Titel: Ueber den Betrieb der Gas-, Weiß-, Puddlings- und Schweißöfen zu Wasseralfingen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1841, Band 80, Nr. LIX./Miszelle 4 (S. 235–237)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj080/mi080059_4

Ueber den Betrieb der Gas-, Weiß-, Puddlings- und Schweißöfen zu Wasseralfingen.

Eine der wichtigsten Verbesserungen in der Eisenfabrication ist ohne Zweifel die Erfindung des Hrn. Bergraths v. Faver du Four, Direktor des Eisenhüttenwerkes Wasseralfingen in Würtemberg, dem es gelungen ist, die Gase der Hohöfen, welche die Gichtflamme bilden, unterhalb der Gicht vor ihrer Verbrennung |236| aufzufangen und dieselben sodann als ein besonderes Brennmaterial zum Betriebe von Weiß-, Puddlings- und Schweißöfen zu benuzen.

Die Anwendung der Gichtflamme zu verschiedenartigen Zweken, z.B. zum Erhizen der Gebläseluft, zum Kalkbrennen, Erzrösten, Heizen der Dampfkessel etc., ist bereits seit 6 bis 8 Jahren bekannt geworden, indessen konnte man mit derselben doch nie eine höhere Temperatur erzeugen, als lebhafte Rothglühhize, und war sonach nur auf wenige Anwendungen beschränkt. – Durch die Methode des Hrn. v. Faber ist man aber in den Stand gesezt, die höchsten Temperaturen, welche man zu metallurgischen Processen nöthig hat, zu erreichen.

Das Wesentlichste dieser Methode besteht in der Art und Weise, wie die Gase mit Zuführung von Gebläseluft verbrannt werden, und in der richtigen Construction der Oefen.

Die Resultate, die nach mehrjährigen, mit der größten Ausdauer und Umsicht angestellten Versuchen erlangt worden sind, können mit Recht außerordentlich genannt werden, und durch diese Erfindung wird in der Fabrication des Eisens eine Umgestaltung hervorgebracht werden, wie dieß durch die Erfindung der Dampf-Maschine im Gebiete der praktischen Mechanik der Fall war.

In Wasseralfingen sind dermalen drei Gasöfen ausgeführt und in Betrieb.

Aus einem der Hohöfen (dem südlichen) wird das Gas zum Betriebe eines Weißofens aufgefangen; dieß geschieht nur durch ein in einiger Tiefe in den Hohofenschacht eingeführtes Rohr, und man kann annehmen, daß durch dasselbe höchstens 1/6 bis 1/5 der ganzen Gasmenge aufgesaugt werden könne. In der That ist auch kaum eine Abnahme der Stärke der Gichtstamme bemerkbar.

Dennoch producirt man in dem einen Weißofen per Woche circa 350 Cntr. Weißeisen, welches theils krystallinisch-strahlig, theils lukig von Gefüge, immer aber vollständig silberweiß ist.

Der Weißproceß in diesem Gasofen ist so vollkommen, daß das Eisen dadurch schon in hohem Grade entkohlt und von allen Verunreinigungen, namentlich von Phosphor und Schwefel, vollständig befreit wird. – Der Abgang, der in den gewöhnlichen englischen Feinfeuern, die mit Kohks betrieben werden, nie unter 9 bis 10 Proc. beträgt, steigt hier bei gutem Ofengange nie über 1 bis 2 Proc., man sezt beim Processe noch einige Pfund Hammerschlag, sogenannte Flaudern zu, und oft erhält man durch die im Ofen erfolgende Reduction dieser Zuschläge ein größeres Ausbringen an Weißeisen, als man an Roheisen eingesezt hatte.

Nicht zu vergessen ist noch der Umstand, daß das zum Weißen angewandte Roheisen durchgängig nur aus Abfällen von der Gießerei, sogenannten Broken, besteht, die bekanntlich einen bedeutenden Theil anhangenden Formsandes mit sich führen.

Der ganze Proceß ist so wohl geregelt und geht so gleichförmig vor sich, daß man durchaus nicht so mannichfaltigen Zufällen und Störungen aus gesezt ist, wie beim Feinen (oder Weißen) in den bisher üblichen Feinfeuern. – Auch der Arbeitslohn ist bei diesem Processe geringer.

Nicht minder vortheilhaft sind die Resultate des Gaspuddlingsprocesses.

Der Puddlingsofen, welcher zur Zeit in Wasseralfingen erbaut und im Betriebe ist, erhält seine Gase vom nördlichen Hohofen.

Im Schachte desselben befinden sich in angemessener Tiefe zwei Saugöffnungen; durch diese erhält man eine hinreichende Menge Gas, um damit einen Puddlingsofen und einen Schweißofen gleichzeitig zu betreiben, allein dieß erlaubt die geringe Wasserkraft des Gebläserades nicht, und daher ist man genöthigt, den Puddlings- und den Schweißofen abwechselnd zu betreiben – wobei es dann ganz gleichgültig ist, ob man die Schieber beider Gasleitungen, oder nur den einen Schieber einer derselben öffnet, da eine Gasleitung für einen Ofen hinlängliche Gasquantitäten liefert.

Die Temperatur des Gaspuddlingsofens ist, der Natur des Processes nach zu schließen, jedenfalls höher als die eines mit Holz, Steinkohlen oder Torf betriebenen. Die Hize ist klar und durchsichtig, so daß der Arbeiter im Stande ist, fortwährend jeden Punkt im Herdraume ins Auge fassen zu können; der ganze Proceß geht bei nur einigermaßen geschikter Manipulation höchst gleichförmig und regelmäßig vor sich. Man sezt bei jedem Proceß 31/2 bis 4 Cntr. weißes Eisen ein, welches vorher im Vorwärmherde bis zur Rothhize erwärmt ist. In 1 3/4 bis 2 Stunden sind die Luppen fertig.

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Der Abgang an Roheisen bei dieser Arbeit ist so gering, daß er durchschnittlich nicht mehr als 1 bis 2 Proc. beträgt; die Qualität des Productes ist vorzüglich.

Zu den Eigenthümlichkeiten des Betriebes des Gaspuddelofens gehört der Umstand, daß Schlakenbildung und Reduktion derselben gleichzeitig vor sich gehen. Beim Hängen der Luppen erhält man Schlake; diese wird beim nächsten Processe wieder zugesezt und dient als gaarender Zuschlag.

Abgelassen wird die Schlake niemals, es bleibt stets eine gleiche Menge davon auf dem Herde, der übrigens selbst nur aus Frischschlake eingebrannt wird.

Außer der beim Zängen fallenden Schlake sezt man mit Vortheil noch Schlaken von der Holzkohlenfrischerei zu und erhält durch Reduction derselben nicht selten ein größeres Ausbringen an Luppeneisen, als man Weißeisen eingesezt hat.

Die Production eines derartigen Puddlingsofens beträgt circa 250 Cntr. per Woche.

Das Schweißen im Gasschweißofen bietet, so wie die beiden vorhergehenden Processe, ebenfalls große Vortheile dar, jedoch sind die Resultate dieser Arbeit bis jezt noch nicht so außerordentlich, als die des Weiß- und Puddelofens.

Namentlich ist der Abgang durch die hiebei häufig fallende Schlake nicht unbedeutend und beträgt circa 12 bis 13 Proc., oft auch noch mehr. Die Hizen sind sehr schön und der Ofen fördert gut, so daß man leicht bei ungestörtem Betriebe wöchentlich 300 Cntr. Luppen abschweißen kann.

Nach allem dem ersieht man, daß das Resultat der Gasöfen in Wasseralfingen in hohem Grade befriedigend genannt zu werden verdient; man producirt obigen Angaben zufolge durch dieselben aus Broken von der Gießerei Stabeisen von vorzüglicher Qualität bei nicht mehr als circa 12 bis 15 Proc. Abgang und ohne Aufwand irgend eines kostbaren Brennmaterials, oder vielmehr durch Anwendung eines Brennmaterials, welches bisher vollständig unbenuzt verloren ging. Was bliebe hier noch zu wünschen übrig?

Welcher nuzenbringenden Ausdehnung die Anwendung der Hohofengase in der vom Hrn. Bergrath v. Faber erfundenen Art und Weise noch fähig ist, läßt sich bis jezt nur vermuthen; ein unabsehbares Feld der Erweiterung und Vervollkommnung des Eisenhüttenbetriebes ist dadurch eröffnet worden, und bald wird sich die Aufmerksamkeit aller rationellen Hüttenleute dahin richten. Bald wird blindes Vorurtheil, wo solches wirklich noch herrschen sollte, dem allgemeinen Vorwärtsschreiten weichen müssen, und vereinigtes Forschen und Prüfen wird noch ferner Resultate hervorrufen, die bisher nicht geahnet werden konnten. H. Schönberg. (Erdmann's und Marchand's Journal für prakt. Chemie, 1841, Nr. 7.)

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