem der Ballen aus der öffentlichen Condition zurükgebracht worden war, wurden wieder 30 Flotten ausgewählt, diese in drei Bündel vertheilt und dann der Untersuchung unterworfen. Man fand das Gewicht des Bündels

vor dem Austroknen nach dem Austroknen Verlust
Nr. 1 329,250 Gramme. 293,970 Gramme. 9,67 Proc.
– 2 339,000 – 309,080 – 9,68 –
– 3 379,080 –

Der mittlere Verlust beträgt demnach 9,72 Proc., die Abweichung vom Mittel 1/25 Proc. und das Conditionsgewicht des Ballens

nach diesem Versuche 24,591 Kilogr.
nach einem früheren Versuche 24,634 –
––––––––––––
also im Mittel 24,612 Kilogr.
Die Abweichung vom Mittel 0,022 –
also 0,089 Proc. oder 1/11 Proc.

Versuche 19 bis 24. Es wurden in diesen sechs Versuchen erstens aus einem Ballen französischer Organsine und zweitens aus einem Ballen Organsine, welche aus Rohseide, genannt royale de Naples, gesponnen war, in derselben Art wie früher Versuche angestellt. Es wurde das Conditionsgewicht bestimmt

vom ersten, vom zweiten Ballen
nach dem ersten Versuche 67,219 Kil. 83,437 Kil.
– – zweiten – 67,221 – 83,283 –
durch die öffentliche Condition 67,590 – 84,551 –
Mittel aus den beiden ersten Versuchen 67,220 – 84,360 –
Abweichung vom Mittel 0,001 – 0,077 –
oder in Procenten 0,001 Proc. 0,088 Proc.
also 1/1000 – 1/11 –

Nachdem diese von den Deputirten selbst angeordneten und in ihrer beständigen Gegenwart angestellten Versuche abgeschlossen waren, erklärten sie einstimmig zu Protokoll, daß sie das neue Verfahren jezt für genau erachteten, jedoch unter der Voraussezung, daß die Auswahl der Probestränge stets mit so großer Sorgfalt geschehe, als sie vor ihren Augen ausgeführt worden sey.

Es läßt sich allerdings nicht verkennen, daß, wenn man voraussezen dürfte, es könne ein unredlicher Beamter im Solde eines unredlichen Seidenhändlers stehen und dieser die Auswahl der Probestränge zu besorgen haben, mehrere Wege denkbar sind, auf denen bei dem neuen Verfahren ein bedeutender Betrug stattfinden könnte. Aber das ältere Verfahren schüzt unter solchen Voraussezungen eben so wenig vor Betrug.

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Der Deputirte Gaucherand von Privas erklärte die im Laufe des Monats August ausgeführten Versuche zwar als überzeugende Beweise für die Genauigkeit des neuen Verfahrens, aber er stellte in Zweifel, ob sich dieser Beweis erfahrungsmäßig für alle Monate des Jahres ergeben werde. Man entgegnete ihm von Seiten der Commission, daß dieser Beweis in den vom 5. Novbr. 1838 bis zum 12. Julius 1839 ausgeführten Versuchen geliefert worden sey. Gaucherand entgegnete, daß diese Versuche mit den dießjährigen nicht in Parallele gestellt werden dürften, da sie nicht contradictorisch ausgeführt worden seyen. Die Deputirten Champanchet und Itty schlossen sich diesen Ansichten an; man meinte, es müßten neue Versuche in den drei noch übrigen Jahreszeiten angestellt werden. Nach mehreren Erörterungen beschränkte man die Forderung auf die Anstellung von Versuchen in den lezteren beiden Wochen im nächsten November und December; man würde erst durch diese Versuche über die Abweichungen in den Resultaten des alten und neuen Verfahrens urtheilen können.

Der Präsident erklärte im Namen der Commission, sie halte die geforderten Versuche für unnöthig.

Es ist nicht einzusehen, wie die Jahreszeiten auf die Genauigkeit des Talabot'schen Verfahrens einwirken können, wenn man nicht annehmen will, daß die Ungleichheiten in der Vertheilung der Feuchtigkeit in den Seidenballen mit den Jahreszeiten sich dergestalt ändern, daß dadurch die Genauigkeit des Verfahrens beeinträchtigt werde.

Die anderweitige Bemerkung, daß nämlich das Verhältniß zwischen den Resultaten des alten und neuen Verfahrens sich mit den Jahreszeiten ändern müsse, erscheint mehr begründet. Die auf diesen Punkt sich stüzende Opposition hat aber in einem Vorschlage der Commission ihren Halt verloren.

II. Nachtheilige Veränderung der Seide durch das absolute Austroknen.

Die meisten Deputirten wiederholten vor der Commission die Behauptung, die Seide erleide durch die absolute Austroknung bei der über die Siedhize steigenden Temperatur (106–108° C. oder 85 bis 88° R.) eine nachtheilige Veränderung. – Auf die Bemerkung der Commission, daß, wenn auf die Seide durch das absolute Austroknen nachtheilig eingewirkt werde, dieß durch die Fabrikanten, die mehr dabei betheiligt seyen, als die Moulinirer, hätte gerügt werden müssen, während von dieser Seite nie eine Klage dagegen erhoben |362| worden sey, erwiederte der Deputirte Teraube: vielleicht rühre das Ausbleiben solcher Klagen daher, weil nur kleine Massen Seide seyen absolut ausgetroknet worden; oder auch, weil vielleicht die Fabrikanten in dem aus der größern Strenge des neuen Verfahrens hervorgehenden Vortheile eine hinlängliche Entschädigung für die Entwerthung der wenigen Stränge Seide gefunden hätten.

Es blieb also kein anderer Ausweg übrig, als die Deputirten durch directe Versuche von ihrer irrigen Ansicht abzubringen.

Es wurde bestimmt, daß aus einem Ballen Organsine, der zur Untersuchung des Conditionsgewichts nach beiden Verfahrungsarten bestimmt worden, einige absolut getroknete und einige bloß durch die öffentliche Kondition gegangene Stränge sollten abgehaspelt werden, um aus dem verschiedenen Verhalten der Seide und dem Abfall ihren Unterschied beurtheilen zu können. Die Deputirten mußten vorab anerkennen, daß die aus dem Apparate des absoluten Austroknens gezogenen Stränge weder in ihrem Ansehen, noch in ihrem Nerv, die geringste nachtheilige Veränderung erkennen ließen. Die Seide zeigte sich zwar ein wenig entfärbt, sie hatte aber auch beim Troknen einen schwachen Seifengeruch ausgehaucht. Beim Reiben der Seide fiel kein Atom Staub ab. – Es wurden darauf 2 Stränge Trame von 28 Deniers, die absolut getroknet worden waren, und wovon der eine Strang rosa, der andere blau, beide in zarter Farbe, gefärbt waren, untersucht. Sie hatten in ihrem äußern Ansehen, ihrer Farbe und ihrem Griff so wenig Veränderung erlitten, daß sie von ungetrokneten Strängen durchaus nicht zu unterscheiden waren. – Teraube wandte gegen das Abhaspeln der conditionirten Organsine ein, die Seide sey zum Probehaspeln zu stark, nämlich von 24/26 d. Feinheit. Er lieferte dagegen 4 Stränge Organsine von 18/20 d. ein, wovon zwei absolut getroknet wurden und die beiden andern unberührt blieben. Die Elasticität fand sich vollkommen gleich, indem Fäden von 10 Zoll Länge sich um 2 Zoll ausstreken ließen. Beim Abhaspeln zeigte sich nicht der mindeste Unterschied. Ferner wurden einige absolut getroknete Stränge Grège von 9/10 d. mit anderen nicht getrokneten Strängen verglichen. Die getrokneten Stränge zeigten eine kaum merkliche, gar nicht in Betracht zu ziehende Entfärbung. Beim Abhaspeln konnte kein Unterschied wahrgenommen werden. Die sämmtlichen Deputirten standen darum auch nicht länger an, einstimmig und unbedingt zu Protokoll zu erklären, daß die Seide durch das absolute Austroknen keine nachtheilige Veränderung erleide.

Es wurden am 14. Oktober einige Flotten Grège von 9/10 d., welche absolut getroknet worden waren, und zu gleicher Zeit einige |363| Flotten ungetrokneter Seide aus demselben Ballen gehaspelt. Es stellte sich dabei nicht der geringste Unterschied im Verhalten der Seide heraus, obgleich die getrokneten Stränge 6 Proc. Feuchtigkeit wieder angenommen hatten.

Von 1 2/5 Kilogr. italienischer Grège von 9/10 d. wurde die eine Hälfte absolut getroknet und die andere Hälfte der freien Luft ausgesezt. Beide Hälften wurden dann 4 Stunden lang im Keller aufgehängt, wonach die absolut getroknete Seide 6 Proc. Feuchtigkeit wieder angenommen hatte und sich in sehr wenig merklichem Grade entfärbt zeigte. Beim Abhaspeln fand sich nicht der geringste Unterschied zwischen der getrokneten und nicht getrokneten Seide, wie dieses die anwesenden Deputirten durch protokollarische Erklärung anerkannten.

Gamot, der Dirigent der Probecondition, unter dessen umsichtiger und sachkundiger Leitung alle Versuche in den Jahren 1838, 1839 und 1840 ausgeführt worden waren, sagt in seinem der Commission abgestatteten Schlußberichte, die getroknete Seide habe schon beim ersten Probehaspeln sogar einen entschiedenen Vorzug vor der nicht getrokneten Seide zu erkennen gegeben. Ihr Nerv sey vermehrt worden, die Fäden hätten weniger stark zusammengeklebt und seyen stärker erschienen. Das zweite Probehaspeln der italienischen Grège von wenig Nerv hätte die frühere Ansicht so vollständig bestätigt, daß diese Erfahrung als eine für die Moulinage wichtige Entdekung möchte angesehen werden können.

III. Wie viel Procent soll dem Gewichte der absolut trokenen Seide zugesezt werden, um das Conditions- oder Handelsgewicht zu erhalten?

Die Festsezung, daß zum Gewichte der absolut trokenen Seide 10 Proc. zugesezt werden sollen, um das Handelsgewicht zu erhalten, entbehrte eigentlich jedes rechtlichen Grundes und überhaupt irgend eines haltbaren Princips; die Annahme hatte sich wohl eigentlich mehr durch die bequeme Zahl, besonders in dem decimalsüchtigen Frankreich, als durch vorliegende Sachgründe empfohlen. Auch möchte es schwer halten, irgend ein Princip von allgemeinerer Gültigkeit für die Bestimmung des zulässigen Grades der Feuchtigkeit aufzufinden. Die mittlere Feuchtigkeit der Seide im natürlichen Zustande als Normalzustand festzusezen, ist unthunlich, weil dieser Feuchtigkeitszustand nicht allein mit den Jahreszeiten, sondern auch mit Ortsverhältnissen außerordentlichen Abweichungen unterworfen ist. Nach den früher mitgetheilten Versuchen zeigt die in Beaucaire an der Luft getroknete Seide |364| nur 9,2 Proc. Feuchtigkeit, während dieselbe, kaum in Lyon angekommen, schon 10,7 Proc. Feuchtigkeit besaß, und die in Lyon conditionirte Seide meistens gegen 14 Proc. Feuchtigkeit enthält. In unseren nördlichen Gegenden, besonders in den Gebirgen und an Flüssen, wird die Seide durchschnittlich noch mehr Feuchtigkeit aufnehmen.

Der reine Theoretiker möchte sagen, es könne dem Seidengeschäfte gleichgültig seyn, welcher Zusaz für Feuchtigkeit gesezlich bestimmt werde; wenn es den Betheiligten nur bekannt ist, wie viel Pfund reine Seide und wie viel Pfund Wasser der conditionirte Ballen Seide enthält, so könne sich Jeder selbst die Rechnung stellen. Eine solche Sprache würde aber die größte Unkenntniß mit dem Gange kaufmännischer Geschäfte verrathen, da es keinem Zweifel unterworfen seyn kann, daß die gesezliche Festsezung eines hohen Feuchtigkeitsgrades dem Producenten und Händler, die eines niedrigen Grades aber dem Fabrikanten und Consumenten von Vortheil seyn wird.

Dieses hatten die Deputirten aus den Seide producirenden Departements so wohl begriffen, daß sie alle, mit einer einzigen Ausnahme und von der ersten Sizung an bis zur lezten, gegen den Zuschlag von nur 10 Proc. für Feuchtigkeit auf das ernsteste protestirten. Sie stellten als Grundsaz auf, die neue Condition dürfte durchschnittlich nicht strenger seyn, als die alte; d.h. das neue Verfahren dürfe durchschnittlich kein geringeres Handelsgewicht ermitteln, als dieß von dem alten Verfahren bisher geschehen sey, sonst leide darunter Producent und Moulinirer. Wenn auch das alte Conditionsverfahren ungenau sey, so würde bald dem Verkäufer, bald dem Ankäufer ein Vortheil zugewandt, und diese Vortheile und Verluste würden sich, auf viele Fälle vertheilt, ziemlich ausgleichen. Würde aber durch das neue Verfahren gesezlich eine bisher im öffentlichen Verkehre nicht gebräuchliche Strenge im Conditioniren eingeführt, so falle stets der Nachtheil auf die eine und der Vortheil auf die andere Seite.

Diesen Gründen scheint die Commission nichts Haltbares entgegenzusezen vermocht zu haben. Es kam also darauf an, zu ermitteln, ob und in welchem Verhältnisse das neue Verfahren strenger sey, als das alte.

Lardon, Deputirter von St. Etienne und Director der dortigen Condition, erklärte, daß vielfachen Versuchen zufolge die dort conditionirte Seide, welche Austroknung freilich unter dem Einflusse anderer atmosphärischer Verhältnisse stattfinde, als in Lyon, kaum 9 1/4 Proc. Feuchtigkeit noch enthalte. Dagegen bemerkte aber ein zweiter Deputirter aus St. Etienne, daß der in der dortigen Condition unterhaltene |365| Hizegrad unter den vorhandenen atmosphärischen Verhältnissen schon zu Reclamationen Veranlassung gegeben habe, daß man aber diese Reclamationen nicht weiter verfolgt, nicht, weil man sie etwa für unbegründet gehalten, sondern weil man erwarte, daß bald das neue bessere Verfahren das alte ohnehin verdrängen werde.

Um nun zu ermitteln, in welchem Verhältnisse das neue Verfahren eine schärfer getroknete Seide als das alte Verfahren in Rechnung bringe, wurden die folgenden Resultate der in den Jahren 1838, 1839 und 1840 nach dem alten und neuen Verfahren untersuchten Seidenballen zusammengestellt. Die Procentweise berechneten Verluste sind leider auch hier wieder auf das veränderliche Gewicht der Seide im feuchten, nicht auf das constante Gewicht der Seide im absolut trokenen Zustande bezogen, so daß die berechneten Mittel nicht scharf mathematisch richtig sind.

Die mit * bezeichneten Gewichtsverluste sind nach 24stündiger, die übrigen nach 48stündiger Austroknung erfolgt. Die meteorologischen Beobachtungen sind aus den Registern des Observatoriums in Lyon entnommen und beziehen sich auf den Mittag des bezüglichen Tages. Die Hygrometerangaben scheinen nicht viel Zutrauen zu verdienen.

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Tabellarische Zusammenstellung der Resultate mehrerer Conditionirungen der Seide nach dem alten und neuen Verfahren.

Textabbildung Bd. 80, S. 366-367
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Textabbildung Bd. 80, S. 368-369
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Die vorstehenden Beobachtungen geben die folgenden sehr wichtigen Resultate:

1) Nach dem Mittel aus allen Beobachtungen hat das neue Verfahren die conditionirte Seide in den 63 Versuchen um 0,521 Proc. vom Gewichte der feuchten Seide, also um 0,567 Proc. vom Gewichte der absolut trokenen Seide, stärker ausgetroknet dargestellt, als das alte Verfahren.

2) Die Mangelhaftigkeit des alten Verfahrens tritt aus den angestellten Versuchen wieder sehr augenfällig hervor. Nicht allein zeigen die einzelnen Beobachtungen Abweichungen von zwei und mehr Procent, sondern auch die Mittel der Beobachtungen aus dem November und December 1838, aus dem Januar, Februar, März, April und Mai 1839, und aus dem Junius, Julius 1839 und August 1840, welche der Verfasser in drei Gruppen zusammengestellt hat, weichen um 0,7 Proc. von einander ab. Diese Abweichung mag theils darin liegen, daß in der zweiten Periode, wo die Seide am feuchtesten die öffentliche Condition verließ, die Seide sehr feucht zur Condition gebracht und dennoch verhältnißmäßig am seltensten die doppelte Conditionszeit getroknet wurde; anderntheils kann aber auch, bei einem so mangelhaften Verfahren und bei den nicht sehr zahlreichen Beobachtungsreihen, der Zufall die großen Ungleichheiten in den Gesammtresultaten der drei Beobachtungsgruppen herbeigeführt haben. Das Mittel aus den drei einzelnen Mittelzahlen beträgt 0,616 Proc., so daß also hienach das neue Verfahren die Seide um 0,682 Proc. vom Gewichte der absolut trokenen Seide trokener darstellt, als das alte Verfahren. Aus den vorstehend angeführten Gründen muß aber die oben ermittelte Abweichung von 0,576 Proc. zwischen den beiden Verfahrungsarten für die richtigere gehalten werden.

3) Nach diesen Versuchen konnte es keinem Zweifel mehr unterworfen seyn, daß das alte Verfahren in Lyon im Mittel mehr als 10 Proc. Feuchtigkeit in der conditionirten Seide zurüklasse, daß also, wenn bei Einführung des neuen Verfahrens nur 10 Proc. vom absoluten Gewichte für Feuchtigkeit hinzugerechnet würden, damit ein offenbarer Nachtheil der Seidenproducenten und Moulinirer verknüpft sey. Darum trugen auch sämmtliche Deputirte, mit Ausnahme eines einzigen, darauf an, wenigstens 11 Proc. für Feuchtigkeit in Anrechnung zu bringen; drei Deputirte beantragten sogar den augenscheinlich übertriebenen Saz von 12 Proc. Der leztere Antrag, so wie auch die Forderung mehrerer Deputirten, es mochten noch ein ganzes |371| Jahr hindurch, oder wenigstens in den noch übrigen Monaten des laufenden Jahres, vergleichende Versuche mit dem alten und neuen Verfahren in Gegenwart von Deputirten der Seidenproducenten und Moulinirer angestellt werden, wurde von der Commission abgelehnt.

Am 2. Sept. versammelte sich die Commission zu ihrer Schlußsizung. Nach reiflicher Erwägung aller vorliegenden Thatsachen vereinigte sie sich zu folgenden Beschlüssen:

1) Es bleibt erwiesen, daß die Auswahl von 30 Strängen aus einem Ballen Seide hinreicht, um darnach genau das absolute Gewicht des ganzen Ballens bestimmen zu können.

2) Es bleibt ebenfalls erwiesen, daß die der absoluten Austroknung bei 108° C. unterworfenen Seidenstränge dadurch keine nachtheilige Veränderung erleiden.

3) Wenn die Commission nur ihre aus den Versuchen hervorgehende Ueberzeugung, so wie die Bequemlichkeit der Rechnung in Betracht ziehen wolle, so müsse dieselbe bei ihrem frühern Vorschlage, für Feuchtigkeit dem absoluten Gewichte 10 Proc. zuzusezen, um das Handelsgewicht der Seide zu erhalten, stehen bleiben; da aber zu befürchten sey, daß man darin einen neuen Beweggrund finden werde, sich der baldigen Annahme des neuen Verfahrens zu widersezen, so spreche sich die Commission zu Gunsten des Zusazes von 11 Proc. für Feuchtigkeit aus, welchen die Deputirten so allgemein und lebhaft beantragt hätten.

Schon am 3. Sept. versammelte sich, unter dem Vorsize des Präfecten Jayr, die Handelskammer in Lyon. Die Kammer trat den Beschlüssen der Commission in allen Punkten bei und richtete demnach den Antrag an den Minister des Akerbaues und des Handels, daß derselbe nunmehr das neue Verfahren, wie dasselbe früher beantragt worden sey, jedoch mit der oben bemerkten Abänderung, zur gesezlichen Einführung bei allen jezt bestehenden oder künftig neu zu errichtenden öffentlichen Conditionsanstalten befördern möge.

Nachtrag zu der im polytechnischen Journal Bd. LXXVII. S. 439 enthaltenen Abhandlung.

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