Titel: Neues sogenanntes durchsichtiges Papier von Laborde.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1841, Band 80, Nr. XV./Miszelle 9 (S. 78–79)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj080/mi080015_9

Neues sogenanntes durchsichtiges Papier von Laborde.

Diese neue durchsichtige Substanz wird aus weißem Horn dargestellt, welches man eben so behandelt, wie jenes, welches zu Laternen benuzt wird. Die Hörner werden nämlich abwechselnd in heißes Wasser und über Kohlenfeuer gebracht, bis sie so weich geworden sind, daß sie sich öffnen und mit Hülfe eines Messers spalten lassen. Vermittelst Einspannen in eiserne Platten wird ihnen dann die Form von Blättern mitgetheilt; worauf sie gespalten und mit Raspeln auf bekannte Weise geebnet und ausgeglichen werden. Zum gewöhnlichen Gebrauch, um darauf zu schreiben, bedürfen solche nun keiner weitern Zurichtung, und sie können beim Schulunterricht und zur Uebung im Schreiben benuzt werden. Zu feinerer Schrift und zu Zeichnungen muß den Platten jedoch mehr Weichheit und eine etwas matte Oberfläche gegeben werden. Zu diesem Ende reibt man sie mit Klauenöhl, welches man eintroknen läßt, wodurch solche die Biegsamkeit des |79| Pergaments erlangen. Da solche jedoch in dem geöhlten Zustande die Schriftzüge nicht annehmen würden, so taucht man sie einige Augenblike in heißes Gummiwasser. Durch diesen Handgriff können nun solche, nachdem sie im Schatten getroknet worden sind, zu jeder beliebigen Schrift oder Zeichnung benuzt werden. Sie erhalten vor dem Gebrauch die lezte Vollendung durch das Abreiben mit Glaspapier von gröberem oder feinerem Korn, je nachdem man stärkere oder feinere Züge ausführen will. Zu bemerken ist jedoch, daß bei den Blättern zum Zeichnen man weniger Oehl, aber etwas mehr Gummi anwenden muß.

Um auf diese, so durchsichtig wie Glas erscheinenden Blätter zu schreiben, kann man sich der gewöhnlichen Schreibtinte bedienen, jedoch muß sie so wenig scharf als möglich seyn, weil sie alsdann leichter wieder zu entfernen ist. Wenn eine Seite voll geschrieben ist, oder noch besser nach Vollendung von je zwei Zeilen, wird die Schrift mit Sand bestreut, damit die Tinte nicht so fest anhaftet und leichter durch einen nassen Schwamm beseitigt werden kann. Bleiben einige Spuren zurük, so lassen sich solche durch leichtes Befeuchten entfernen. Ist jedoch das Auftroknen längere Zeit geschehen oder wurde kein Sand aufgestreut, so ist die Beseitigung etwas schwieriger. Man befeuchtet dann das Blatt und reibt es mit einem Lappen ab. Läßt sich auch dadurch die Schrift nicht ganz entfernen, so nimmt man feines Glaspapier zu Hülfe. Wenn das Blatt zum Schreiben durch das Abwaschen etwas feucht geblieben ist, so wendet man solches um.

Besonders brauchbar sind diese Blätter beim Unterricht in der Kalligraphie, indem der Schüler bei ihrer Durchsichtigkeit den untergelegten Zügen folgen und sich bei gehöriger Anleitung in Hinsicht auf Führung der Hand sehr schnell an schöne und reine Züge gewöhnen kann. Die Erfahrung hat ergeben, daß die Fortschritte mit einer Ersparniß von 2/3 der Zeit stattfinden, sowohl beim Schreiben als im Zeichnen. (Gemeinnüziges Wochenbl. von Köln.)

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