Titel: Mac-Culloch's und Brunnel's Verfahren Musline und andere feine Zeuge zu appretiren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1841, Band 80, Nr. XXXIX./Miszelle 10 (S. 157–158)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj080/mi080039_10

Mac-Culloch's und Brunnel's Verfahren Musline und andere feine Zeuge zu appretiren.

Den Appret für Musline bereitet man auf die Art, daß man 8–12 Pfd. Stärkmehl im Wasserbade eine Stunde lang mit 60 Pfd. Wasser kocht und ihn dann mit einer genügenden Menge gepulverten Azurblaues versezt. Um den erhaltenen |158| Kleister dem Muslin einzuverleiben, knetet man das Stük mit der erforderlichen Menge Appret so lange, bis es allenthalben hinreichend damit imprägnirt ist. Um sodann aus den leeren Räumen des Gewebes das darin zurükgehaltene Stärkmehl wegzuschaffen, bringt man das Stük in eine mittelst Dampfröhren auf 16–24° R. erwärmte Kammer, entfaltet es und schwingt es einen Augenblik in der Luft; dann legt man es wieder in gleichen Falten zusammen, um es zu winden, ohne den Appret daraus auszuziehen; hierauf entfaltet man es neuerdings und fangt dieselbe Operation wieder an. Während des Schwingens (balancement) durchdringt die Wärme das ausgebreitete Stük und troknet den Kleister, womit es imprägnirt ist, aus, so daß sich, lezterer fest mit dem Faden verbindet. Indem man das Stük mehrmals zusammenlegt, bewahrt man ihm Feuchtigkeit genug, um das Schwingen wiederholen zu können, ohne daß es gänzlich austroknet. Auf diese Art bringt man es endlich dahin, daß der Appret aus den leeren Räumen des Gewebes vollständig beseitigt und bloß um den Faden angesammelt ist, welcher alsdann in Folge des Zusammenschrumpfens außerordentlich fein wird. Die lezten Schwingungen gibt man in einer kalten Kammer. In diesem Zeitpunkt ist das Stük schwach feucht und klebend, aber ganz durchsichtig. Da die Fäden bei der vorhergehenden Behandlung aus ihrer Ordnung und Gleichförmigkeit gekommen sind, so bringt man sie in der ganzen Länge des Stüks durch leichte Stöße, welche man in der hiezu günstigen Richtung gibt, zurecht. Diese Operation nennt man déraillage.

Das Ausspannen des Muslins, während dessen man ihn vollständig troknet, geschieht in einer auf beiläufig 20° R. erwärmten Kammer mittelst eines hiezu geeigneten Stuhls oder Rahmens. Das Stük wird zuerst nach der Länge und nach der Breite, sodann aber nach der Schräge ausgespannt, um dem Gewebe die nöthige Elasticität und Weiche zu geben, welche Operation cassage genannt wird. Zwei Arbeiter fassen nämlich die zwei Sahlleisten, wobei sie sich nicht genau einander gegenüberstellen. Jeder von ihnen ergreift mit beiden Händen den Rand des Stüks und der eine zieht es stark an sich, während der andere es in dieser Lage zurükhält. Man wiederholt die Operation des Ausspannens nach der Breite und bewirkt durch einen über dem Spannapparat angebrachten Ventilator oder auf andere Weise das vollständige Austroknen. Hierauf wird auch das Spannen nach der Schräge wieder vorgenommen, welches nach der Feinheit des Stoffs zwei- oder dreimal angewandt wird. (Brevets d'invention. Bd. 39.)

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