Titel: Das Centrifugalgebläse.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1841, Band 80, Nr. XV./Miszelle 4 (S. 76–77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj080/mi080015_4

Das Centrifugalgebläse.

In den Verhandlungen des niederösterreichischen Gewerbevereins findet sich ein Vortrag des Hrn. Prof. Burg in Wien, aus welchem wir Folgendes ausheben:

„Ich erlaube mir, die Versammlung auf ein Gebläse aufmerksam zu machen, welches, obwohl im Princip längst bekannt und auch in einzelnen Fällen als solches benuzt, doch hinsichtlich seiner allgemeinen Anwendung nicht bloß auf Schmiedefeuer, sondern besonders aus Umschmelz- und Kupolöfen, eigentlich der allerneuesten Zeit angehört. Ich meine das sogenannte Centrifugal- oder Windradgebläse, auch Ventilator und bei den Engländern Fan genannt, welches längst einen Hauptbestandtheil unserer Getreidereinigungs- oder Puz- und Schälmühlen ausmacht, so wie auch zur Erneuerung und Ventilirung der verdorbenen Luft in Schachten etc. verwendet wird.

Erst vor einigen Monaten sah ich in England die Vorzüge und praktische Brauchbarkeit dieses Ventilators außer allen Zweifel gesezt, indem die Koryphäen der englischen Maschinenindustrie, als Maudsley und Rennie in London, Sharp und Roberts in Manchester, Faucett in Liverpool, Rapier in Glasgow etc, bei ihren Kupolöfen, welche häufig 50–100 Cntr. Eisen fassen können, das Cylindergebläse auf die Seite sezten und dafür das weit einfachere, weniger kostspielige, einen geringeren Raum und eine kleinere Betriebskraft fordernde Centrifugalgebläse an die Stelle sezten und in Anwendung brachten. Sie gaben zwar Alle zu, daß bei diesem lezteren die Windpressung geringer als bei dem Cylindergebläse sey, dagegen besize es eine Gleichförmigkeit, welche durch das Cylindergebläse, das selbst bei Anwendung von großen Regulatoren immer etwas intermittirend wirkt, niemals zu erreichen sey, und welche auf die Güte des Gusses oder umgeschmolzenen Eisens den größten Einfluß übe.

Ein solcher Ventilator besteht bekanntlich aus einer horizontalen Welle, in welcher gewöhnlich 6 Fächer oder Flügel radial eingesezt und von einer cylindrischen Trommel so nahe wie möglich, und auf solche Weise umgeben oder eingeschlossen sind, daß nur an beiden flachen Seiten um die Welle herum kreisförmige Oeffnungen zum Einsaugen und an der vorderen convexen Seite der Trommel eine kleine Oeffnung, mit welcher entweder, wie für Schmiedefeuer, ein Windcanal, oder, wie für Oefen, die Form oder Düse in Verbindung steht, zum Auslassen der Luft gelassen oder angebracht sind. Sobald die genannte Welle mit ihren Flügeln, vom Motor aus, mittelst eines endlosen Riemens in so schnelle Bewegung gesezt wird, daß diese per Minute 1200 bis 1500 Umläufe macht, was je nach der verschiedenen Größe des Apparats eine Kraft von 1 1/2 bis 2 Maschinenpferden erfordert, erhält dieses Gebläse seine volle Wirksamkeit.

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Außer der Anwendung desselben in England und Schottland bei Kupolöfen sah ich dieses Centrifugalgebläse in der in Uibigau bei Dresden auf Actien gegründeten Maschinenwerkstätte 30 in einer 100' langen Linie aufgestellte Schmiedessen so gleichförmig mit Wind versehen, daß selbst zwischen dem ersten, dem Ventilator am nächsten stehenden, und dem lezten Feuer kein Unterschied in der Stärke der angeblasenen Flamme wahrzunehmen war. Dieser Ventilator wurde damals, da die Betriebsdampfmaschine noch nicht im Gange war, von 4 Handlangern, die alle halbe Stunde gewechselt wurden, betrieben.

Zur Erreichung des größten Effects ist es sehr wichtig, sowohl die zwekmäßigste Geschwindigkeit der Flügel, als besonders auch die richtige Form und Größe der zu beiden Seiten angebrachten Saug-, so wie auch der Ausblaseöffnung durch Versuche zu ermitteln, da hier theoretische Betrachtungen und Entwiklungen allein durchaus nicht zum Ziele führen.“

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