Titel: Ueber Sturgeon's, Grove's und Daniell's elektrische Batterie.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1841, Band 80, Nr. XXXIX./Miszelle 1 (S. 152–153)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj080/mi080039_1

Ueber Sturgeon's, Grove's und Daniell's elektrische Batterie.

Eine Sturgeon'sche Batterie aus Gußeisen und Zink (man vergl. polyt. Journ. Bd. LXXVII. S. 280) in der Victoria-Galerie zu Manchester hat folgende Einrichtung: sie besteht aus acht gußeisernen cylindrischen Gefäßen von etwa 10 Zoll Höhe und 3 Zoll Durchmesser; durch einen diken kupfernen Draht ist dieser Topf mit einem gegossenen Cylinder aus Zink fest und unbeweglich durch Löthung verbunden. Wegen der bedeutenden Schwere des gußeisernen Topfes schwebt das Zink in freier Luft, ohne daß das Ganze umfällt, und man hat bei der Zusammenstellung der Säule nur die Sorge zu tragen, daß die Zinkcylinder die Wände des gußeisernen Gefäßes nicht berühren. Es ist alsdann keine Trennung durch Pappe oder Holz nöthig. Bequem ist es jedenfalls, den Zinkcylinder in einen gedrehten hölzernen Ring zu steken, wodurch sowohl die Berührung des Bodens als der Wände vermieden wird. Das Zink ist amalgamirt, und die Säure ist Schwefelsäure mit dem achtfachen Gewichte Wasser verdünnt. Diese Säure ist freilich so stark, daß sie selbst das amalgamirte Zink chemisch angreift, und dadurch eine bedeutende Entwiklung von Wasserstoffgas hervorbringt. Sturgeon bedekt deßhalb den ganzen Apparat mit einem Kasten und führt das Gas nach Außen durch eine Röhre ab. Die Wirkung dieser Säule ist sehr befriedigend. Ein 6–8 Zoll langer, ziemlich diker Platindraht, wird heftig glühend und schmilzt zuweilen ab; die Wasserzersezung beträgt 4–5 Kubikzoll in der Minute. Obschon die Säule nicht constant ist, so hält sie doch länger an, als eine gemeine Säule aus Kupfer und Zink. Spencer glaubt bemerkt zu haben, daß diese Säule am stärksten wirkt, wenn sie mit Rost bedekt ist, ohne welchen Umstand sie in der That schwach wäre.

Am meisten findet man überall in England Daniell's constante Batterie 16) in Gunst stehend, weil sie lange gleichmäßig wirkt und keine Gase |153| entwikelt. Grove's Batterie (polytechn. Journal Bd. LXXV. S. 155), obschon sie im kleinsten Raum die wirksamste ist, wird dennoch von Vielen hintangesezt. Ihre Wirkung ist mit einer sehr starken und unangenehmen Gasentwikelung verbunden, und dauert nie sehr lange, weil concentrirte Salpetersäure dabei wirksam seyn muß, während Daniell's Batterie bis zum Niederschlagen alles Kupfers wirksam bleibt. Die Grove'sche Batterie soll auch häufig die Unannehmlichkeit der Endosmose zeigen, daß nämlich die Flüssigkeit innerhalb einer Zelle steigt und außerhalb sinkt.

Außerdem ist die Anschaffung der Grove'schen Batterie ungleich kostbarer, nachdem Spencer gezeigt hat, wie man eine Daniell'sche Batterie ohne alles metallisches Kupfer construiren kann. Dieses ist eine der schönsten und nüzlichsten Einrichtungen, verbunden mit großer Wohlfeilheit. Spencer nimmt das Blei aus chinesischen Theekisten oder anderes dünnes Tabaksblei und faltet es sternförmig, so daß es aufrecht stehend einen gerippten Cylinder vorstellt. Diese Gestalt bietet im selben Raume die doppelte Oberfläche des negativen Metalles dar. Dieser Bleicylinder wird in ein gläsernes oder porzellanenes Gefäß gestellt, in ihn selbst der Thoncylinder und in diesen das Zink des folgenden Elementes und so die übrigen. Der Bleicylinder steht in schwefelsaurer Kupferoxydlösung und überzieht sich deßhalb bei der galvanischen Schließung der Kette schnell mit Kupfer, so daß er nach einigem Gebrauche eine eben so große und gestaltete Kupferplatte darstellt, und deren Stelle auch beständig vertreten kann. Es ist bekannt, daß die Platten in der constanten Batterie beständig an Dike wachsen, und dadurch zulezt unbequem werden können. Man hat hier denselben Verbrauch an Kupfervitriol wie bei der bekannten Batterie von Daniell; allein keine Anschaffung von metallischem Kupfer, welches beständig durch den Gebrauch gebildet wird.

Was nun die porösen Zwischenwände betrifft, so sind diese zwar ein unentbehrlicher, aber auch sehr unangenehmer Bestandtheil der constanten Batterie. Bei Grove's Säule kann man nur gebrannte Thoncylinder gebrauchen, dagegen bei Daniell's Batterie verschiedene Substanzen. Die von Daniell vorgeschlagenen Ochsengurgeln sind allgemein perhorrescirt worden, und in der That auch sehr widerlich bei der Behandlung. Blasen und Därme wirken am vollkommensten chemisch trennend; sie sind fast gar nicht im Gebrauch, wegen ihrer Zerstörbarkeit. Thönerne Cylinder haben fast immer den Fehler, daß sie filtriren, und daß, wenn Kupfervitriol zum Zink gelangt, dieses Metall auf eine schädliche Weise beschmuzt und zerstört wird. Spencer hat Cylinder von dikem braunem Pakpapier in Anwendung gebracht, welche eben so wohlfeil, dauerhaft und leicht darzustellen seyn sollen. Man verschaffe sich einen hölzernen Cylinder von der Dike der darzustellenden Zelle, und ein dünnes Stük Holz von demselben Durchmesser, äußerlich mit einer eingedrehten Rinne versehen. Nun schneide man das passende Stük Papier ab, wikle es um den Cylinder und Boden herum, verkitte die überragenden Enden mit Siegellak, welches durch Darauflegen eines heißen Eisens noch einmal in der ganzen Länge zum Schmelzen gebracht wird, und befestige den hölzernen Boden durch Umschnüren gewöhnlichen Bindfadens. Wenn das dazu verwendete Papier die passende Dike, Stärke und Dichtheit besizt, so stehen diese Cylinder ganz aufrecht, wenn sie mit Flüssigkeit gefüllt sind, und halten mehrere Jahre lang aus. Als innere Flüssigkeit wendet Spencer eine Lösung von Zinkvitriol oder Glaubersalz an. Kochsalz ist bekanntlich auch gut. (Dr. F. Mohr in Poggendorff's Annalen der Physik und Chemie, 1840, Nr. 11.)

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Eine Zelle dieser Batterie besteht aus einem hohlen kupfernen Cylinder von 3 1/2 Zoll Durchmesser und einer Höhe, die zwischen 6–20 Zoll schwanken kann. Einen häutigen Sak, aus der Gurgel eines Ochsen gebildet, hängt man in den Mittelpunkt dieses Cylinders mittelst einer durch Aufrollen gebildeten Wulst und einer ringförmigen Kupferplatte, die ein wenig unter dem obersten Theil des Cylinders und innerhalb desselben auf einem Rande aufruht, und in diesem Sak wird dann mittelst eines hölzernen Kreuzes ein massiver Cylinder voll amalgamirtem Zink, einen halben Zoll im Durchmesser, aufgehängt. Die äußere Zelle wird mit einem Gemisch aus 8 Maaßtheilen Wasser und 1 Maaßth. Vitriolöhl, worin man Kupfervitriol bis zur Sättigung aufgelöst hat, angefüllt, und Stüke dieses Salzes legt man aus die ringförmige Kupferplatte, welche siebartig durchlöchert ist, damit aus diese Weise die Lösung immer im Zustande der Sättigung erhalten wird. Die innere Röhre wird mit der nämlichen Säuremischung, aber ohne Kupfervitriol, angefüllt. Anstatt der Membranen (der Ochsengurgel) kann man auch ein am Boden verschlossenes Rohr von poröser Thonwaare nehmen. Bei dieser Batterie wird das Zinksalz, welches durch Auflösung des Zinkstabes sich bildet, in dem häutigen Sake oder in dem Thoncylinder zurükgehalten |153| und so verhindert, zu der Oberfläche des Kupfers zu gelangen, während der Wasserstoff anstatt als Gas auf der Oberfläche des lezteren Metalles frei zu werden, das Kupferoxyd des Kupfervitriols daselbst zerlegt, und einen Niederschlag von metallischem Kupfer auf den Kupferplatten hervorbringt. Eine solche Kette zeigt stundenlang eine gleichförmige Wirkung. A. d. R.

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