Titel: Ueber Militärpachthöfe, von General Bugeaud.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1841, Band 80, Nr. CXVI./Miszelle 13 (S. 466–467)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj080/mi080116_13

Ueber Militärpachthöfe, von General Bugeaud.

Die Verwendung der Soldaten zu nüzlichen Arbeiten nimmt von Tag zu Tag zu und unmöglich können producirende Kräfte, welche Wunder wirken könnten, noch lange Zeit, ohne Jemanden zu nuzen, vergeudet werden. Wir erinnern an die trefflichen: Vues sur l'application de l'armée aux grands travaux d'utilité von Emile Girardin, 1838, wo dieser Gegenstand mit der vollkommensten Sachkenntniß behandelt wird. Er zeigt darin, daß der Friede in Zukunft der Normalzustand der europäischen Nationen ist. Die Armee kann, wenn sie nicht aller Thätigkeit entsagen will, sich nicht mehr ausschließlich an ihre sich an die Vergangenheit knüpfenden Rechte halten; sie muß sich nach den Bedürfnissen der gegenwärtigen Zeit richten und sich zu den Arbeiten des Friedens vorbereiten; sie muß ihre Reihen allen Arbeitern öffnen, damit sie für dieselben eine große Schule der Gewerbe werde, wo die Thätigkeit, die Redlichkeit, die Intelligenz gesicherte Rechte auf Ehren- und Geldbelohnungen bringen, eine Schule der Ehre, der Ergebenheit, der Sparsamkeit, der Disciplin, wo alle auf das Herz des Menschen einwirkenden Triebfedern angeregt werden und eine gute Richtung erhalten. Unter diesen Bedingungen wird die Armee an Arbeit und Sittlichkeit dem Lande wenigstens das Aequivalent dessen leisten, was sie ihm heutzutage kostet, und die Beschuldigungen der finanzwirthschaftlichen Parteigänger werden von ihr abgewendet. Dann nur werden der Handwerker und der Akersmann, fern dieses Schiksal zu fürchten, dem Rufe der Conscription zuvorkommen, um beim Regiment etwas zu lernen und sich etwas zu erwerben Der verabschiedete Soldat wird dann, statt aus der Caserne die Gewohnheiten des Müßigganges und der Ausschweifung mitzubringen, sich befleißen, die Anwendung des landwirthschaftlichen Verfahrens, welches man ihn lehrte, in seiner Umgebung zu verbreiten. Es würde hiedurch eine Reserve unterrichteter Arbeiter geschaffen, und dem Land wäre das mächtigste aller Elemente des Fortschrittes gegeben.

Bugeaud, ein die Landwirthschaft verstehender General, stellt Betrachtungen an über die Sterblichkeit unter den Militärpferden bei dem jezigen Systeme, über die unproductive Thätigkeit, zu welcher dieses System den Menschen und das Thier verdammt, und endlich über den Verlust an Dünger, welcher, wie er |467| sagt, hinreichend wäre, den Menschen und das Thier zu ernähren, und verbindet damit den Wunsch, daß man mit drei Regimentern oder Regimentsabtheilungen folgenden Versuch anstelle. „Man würde“, sind seine Worte, „auf 5 Jahre große Besitzungen in Limousin, Marche, Auvergne, Périgord, in der Bretagne pachten; ich bezeichne diese Besizungen, welche in vielen Departements liegen, weil hier der Boden wohlfeiler ist als anderswo, weil sie von größerer Ausdehnung und in jeder derselben sehr viel natürlicher Wieswachs und viele Gebäude sind; ich würde einen Stall für 40 Pferde, mit Heuboden darüber, um 5 bis 6000 Fr. erbauen; würde in jede Besizung eine Anzahl Leute sezen, welche sie mit Heu, Futter, künstlichen Wiesen, Stroh, Hafer, Brod für die Menschen, Heizmaterial, Hülsenfrüchten u. f. w. versehen könnte; Reiter und Pferde müßten die Besizung anbauen; man brauchte von den Menschen nicht mehr als 4 bis 5 Stunden tägliche Arbeit zu verlangen.“ Wir verweisen auf Hrn. B's. Broschüre wegen der weiteren Details des Anbaues dieser Militärniederlassungen (assolements) u.s.w.; übrigens wäre dieß nur ein Versuch; aber um dieses System zu bewerkstelligen, müßte man nach den Berechnungen des Verf. für jedes Regiment von 700 Mann ungefähr für eine Million (Fr.) Besizungen ankaufen und 200,000 Fr. zur Vermehrung der Wohnungen und zu landwirthschaftlichen Reparaturen hinzufügen. Das Capital wäre demnach 1,200,000 Fr.; hievon ausgehend berechnet Hr. B. die Ausgaben eines Militärpachthofes, wie folgt:

Interessen zu 5 Proc 60,000 Fr.
Jährliche Reparaturen 5000 –
Steuern 6000 –
–––––––––
71,000 Fr.
Deficit an Haferproduction 66,000 –
–––––––––
137,000 Fr.

Folgendes hingegen ist die jährliche Ausgabe eines gleich starken Regiments bei gewöhnlichen Zeitumständen:

Futter, 412 Fr. für das Pferd 288,715 Fr.
Brod, 54 Fr. 44 Cent. für den Mann 37,830 –
Heizung, 4 Fr. 50 Cent. für den Mann 5150 –
Wohnung zu 80 Fr. für Mann und Pferd 56,000 –
–––––––––
387,695 Fr.

Der Unterschied würde demnach jährlich für ein Regiment eine Ersparnis von 248,695 Fr., für 75 Regimenter also von beinahe 19 Millionen Fr. ausmachen. Es mag wohl in den Ziffern des Hrn. B. manches vergessen worden und in der Ausführung manche Schwierigkeit zu besiegen seyn; jedenfalls aber verdient sein Vorschlag geprüft zu werden. Sollte man nicht auch eine ebenso permanente Arbeitsanstalt errichten? Es ist nicht minder gewiß, daß die Agricultur auch aus den Arbeiten der Armee unschäzbaren Nuzen ziehen könnte, wie aus dem Austroknen der Sümpfe, der Gesundmachung großer, unter Wasser stehender Flächen, welche unter guter Leitung fruchtbar werden können, der Bepflanzung von Haiden und Brachfeldern mit Holz, dem Nachpflanzen des Holzes in den Staatswaldungen, namentlich auf entholzten Abhängen; der Errichtung großer Gräben zu ihrer Entwässerung sowohl als ihrem Schuze u.s.w. (Echo du monde savant, 1841, No. 633.)

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