Titel: Bussy, über die Gewinnung des Indigo's aus dem Polygnoum tinctorium.
Autor: Bussy,
Fundstelle: 1841, Band 80, Nr. XCVII. (S. 390–392)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj080/ar080097

XCVII. Bericht über einige die Gewinnung des Indigo's aus dem Polygnoum tinctorium betreffende Abhandlungen; von Hrn. Bussy.

Auszug aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement, März 1841, S. 84.

Die Société d'Encouragement empfing in Folge ihrer Preisaufgabe über diesen Gegenstand drei Abhandlungen: die erste derselben hat zum Verfasser, Hrn. Bor, Apotheker in Amiens, welcher seine mehr oder minder glüklichen Versuche beschreibt, wobei er aber im Allgemeinen nicht mehr als 30 bis 40 Kilogr. der Blätter anwandte, und wodurch unsere Kenntnisse über diesen Gegenstand wenig bereichert werden. Die in fünf Gläsern mitgesandten Producte, zusammen ungefähr 1/2 Kilogr. wiegend, waren Indigo von schöner Qualität. Die zweite Abhandlung, von Hrn. Farel in Montpellier, war von der im Programm vorgeschriebenen Quantität Indigo's, nämlich 10 Kilogr., begleitet, welche aber in verschiedenen Schachteln und Gläsern vertheilt waren und, ihren verschiedenen Qualitäten nach, aus vielen Bereitungsmethoden hervorgegangen zu seyn scheinen. Der größere Theil bestand in unregelmäßigen Broken von größtentheils trokener und harter Masse; doch hatten einige dieser Muster eine tiefblaue Farbe, welche nach dem Reiben ein kupferartiges Ansehen erhielt. Ohne Zweifel würde bei verfolgter gleichmäßiger Fabrication diese Masse ein regelmäßiges Aussehen und constante Eigenschaften erhalten, welche ihr im Handel einen Rang unter den exotischen Sorten einräumen würden. Bei verschiedenen Färbeversuchen haben sich diese Muster als recht gut bewährt. – Ueber den Kostenpreis beklagt der Verf. selbst, in diesem Jahre wegen der großen Trokene und deßhalb schlechten Gedeihens der Pflanzen keine Rechnung stellen zu können. Auf dem Boden jedoch, in welchem die Pflanzen am wenigsten gelitten hatten, erhielt er 200 Kil. entstielte Blätter per Are (= 100 Quadratmeter oder 2 Quadratruthen); an einigen anderen Stellen 100 Kilogr. per Are. – Hr. Farel befolgt das in den Colonien eingeführte Gährungsverfahren, mit geringen Modificationen. Die hiezu erforderliche Zeit aber und die Unzuverlässigkeit des Products bei diesem Verfahren, welches man so unvollständig in der Gewalt hat, räumen, wie Hr. Farel selbst eingesteht, diesem Verfahren einen untergeordneten Rang ein. |391| Ueber den Ertrag des Polygnoum an Indigo sagt er, daß die Hektare (10 Are) frischer Blätter 20,000 Kilogr. gebe (vergl. oben), und die Blätter im Mittel 3/4 Proc. Indigo liefern, bei einem besseren Verfahren aber später wahrscheinlich 1 Proc. Indigo liefern werden. Nach Hrn. Vilmorin sind jedoch im nördlichen Frankreich von der Hektare im Mittel nur 8000 Kilogr. Blätter zu gewinnen; die HHrn. Girardin und Preisser in Ronen geben für das Departement der Seine-Inférieure das Mittel zu 12,968 Kil. an. Obige Angaben werden indessen sogar von jenen, die, andere Resultate erhielten, bei seiner Glaubwürdigkeit nicht im Mindesten in Zweifel gezogen. – Was die von Hrn. Farel angegebene Menge des Products betrifft, scheint dieselbe etwas zu hoch gestellt zu seyn. Das Resultat der von der Société de Pharmacie über denselben Gegenstand gestellten Preisaufgabe ergab nur 1/2 Proc. Ertrag, und wo mehr gewonnen wurde, war dieß immer auf Kosten der Qualität der Fall. – Die Commission der Société d'Encouragement ergänzte die von Hrn. Farel unterlassene Berechnung des Indigowerthes nach den vorhandenen Daten. Es liefert, nämlich 1 Hektare 20,000 Kilogr. Blätter, und diese liefern 1/2 Proc., also 100 Kilogr. Indigo, welche, das Kilogr. nur zu 10 Fr. berechnet, 1000 Fr. ausmachen würden, wovon die Kosten des Anbaues und der Fabrication abgezogen werden müßten. Diese lezteren berechnet nun Hr. Farel zu 3 Fr. 50 Cent. per Kilogr., was aber ein viel zu hoher Preis für eine im Großen unternommene Arbeit ist. Was die Kosten des Anbaues und den Pacht betrifft, so ist dieß freilich ein wandelbarerer Kostenpunkt als die Fabricationskosten, über welchen sich keine bestimmte Ziffer angeben läßt; doch sieht man, daß ungeachtet dieser Unbestimmtheit für die Kosten des Anbaues noch genug übrig bleibt, um die Hoffnung für diesen Industriezweig für Frankreich nicht aufgeben zu müssen.

Die dritte Abhandlung ist von dem (seitdem so kläglich verunglükten) Hrn. Hervy; derselbe ist für eine Arbeit über diesen Gegenstand schon von der Société de Pharmacie mit einem Preis gekrönt worden. Auch er konnte wegen Mißernte die verlangte Quantität Indigo nicht einsenden. Bekanntlich entdekte derselbe ein schnelles und sicheres Extractionsverfahren für den Indigo46), und er würde dasselbe vor der Commission der Société d'Encouragement ausgeführt haben, wenn ihn nicht der Tod übereilt hätte.

Die Commission, in ihrer Berechtigung, wenn ein Concurrent |392| die Frage nicht vollkommen löst, aber einen Theil derselben befriedigend behandelt, ihm eine Medaille zu ertheilen, proponirt:

1) für Hrn. Farel eine Platinmedaille von 500 Fr. Werth,

2) für die HHrn. Bor und Hervy, für jeden eine silberne Medaille, ebenfalls im Werthe von 500 Fr.

Die Ertheilung des Hauptpreises wird auf den 1. Jan. 1843 unter Modification der vorgeschriebenen Bedingungen laut folgendem Programme verschoben.

Preis für Indigo-Fabrication aus Plygnoum tinctorium .

Die Société d'Encouragement sezt einen Preis im Werth von 3000 Fr. für denjenigen aus, welcher die größte Menge Indigo aus dem Polygnoum tinctorium fabrikmäßig bereitet haben wird. Diese Quantität darf nicht weniger als 300 Kilogr. betragen; hinsichtlich des Preises muß sie mit Handelswaare gleicher Qualität concurriren können.

Die Production und der Kostenpreis müssen von den Fabrications- und Culturregistern beglaubigt seyn; der Tag der Bewerbung ist auf den 1. Jan. 1843 festgesezt.

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Siehe polyt. Journal Bd. LXXVIII. S. 63.

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