Titel: Der wahre Erfinder der mechanischen Flachsspinnerei.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1841, Band 80, Nr. LIX./Miszelle 3 (S. 235)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj080/mi080059_3

Der wahre Erfinder der mechanischen Flachsspinnerei.

Ein von Hrn. v. Girard an Hrn. Arago gerichteter Brief enthält die Bitte, ihn bei Geltendmachung seiner Ansprüche wegen Erfindung der mechanischen Flachsspinnerei bei dem König, den Kammern und der Akademie zu unterstüzen. Er war, wie seine von 1810 bis 1815 genommenen Patente beweisen, der Einzige, der die von Napoleon, welcher diesem Industriezweige große Wichtigkeit beilegte, gestellte Preisfrage löste. In diesen Patenten ist das ganze Verfahren, alle Maschinen, alle wesentlichen Punkte, auf welche sich heutzutage diese Fabrication gründet, zum erstenmale beschrieben. Allein diese Erfindung wurde in Frankreich beinahe von ihrem Ursprung an aufgegeben. Zwei Fabriken, welche der Erfinder errichtete, litten mit unter dem Sturze des Kaiserreichs. Die ihm von der Regierung gemachten Offerte und Bedingungen waren zu unannehmbar, als daß er dem Ruf der österreichischen Regierung nicht hatte folgen sollen, um bei Wien eine Fabrik zu errichten. Später folgte er einem noch vortheilhaftern Rufe nach Warschau, in dessen Nähe er ein Etablissement herstellte, worin ein Capital von mehr als 2 Millionen Gulden stekt. Erst nachdem sich die Engländer seiner Erfindung bemächtigt hatten, überzeugte man sich von dem Werth derselben in seinem Vaterlande, ohne jedoch die Ehre derselben anzusprechen. Indem er nun durch authentische Acten beweist, daß er in den Jahren 1812, 13 und 14 diese Erfindung gemacht, daß das Verfahren des Feinspinnens (die Flachsfäden zu streken, deren Fasern durch Eintauchen des groben Fadens in kaltes oder warmes Wasser entleimt wurden), welches jezt als die wichtigste Erfindung der Engländer angepriesen wird, nur von ihm herrühre, und von und nach ihm in vielen Fabriken eingeführt wurde – spricht er, wenn auch nicht den von Napoleon ausgesezten großen Preis, doch eine Nationalbelohnung an, was er so lange nicht thun wollte, als bis sein Vaterland seine Erfahrung benüzte. Nimmer, hofft er, wird Frankreich den Erfinder ohne Belohnung auf fremdem Boden sein Alter zubringen und sterben lassen. (Comptes rendus, 1841, No. 10.)

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