Titel: Reinigung des stetigen, brandigen und angefressenen Getreides.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1841, Band 80, Nr. CXVI./Miszelle 14 (S. 467–468)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj080/mi080116_14

Reinigung des stetigen, brandigen und angefressenen Getreides.

Eine der bedeutendsten Verbesserungen, welche die Müllerei seit einigen Jahren erfahren hat, ist die Reinigung des Getreides sowohl auf trokenem als auf nassem Wege. Die Riceville'schen Schwungmaschinen mit Centrifugalkraft sind, wenn das Getreide von ziemlich guter Beschaffenheit ist, hinreichend, um die Oberfläche der Kornhülle zu säubern, deren kleines dem Keime gegenüber liegendes Büschchen man fliegen lassen muß, was durch die Rauhigkeit der Schwungflügel und des Gehäuses der ganzen Vorrichtung sehr gut bewerkstelligt wird, wenn man dieselben noch mit einem guten Ventilator mit künstlichem Luftzuge und zwekmäßigem Siebcylinder versah. Eine solche, in allen ihren Theilen wohlbeschaffene Vorrichtung ist zur ersten trokenen Reinigung immer hinlänglich. Wenn aber das Getreide durch den Mehlthau, den Brand, die Fäulung gelitten |468| hat, wenn vorher gutes Getreide durch irgend einen Vorfall beschädigt wurde, so daß es einen Geruch annimmt, muß die Reinigung desselben auf nassem Wege geschehen, nämlich durch kunstgemäßes Waschen und Troknen. Hr. Bouchotte hat die Aufgabe des Waschens ganz richtig aufgefaßt. Nach ihm geschieht dasselbe ganz schnell, indem das Getreide ziemlich lange gegeneinander gerieben wird, um es von Schmuz zu befreien, jedoch auch kurz genug, damit das Getreide sich mit so wenig Wasser als möglich sättige. Nach dieser ersten Operation kömmt das Getreide in einen sehr lebhaft bewegten Rührkasten, welcher durch die Erschütterung jedes Korns einen Theil des an der Hülle desselben hängen gebliebenen Wassers davon losmacht. Dann kömmt es in die Trokenvorrichtung, welche von der Maupeou'schen ganz verschieden ist, indem hier atmosphärische Luft durch einen Ventilator mit Centrifugalkraft herbeigeführt wird, dessen Windrad beinahe 1000 Umgänge in der Minute macht, was in einem Locale von hoher Temperatur geschieht, dessen Wärme durch Dampfheizung erzeugt wird. Die äußere Luft wird hier sehr warm und ihre Wärme reicht allein hin, damit die Verdampfung schnell vor sich geht. In dieser Verschiedenheit in der Troknung liegt die eigentliche Verbesserung; denn wenn man die Anzahl der in die Vorrichtung getriebenen Kubikmeter Luft weiß, die Menge der entwikelten Wärme, und endlich die Menge des von dem Getreide beim Waschen aufgenommenen Wassers kennt, kann die Zeit, wie lange man das Getreide mit der warmen Luft in Berührung lassen soll, wohl bestimmt werden, damit es immer hinreichend troken aus der Vorrichtung kommt. (Echo du monde savant, 1841, No. 635.)

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