Titel: Janin's neues Verfahren bei der Sammtfabrication.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1841, Band 81, Nr. C./Miszelle 4 (S. 395–396)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj081/mi081100_4

Janin's neues Verfahren bei der Sammtfabrication.

Bekanntlich wird der Sammt auf die Art gewoben, daß die Poilfäden einen Ring (Boucle) über dike cannelirte Messingdrähte bilden und daß nach drei Würfen des Schiffchens, welche über dieselben (gewöhnlich Nadeln oder Ruthen genannten) Drähte gehen, der Arbeiter das Pedalspiel unterbrechen muß, um mittelst eines kleinen Messers diese seidenen oder baumwollenen Ringe aufzuschneiden, welche sich auf der ersten der beiden Nadeln befinden. – Diese verschiedenen Operationen erfordern bei aller ihrer Einfachheit eine gewisse Uebung, und die Arbeiter, welche diesen Stoff weben, müssen ziemlich lange lernen, um sich eine große Genauigkeit in der Bewegung der das Messer führenden Hand anzueignen; die beiden abgeschnittenen Enden müssen nämlich ganz genau von gleicher Länge seyn, was ungemein viel dazu beiträgt, daß der Stoff schön sammtartig ausfällt.

Man hat lange Zeit ohne Erfolg Versuche angestellt, um zwei Stüke auf |396| einmal zu weben, und zu einem reinen horizontalen Schnitt der Sammthaare zu gelangen. Zu diesem Ende mußten die übereinander gelegten Ketten in einer vollkommen gleichen Entfernung gehalten werden und die Poilfäden in dem gehörigen Grad der Spannung seyn, damit sie, einmal abgeschnitten, von höchst genauer gleicher Länge seyen, indem die mindeste Ungleichheit auf der Sammtfläche leichte Wellenlinien hervorbringt, welche diesem Stoffe das gute Aussehen, dessen er fähig ist, benehmen. Diese zahlreichen Schwierigkeiten wurden alle durch den ausdauernden Fleiß des Mechanikers Janin in Lyon besiegt. Er construirte in Gemeinschaft mit Hrn. Falsan Stühle, um zwei Stüke Sammt auf einmal zu weben. Das von den Erfindern genommene Patent verhindert uns, in die genaue Beschreibung der Zusammensezung der ganzen Maschine einzugehen; so viel können wir jedoch sagen, daß die Erfindung in einem sehr einfachen Regulator besteht, welcher an den beiden Walzen hinten angebracht ist, und durch seine Stellung genau so viel Poilfäden abgibt, als man will, so daß Kette und Poilfaden mathematisch genau miteinander endigen. Was das Ausschneiden betrifft, so trennt ein bewegliches, in eine Nuth, von deren Richtung es nicht abweichen kann, eingelassenes Messer in gleichem Schritte mit dem fortschreitenden Gewebe, die beiden Stüke, indem es die Poilfäden aufs Genaueste in ihrer Mitte durchschneidet. Der reine Schnitt bewahrt dem Zeug seine ganze Frische, sowohl durch die mit fortreißende Kraft der schneidenden Klinge, als durch den immer in gleicher Richtung geschehenden Schnitt. Gewisse Theile der Maschine zum gleichzeitigen Weben zweier Stüke Sammt können auch mit Vortheil bei andern Stoffen angewandt werden; eine Verbesserung aber ist wichtig für jede Art von Weberei, nämlich daß die Ketten der beiden Stüke nur eine einzige Walze (Baum) und ein einziges Schiffchen haben. – Ein anderer Vorzug dieser Maschine ist, daß sie bei allen schon existirenden Seidenwebestühlen angebracht werden kann. (France industrielle, 1841, No. 26.)

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