Titel: Befestigung der Beizen auf den Kattunen ohne Troknen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1841, Band 80, Nr. LXXX./Miszelle 9 (S. 317–318)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj080/mi080080_9

Befestigung der Beizen auf den Kattunen ohne Troknen.

Aus Böhmen. Bekanntlich erfordert die mit den Mordants zu Schwarz, Roth. Hellroth, Violett etc. bedrukte Waare. um die Beizen mit der Faser zu verbinden, des mehrtägigen Aufhängens in den sogenannten Troken- oder Röschzimmern, bevor dieselbe gekühkothet und gefärbt werden kann. Dieses in ökonomischer Hinsicht keineswegs vortheilhafte, zu umständliche Verfahren ist nun durch ein ganz einfaches und erprobtes entbehrlich gemacht worden; die Röschzimmer können nun zu anderen Zweken benuzt werden; die neuen Einrichtungen behufs der neuen Methode sind ganz einfach, mit wenig Kosten und sehr leicht anzubringen; der aufgedrukte Mordant kann um den vierten Theil schwächer aus sonst seyn, und was das Wesentlichste ist, so kann die Waare schon eine Stunde nach dem Druk gereinigt und gefärbt werden – und noch mehrere Vortheile werden hiedurch erzielt.

Zum Befestigen der Mordantsalze auf dem Zeuge bediene man sich nämlich statt des Hängens in den Trokenzimmern des Ammoniakgases, das man in einem luftdicht verschlossenen Raum entwikelt oder auch in selben einströmen läßt und die Drukwaare mittelst Rollenbewegung 1/2–1 1/2 Minute durchleitet. Am vortheilhaftesten ist diese Vorrichtung oberhalb einer Drukmaschine anzubringen, wo zugleich das Troknen der gedrukten Waare mit dieser Ammoniakbehandlung eine Operation ausmacht.

Besonders anzuwenden ist diese Erfindung für Waare, die mit irgend einer mehrfarbigen Maschine, wie z.B. der von Leitenberger, Singer und Pertot erfundenen bedrukt worden, wo neben den Krappmordants noch zugleich Chromgelb, Aechtgrün oder Aechtblau befindlich sind. Blau und Grün müssen nun bekanntlich sogleich nach dem Druk in Kalk geküpt und chromirt werden; die anderen Mordants, als die zu Schwarz, Roth, Violett etc. haben in dieser kurzen Zeit nicht Gelegenheit, sich in erforderlicher Menge mit der Faser zu verbinden, und man erhält daher diese Farben immer nur sehr matt und fahl. Nun befestigt eine Ammoniakgasbehandlung leztere Beizen vollständig mit dem Faden, ohne auf das zugleich mit aufgedrukte Gelb, Grün oder Blau eine nachtheilige Wirkung zu äußern, so daß nach dem Küpen in äzender Kalkmilch, dem Behandeln in saurem Kalibade, dem Reinigen, Färben und nöthigen Aviviren alle Farden nebeneinander sich als schön und gelungen darstellen. Es versteht sich von selbst, daß die Beizen, welche Thonerde enthalten, wie Roth, Braun, Rosa etc. wegen der Kalkoperationen mit einem reservirenden Mittel versezt werden müssen, |318| um der Auflösung der mit dem Faden vereinigten Thonerde in dem äzenden Kalke vorzubeugen.

C. H.
(Sächs. Gewerbeblatt.)

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