Titel: Ueber Störer's elektromagnetische Maschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1841, Band 80, Nr. LIX./Miszelle 2 (S. 234–235)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj080/mi080059_2

Ueber Störer's elektromagnetische Maschine.

Die lezte Sizung der Leipziger polytechnischen Gesellschaft war äußerst interessant durch einen Vortrag des Mechanikers Störer über die von ihm gemachten Versuche einer Anwendung des Elektromagnetismus als bewegender Kraft. Hr. Störer hat diese Versuche schon seit mehreren Jahren, also vor Bekanntwerdung der Wagner'schen Entdekung und unabhängig von dieser, unternommen, und ist, bloß durch Verfolgung und weitere Ausbildung der Ideen Jacobi's, dem bekanntlich der erste Ruhm dieser Erfindung gebührt, dahin gelangt, eine kleine Maschine zu construiren, deren Wirksamkeit sich zwar vor der Hand darauf beschränkt, Gewichte von ziemlicher Schwere in die Höhe zu ziehen und eine Drechselbank in Bewegung zu sezen, welche jedoch den ganzen Mechanismus der so wichtigen Erfindung vollkommen anschaulich zu machen dient, und, nach der Versicherung des Herrn Verfertigers, nur der Vergrößerung bedarf, um auch bedeutendere praktische Nuzeffecte hervorzubringen. Das Princip der elektromagnetischen Maschine beruht bekanntlich auf dem Gesez der wechselweisen Anziehung und Abstoßung zweier durch einen galvanischen Strom abwechselnd mit positiver und negativer Elektricität umgebenen und dadurch magnetisch gemachten Eisenstäbe. Die Maschine des Hrn. Störer besteht nun aus zwei concentrischen Kreisen solcher mit Leitungsdrähten für Aufnahme des elektrischen Stroms spiralförmig umgebenen Eisenstäbe; jeder Kreis enthält deren 12; die einzelnen Stäbe stehen ungefähr 21/2 bis 3 Zoll von einander ab, die Stäbe des äußeren Kreises von denen des innern ungefähr 1/2 Zoll. Der äußere Kreis steht fest, der innere bildet die Peripherie einer beweglichen Scheibe oder eines Schwungrades. Dieser ganze Mechanismus wird nun durch zwei Leitungsdrähte mit einer galvanischen Batterie in Verbindung gesezt, und zwar so, daß zuerst die Stäbe des einen Kreises mit positiver, die des andern mit negativer Elektricität umgeben, sodann aber plözlich, durch eine Vorrichtung an dem Leitungsapparat, der eine Strom gewechselt und dadurch die gleichnamige Elektricität in beiden Kreisen hervorgebracht wird. Die Folge dieser ganzen Operation ist, daß die entgegenstehenden Stäbe zuerst, vermöge der ihnen mitgetheilten entgegengesezten magnetischen Kraft sich anziehen, dann aber, sobald sie, durch Umkehrung ihrer Pole, gleichartige Magnete geworden sind, sich eben so stark abstoßen. Durch diesen sich regelmäßig wiederholenden Wechsel von Anziehung und Abstoßung wird nun jeder Stab des inneren beweglichen Kreises nach und nach von allen Stäben des äußeren, feststehenden Kreises angezogen und wieder fort – gleichsam dem nächsten zugeschoben, hiedurch aber die ganze Scheibe in eine gleichförmig kreisende Bewegung versezt. Die Betriebskosten der Maschine schlägt der Herr Verfertiger sehr gering an; sie bestehen hauptsächlich nur in der Abnuzung des Zinks in der galvanischen Batterie durch die Säure, denn was den Auswand für diese leztere betrifft, so wird derselbe fast gänzlich aufgewogen durch den in Folge der Operation sich aus der Säure bildenden Niederschlag, welcher ein ziemlich werthvolles chemisches Product bietet. Ueber die eigentliche Wirkungskraft der Maschine und die Möglichkeit, durch Verstärkung derselben größere technische Nuzeffecte hervorzubringen, machte Hr. Störer folgende Angaben. Das gegenwärtige Modell ist doppelt so groß, als das früher von ihm gebaute, welches nur 6 Paare von Stäben hatte, wirkt aber mit einer sechsmal größeren Kraft. Was ferner die Menge der galvanischen Elemente betrifft (jedes Element besteht aus einem Kupfercylinder, einem innerhalb dieses |235| befestigten Zinkcylinder, und einer beide in Verbindung sezenden chemischen Mischung), so hat Hr. Störer folgende Beobachtungen gemacht, die er auch durch Experimente bestätigte. Mit einem einzigen Element in Verbindung gesezt, hebt die Maschine 3 Pfd. mit mäßiger Geschwindigkeit, mit zwei Elementen 13 Pfd., mit dreien 25 Pfd., mit vieren 40 Pfd., was also annäherungsweise eine Steigerung der Kraft im Verhältniß von 1. 4. 8. 12 gäbe, wonach es allerdings scheinen möchte, als wüchse die Kraft nicht ganz im Verhältniß der fortgesezten Vermehrung der Elemente. Nach Hrn. Störer's Berechnung würde die Verbindung einer Batterie von 50 Elementen mit einer Maschine, deren kubischer Inhalt 26mal größer wäre, als derjenige der vorgezeigten, eine Wirkung hervorbringen, die der von 12 Pferdekräften gleichkäme. Bleibt nun auch, nach allen diesen Angaben und Berechnungen, noch mancher nicht unerhebliche Zweifel gegen die Ausführbarkeit dieser Erfindung im Großen übrig, so sind doch andererseits die durch die bisherigen Versuche gewonnenen Resultate bedeutend genug, um zur muthigen Verfolgung der gemachten Entdekung aufzufordern, und diese selbst ist so sinnreich, daß sie, als ein neuer Triumph des menschlichen Geistes über die leblose Materie, von Jedem, der sich für die Fortschritte der Cultur interessirt, mit Freude begrüßt zu werden verdient. Wir Deutschen aber haben ganz besonders Ursache, uns einer Erfindung zu freuen, deren erste Idee von einem Deutschen ausgegangen, und deren sämmtliche bisherigen Verbesserungen durch deutschen Geist und deutsche Beharrlichkeit zu Stande gekommen sind. (Preuß. Staatsz.)

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