Titel: Quetelet's galvanischer Telegraph.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1841, Band 80, Nr. XXXIX./Miszelle 2 (S. 153–154)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj080/mi080039_2
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Quetelet's galvanischer Telegraph.

Hr. Quetelet hat im verflossenen Oktober am Observatorium zu Brüssel Versuche mit dem von ihm erfundenen neuen elektrischen Telegraphen angestellt. Sein Apparat, der viel einfacher ist als der Wheatstone'sche, gibt die Zeichen mit Gedankenschnelle, indem sie in einer Secunde 6 bis 7mal den Weg um die Erde machen könnten. Ferner nimmt er einen so kleinen Raum ein, daß die die Zeichen gebende, und die sie empfangende Vorrichtung, und die als bewegende Kraft dienende galvanische Säule in einem kaum einen halben Kubikmeter großen Kästchen eingeschlossen werden können. Sein Preis beträgt nur 25 Pfd. Sterl. Zwei runde Zifferblätter, welche sich an den beiden Endpunkten befinden, und welche durch zwei isolirte Leitungsdrähte in Verbindung gesezt sind, die für große Entfernungen in kleinen Eisenröhren eingeschlossen werden, tragen die Buchstaben des Alphabets. Indem man die Buchstaben nacheinander vor einen Zeiger führt, was mittelst des Zifferblattes, von welchem die Signale ausgehen, geschieht, bewirkt man, daß dieselben Buchstaben sich augenbliklich vor einem ähnlichen Zeiger auf dem Zifferblatte, das die Signale aufnimmt, zeigen. In einer Minute können wenigstens 30 Buchstaben übertragen werden, so daß die Worte unmittelbar gelesen werden können. Wenn die Signale gegeben werden sollen, so muß, um auf der entgegengesezten Station die Personen, welche lesen sollen, zu rufen, ein Schlagwerk oder Alarmzeichen in Bewegung gesezt werden. Wheatstone hat ein sehr sinnreiches Mittel gefunden, um, wenn man will, auch die größte Gloke läuten zu machen. Wenn der Leitungsdraht bricht, so erkennt er durch eine sehr einfache Vorrichtung den Ort, wo er gebrochen ist, selbst wenn er sich unter dem Boden befindet. Lange Erfahrungen haben ihn gelehrt, allen solchen Uebelständen auszuweichen. Diese Telegraphen thun auch in England schon seit mehreren Jahren auf mehr oder weniger langen Eisenbahnstreken Dienste. Hr. Quetelet will in die genauere Beschreibung ihrer jezigen Construction nicht eingehen, um Hrn. Wh. nicht vorzugreifen. Hr. Wheatstone will auch das Mittel gefunden haben, um die Zeichen von England nach Belgien troz des dazwischenliegenden Meeres gehen zu lassen.

Für die Wissenschaft ist Wh's. Erfindung von sehr großer Wichtigkeit. So ist für die Orte, durch welche eine telegraphische Linie geht, die Bestimmung der Länge im geringsten nicht mehr schwierig. Dann kann man durch eine besondere Vorrichtung machen, daß eine Wanduhr einem ganzen Haus, einer ganzen Stadt, ja einem ganzen Lande die Stunde anzeigt; die Hülfsuhren, welche die Stunden, die Minuten, die Secunden im selben Augenblike zeigen, wie die alles in Bewegung sezende Hauptuhr, besteht in einem bloßen Zifferblatt, weßhalb sie Hr. Wh. Uhr-Skelette nennt, deren eines 1 bis 2 Pfd. St. kostet. Auch denkt er mit einer Präcision, die er auf 1/100 Secunde zu bringen hofft, die Geschwindigkeit eines fallenden Körpers damit bemessen zu können, und so sind noch unzählige Vortheile von diesem Apparate zu hoffen. Der schönste Ruhm dieses Gelehrten wird aber immer der bleiben, die unglaubliche Geschwindigkeit des elektrischen Fluidums gemessen zu haben, welcher er später eine so glükliche Anwendung gab. (Echo du monde savant, 1841, No. 610, S. 99) Man vergleiche über Wheatstone's Telegraph polyt. Journal Bd. LXXII. S. 57 und Steinheil's Abhandlung Bd. LXX. S. 292)

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