Titel: Leonhardi'sche Maschinenschmiere.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1841, Band 80, Nr. XV./Miszelle 3 (S. 75–76)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj080/mi080015_3

Leonhardi'sche Maschinenschmiere.

Man hat in Freiberg Versuche angestellt mit einer Schmiere, welche der dortige Kaufmann Leonhardi anfertigt und den Centner zu 24 Thlr. verkauft. Sie ist schmuziggelb von Farbe, wachsartiger und somit consistenter Natur, und zeichnet sich dadurch vorzüglich aus, daß sie eine sehr sparsame Verwendung zuläßt und es hiedurch möglich macht, diejenigen Maschinentheile, bei welchen sie, so weit jene Consistenz nicht hinderlich ist, angewendet werden kann, in längeren Zeitabständen, als solches bei den zeitherigen Arten von Maschinenschmiere – der weißen (Talg- u. Seifen-) und schwarzen (Pech- u. Laugen-) Schmiere geschehen konnte, einmal zu schmieren, ohne daß hiedurch im Geringsten ein vermindertes Glatt- und Fettiggehen oder ein Warmwerden der Zapfen eingetreten wäre. Die Leonhardi'sche Schmiere erzeugt ferner, wegen ihrer eigenthümlichen Zusammensezung, an den Zapfen oder in deren Nähe wenig oder gar keinen Pechabsaz, und beseitigt dadurch jene ungemein lästige Verunreinigung der Schmierstellen, welche beim Gebrauche der schwarzen Schmiere stattfindet. Auch breitet sie sich, vermöge des größern Zusammenhangs ihrer Theile, auf die Dauer sehr gleichförmig |76| auf den geschmierten Flächen aus, ein Vorzug, welcher besonders dann hervortritt, wenn die Belastung, und somit der Druk der Zapfen, in ihren Lagern steigt. Endlich gewährt die schon gedachte sparsame Verwendung dieser Schmiere, die an Gewicht etwa 1/5 gegen die schwarze Schmiere beträgt, noch den Vortheil, daß sie genauere Verbrauchscontrole und Wahrnehmung von Unterschleif erleichtert. Diesen Vorzügen tritt der einzige Nachtheil entgegen, daß nur solche Zapfen, welche frei und ohne Lagerdekel umlaufen, z.B. bei den Wasserrädern der Radgezeuge und Radgöpel, mit Leonhardi'scher Schmiere geschmiert werden können, indem an allen solchen Stellen, wo die Schmiere erst durch ein im Lagerdekel oder in irgend einer Fuge angebrachtes Schmierloch zum Zapfen gelangen muß, z.B. bei Kunstkreuzen, Bruchschwingen und dergleichen, dieses Hinzugelangen eben durch jene consistente Beschaffenheit erschwert wird. Was das Verfahren bei Anwendung der Leonhardi'schen Schmiere betrifft, so müssen zuvörderst die Krumm- und anderen Zapfen sorgfältig von jeder durch alte Schmiere entstandenen Unreinigkeit befreit werden. Wie oft dann das Schmieren selbst zu geschehen hat, bestimmt die Art und Beschaffenheit der Zapfen; durchschnittlich ist in 8 Stunden einmal Schmieren genug und wird dazu etwa 3/4 bis 1 Loth Schmiere erfordert. Die Schmiere ist hiebei, um jeden Verlust durch Verstreuung u. dergl. zu vermeiden, in kleineren Büchsen, als die sogenannten Mästen der schwarzen Schmiere, aufzubewahren und beim Auftragen derselben auf die Zapfen sich eines dünnen Spatels zu bedienen. (Aus dem Jahrb. für d. Berg- und Hüttenm. 1841, S. 113; im polyt. Centralblatt Nr. 14.)

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