Titel: Francoeur, über Le Roi's Mechanismen für Pendeluhren.
Autor: Francoeur, Louis Benjamin
Fundstelle: 1841, Band 80, Nr. CVII. (S. 423–425)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj080/ar080107

CVII. Bericht des Hrn. Francoeur über zwei von Hrn. Le Roi, Uhrmacher in Paris, erfundene Mechanismen für Pendeluhren.

Aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement, Febr. 1841, S. 33.

Mit Abbildungen auf Tab. VIII.

Hr. Le Roi (Palais-Royal No. 15) hat, da der Handel mit Uhren gleichsam das Eigenthum der Bronze-Fabrikanten geworden ist, welche, der Uhrmacherkunst ganz fremd, diese als Nebensache ihrer Industrie betreiben und dem Publicum mehr oder weniger mangelhafte Stüke liefern, bei denen das Gehäuse den Hauptwerth ausmacht, sich entschlossen, eine Werkstätte zu errichten, worin die Uhrwerke der Fabrik von Dieppe in durchsichtigen Glaskästen angebracht werden. Das Bronze spielt dabei keine Rolle und der Preis der Stokuhren ist durchaus nach der guten Einrichtung der Bewegungen bestimmt, die Gehäuse sind reine Rebensache.

Unter den aus seiner Anstalt hervorgehenden Uhren zeichnen sich zwei durch ihre Eigenthümlichkeit besonders aus.

Die erste ist eine kleine tragbare Pendeluhr, welche stehende Secunden mittelst eines neuen Mechanismus zeigt. Bekanntlich hat man ein eigenes Räderwerk nöthig, um die Secunden stehend zu erhalten, und dasjenige des Hrn. Le Roi erschwert die Bewegung nicht. Ein loses Rad, welches durch das Mittelrad geführt wird, trägt eine krumme Feder, die an seiner Achse befestigt ist; diese Feder führt durch ihre Elasticität, und indem sich ihr Ende auf einen Stift des Kronrades stüzt, das Secundenrad durch ein Getriebe, dessen Moderateur ein Schwungflügel ist.

Die zweite Uhr hat eine Vorrichtung, durch welche mittelst des Federhauses des Schlagwerks das Gehwerk aufgezogen wird, so daß die Kraft der Feder sich ziemlich gleich bleibt. Man hat dieses Princip bereits früher angewendet, aber es führt einen Nachtheil mit sich, welchem man ausweichen muß. Wenn nämlich die Uhr vorgeht, und man, um sie wieder auf die rechte Zeit zu stellen, die 12 Stunden nacheinander schlagen läßt, so wird man dadurch die Spannung der Feder des Gehwerkes bis zu dem Augenblik vermehren, wo das Schlagwerk stillsteht, so daß man dann keine gleichwirkende Bewegungskraft mehr hat. Es wurden auch schon mehrere Mittel angegeben, um diesen Erfolg zu vermeiden; dasjenige des Hrn. Le Roi ist aber neu und sinnreich; es besteht in einer Auslösung, die nur in Wirkung tritt, wenn die Uhr mehr schlägt, als sie soll.

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Erklärung der Abbildungen.

Fig. 94 und 95, Einrichtung für die stehenden Secunden bei Reiseuhren.

Die stehenden Secunden werben erzeugt durch eine auf einem losen Rade befestigte Feder, durch einen Schwungflügel und einen Stern mit 6 Zähnen, der auf gleicher Achse mit dem Hemmungsrad sizt.

a der Stern, welcher durch das Getriebe des Hemmungsrades getragen wird; man sieht ihn von Oben in Fig. 95.

b Schwungflügel des Secundenräderwerkes.

c Kronrad des Haupträderwerkes.

d das kleine Mittelrad.

e das Mittelrad mit 84 Zähnen führt das Getriebe des beweglichen Rades g mit 50 Zähnen; das leztere trägt die Feder f, welche an seiner Mitte befestigt ist; diese gekrümmte Feder drükt mit ihrem Ende auf einen an der Seitenfläche des Rades g befindlichen Stift.

Das bewegliche Rad g führt das Secundenrad h mit 60 Zähnen, und dieses bewegt das Kronrad i mit ebenfalls 60 Zähnen, welches in das Getriebe des Schwungflügels b eingreift; der Schwungflügel macht einen Umgang für jeden Zahn des Sternes a, und erleichtert so die Wirkung der Feder f, welche die Triebkraft des Secundenrades ist.

Dieses Mittel, die Secunden einer Reiseuhr stehend zu zeigen, beschwert die Bewegung nicht, und erhöht den Preis der Uhr nur um ungefähr 25 bis 30 Franken.

Der Secundenzeiger macht in der Minute einen Umgang, weil das Rad, welches ihn trägt, 60 Umgänge während eines Umganges des Mittelrades macht. Ueberdieß braucht es, während der Schwungflügel jedem Zahn des Sternes entspringt, 6 Secunden für einen Umgang des Hemmungsrades, welches selbst 600 Umgänge in der Stunde macht; 600 × 6 = 3600 Secunden.

Einrichtung einer Uhr zum Aufziehen des Gehwerkes durch das Schlagwerk, wobei eine gleichbleibende Kraft erzielt wird.

Fig. 96 das Wert von der Seite gesehen.

Fig. 97 das Aufzugrad für sich, von der Fläche gesehen.

Fig. 98 das Federhaus und sein Rad, ferner das excentrische Stük von Vorn angesehen.

Fig. 99 Achse des Federhauses.

Fig. 100 der Hebel zum Aufzug für sich allein.

A die Platte, welche das Zifferblatt trägt.

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B die Hintere Platte.

C die Federhausachse.

D die Sperrrad-Vorrichtung. Dieses Sperrrad dient, die der Feder gegebene Spannung zu erhalten, auch wenn die Auslösung stattfindet.

E das Federhausrad.

F das Federhaus.

G ein Stük von excentrischer Form.

H der Hebel des Aufzugs; er ist vierekig auf die Achse des Federhauses aufgepaßt.

I ein Sperrkegel, welcher auf das Aufzugrad K aufgesezt ist und dazu dient, den Hebel des Aufzuges H zu schieben, um die Feder anzuspannen.

K das Aufzugrad, auf welchem der Sperrkegel I und seine Feder angebracht ist.

L ein kleiner, auf dem Hebel des Aufzuges angebrachter Stift, welcher dazu dient, das excentrische Stük zu bewegen, indem er in dessen Einschnitte eintritt, wenn man die Uhr absichtlich einmal herumschlagen läßt.

M ein kleiner Stift an dem Sperrkegel, welcher die krumme Seite des Stükes G ein wenig aufhebt, um den Sperrkegel auszulösen, wenn man die Uhr absichtlich einmal herumschlagen läßt.

N ein auf der Achse des Federhauses sizendes Rohr, damit sich das Aufzugrad K zwischen zwei Gränzen frei drehen kann.

Dem Rade K hat man unter dem Sperrkegel so viel Masse gelassen, um die Form des Sperrkegels ausnehmen zu können, damit der Stift M, indem er auch über den Sperrkegel an der Seite dieses Rades vorsteht und in einen Einschnitt eintritt, als Ruhestift dient und den Sperrkegel in einer passenden Höhe zu dem Ende des Hebels H unterstüzt, welchen er schieben soll.

Das Auslösen des Sperrkegels findet nur statt, wenn die Uhr mehr schlägt, als sie soll; alsdann ist es aber nothwendig, indem man sonst keine gleichbleibende Kraft erhalten könnte; man würbe, da die Feder des Gehwerkes ganz aufgezogen ist, das Schlagwerk stillstehen sehen, weil die außerordentliche Spannung der Feder des Gehwertes seinen Gang verhindern müßte.

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