Titel: Mechanismus, durch welchen man auf einer Eisenbahn, ohne anzuhalten, Wagen zurüklassen, oder stillstehende mitnehmen kann.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1841, Band 80, Nr. XV./Miszelle 2 (S. 74–75)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj080/mi080015_2
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Mechanismus, durch welchen man auf einer Eisenbahn, ohne anzuhalten, Wagen zurüklassen, oder stillstehende mitnehmen kann.

Der Wagenzug, welcher mit voller Geschwindigkeit auf einer Eisenbahn geht, ist genöthigt anzuhalten, wenn er Personen oder Waaren aufnehmen oder zurüklassen will; dieses verursacht einen beträchtlichen Verlust an Zeit. Hr. W. I. Curtier hat ein Mittel angegeben, um diese große Unbequemlichkeit zu vermeiden. Sein Mechanismus ist so einfach, daß er wohl ohne Zeichnung verstanden werden wird.

Auf der Achse der Vorderräder eines Wagens ist eine Walze mit schraubenförmiger Vertiefung aufgeschoben, auf welcher ein Seil von ungefähr 100 Meter Länge sich aufrollt. Diese Walze bewegt sich frei auf der Achse, kann jedoch nach Belieben darauf festgehalten oder freigelassen werden, durch eine Kuppelung, die durch einen Hebel bewegt wird. Das eine Ende des Seiles ist an dieser Walze befestigt, an dem andern Ende befindet sich ein eiserner Ring, welchen man auf einen Haken, der sich am Hintertheil des vorhergehenden Wagens befindet, wirft; dieser Wagen nimmt daher das Seil in seinem Laufe mit, und sezt dadurch zu gleicher Zeit den Wagen in Bewegung; aber dieser leztere bewegt sich mit einer andern Geschwindigkeit als der vorhergehende, wegen dem Abrollen des Seiles von der jezt losen Walze; diese Geschwindigkeit ist um so viel geringer, als sich mehr Seil bei jedem Umgange abrollt. Zum Beispiel der Wagenzug bewege sich in einer gegebenen Zeit um 15 Meter vorwärts, und es rollen sich in dieser Zeit 12 Meter Seil von der Walze ab, so ist klar, daß der angehängte Wagen nur mit einer Geschwindigkeit von 3 Meter in derselben Zeit sich bewegen wird, oder daß seine Geschwindigkeit nur ein Fünftel von der des Wagenzuges ist; in diesem Augenblik nimmt der Wagen die Reisenden oder die Güter auf. Man kann ihn nach Belieben ab- oder aufladen ohne Gefahr. Wenn das Seil abgerollt ist, so nimmt der Wagen die Geschwindigkeit des ganzen Zuges an. Nachdem man die Walze mittelst des Hebels der Kuppelung wieder auf der Achse festgestellt hat, rollt sich das Seil durch die Kreisbewegung der Achse in die Einschnitte der Walze auf, und der Wagen bewegt sich daher mit größerer Geschwindigkeit als der Train, und durchläuft in einer gegebenen Zeit einen Raum, welcher den von dem Train zurükgelegten um die Länge des aufgerollten Seiles übertrifft.

Sobald er den Train erreicht, in dem Augenblik, wo er den hintersten Wagen desselben berühren will, löst eine sehr einfache Einrichtung den Hebel der Auslösung aus, und verbindet den angehängten Wagen mit dem vorhergehenden, welcher dann mit derselben Geschwindigkeit wie der Train fortfährt.

Dieser Mechanismus kann an dem Tender angebracht werden, um ohne anzuhalten einen Wagenzug mitzunehmen, der sich auf einer Zweigbahn längs der Eisenbahn befände, ohne daß dann ein so heftiger Stoß erfolgt, als ohne denselben stattfinden würde. Man kann durch dieses Mittel auch die Stationen auf den Eisenbahnen vermehren, ohne längere Zeit von einem Ende der Bahn bis zum andern zu bedürfen. (France industrielle.)

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