Titel: Ueber Reinigung und Aufbewahrung des zum Mahlen bestimmten Getreides; von C. Détranchant.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1841, Band 80, Nr. LXXX./Miszelle 13 (S. 319)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj080/mi080080_13

Ueber Reinigung und Aufbewahrung des zum Mahlen bestimmten Getreides; von C. Détranchant.

Unter allen bisher angewandten Mitteln zur Verbesserung der Qualität des Mehles ist vorzüglich jenes zu erwähnen, dessen man sich in einem unserer ausgezeichnetsten Etablissements zu Billette bedient. Es besteht im Waschen des Getreides mittelst einer einfachen und sinnreichen Vorrichtung, deren Beschreibung hier folgt.

Vier Fässer nehmen jedes zwei darüber befindliche Röhren auf, durch welche eine ihrem Raume entsprechende Menge Getreide und Wasser herabfällt. Jedes Faß ist innerlich mit einem Rührer versehen, der durch ein kleines Winkelrad in Bewegung gesezt wird, welches ein über den Fässern liegender Wellbaum dreht. Die der Vorrichtung zuerst gegebene Bewegung soll für die Minute dreißig Umgänge betragen; wenn die Rührer einmal im Zuge sind, wird die Geschwindigkeit um die Hälfte vermehrt, und nachdem man diese zweite Operation einige Augenblike hat dauern lassen, wird der Bewegung Einhalt gethan. Man läßt nun das in den Fässern enthaltene Wasser ablaufen und die Strohtheilchen, die verdorbenen Körner u.s.w. trennen sich dann natürlicherweise von dem guten Getreide, dessen zweite Qualität zwischen zwei Wässern schwimmt. Nach dieser ersten Operation bringt man in die Fässer neuerdings so viel Wasser, als mit dem verdorbenen Getreide abging. Man theilt dem Mechanismus wieder dieselbe Geschwindigkeit mit, wie vorher und öffnet Während dieser Bewegung die Hähne, welche sich am Boden der Fässer befinden, um dem Getreide den Ausgang in einen Trichter (Rumpf) zu gestatten, dessen eine Seitenwand aus Metallgewebe besteht, damit das Wasser frei abfließen könne. Von da wird das Getreide mittelst einer Archimedischen Schraube in einen Behälter gebracht, von. welchem aus eine Kette mit Eimern es wieder in ein oberes Reservoir schafft. Von hier aus kömmt es in eine Reihe von (Zylindern, die an freier Luft so gestellt sind, daß die von einem unterhalb befindlichen Herde ausgehende Wärme zukann. Aus diesen Cylindern fällt, nachdem die Wärme gehörig eingewirkt hat, das Getreide in einen zweiten Behälter, aus dem es noch einmal mittelst einer Kette von Eimern in eine zweite Reihe von Cylindern gebracht wird, welche sich ebenfalls über einem Herde an kaltem Luftzüge befinden. Diese Operation ist von sehr großer Wichtigkeit, um den bedeutenden Uebelständen auszuweichen, die daraus entstünden, wenn das Getreide noch warm und feucht in Säke gebracht würde. Nach dieser lezten Operation kömmt das Getreide in ein Reservoir und wird in Säke gepakt.

Das aus der genannten Anstalt kommende Getreide ist von allen fremdartigen Stoffen, namentlich von den verdorbenen oder angefressenen Körnern, befreit, und wenn die Operation, bei welcher es durch die Abkühler passirt, sorgfältig geleitet wird, so verbleibt es in dem Zustande der Aufschwellung, in welchen es dabei kömmt, und bietet folglich ein größeres Volumen für den Verkauf dar, ohne daß es deßwegen im geringsten eine Beschädigung erlitten habe. Im Gegentheil beweist die Erfahrung, daß sich die Bälge (Kleien) leichter entleeren und das Mehl, da es nicht so lange in der Mühle bleibt, weil das Getreide nicht wehr so hart und seine Hülle ausgedehnter ist, nicht von so bläulichem, manchmal öhligem Ansehen ist, wie es aus den meisten Mühlen hervorgeht. Wir müssen auch hinzusezen, daß die angefressenen Körner und jene leichten, welche bei der ersten Reinigung aus den Fässern entweichen, deßwegen nicht nuzlos verloren sind. Sie werden im Gegentheil sorgfältig gesammelt, gewaschen, noch einmal gereinigt, und beinahe zum selben Preis wie das gewöhnliche Getreide verkauft. So findet in diesen Operationen jeder seine Rechnung; der Fabrikant in dem reellen Werth seines Products und der Consument in der Güte des Mehls. (France industrielle, 1841, No. 18.)

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