Titel: Francoeur, über Burnier's Apparat zum perspectivischen Zeichnen.
Autor: Francoeur, Louis Benjamin
Fundstelle: 1841, Band 82, Nr. VIII. (S. 17–20)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj082/ar082008

VIII. Bericht des Hrn. Francoeur über einen von Hrn. Burnier erfundenen Apparat zum perspectivischen Zeichnen von Gegenständen nach der Natur.

Aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement. Jul. 1841, S. 281.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Die bis jezt bekannten Apparate zum Zeichnen nach der Perspective sind so eingerichtet, daß ein Zeichnenstift seine Spuren auf einem horizontal ausgespannten Papiere zurükläßt; die Bewegungen des Zeichnenstiftes sind übereinstimmend mit denjenigen der Sehstrahlen, welche von einem festen Ocular ausgehen, und an den Umrissen der Gegenstände hinstreifen. Sie haben jedoch alle bis auf einen gewissen Grad die Hoffnungen, welche man sich von ihnen machte, getäuscht, denn wenn sie auch ganz geeignet waren die genaue Perspective gewisser einzeln stehender Punkte zu geben, so ließen sie sich doch nicht zur Bildung zusammenhängender Zeichnungen aus geraden und krummen Linien benuzen. Ueberdieß glaubten Viele bei diesen Maschinen nicht nöthig zu haben, zeichnen zu können; dieß ist aber ein großer Irrthum, denn es erfordert im Gegentheil eine lange Uebung, um sie mit Vortheil benuzen zu können. Sie haben jedoch wesentliche Dienste geleistet, wenn man von ihnen nur die Hülfe forderte, die sie zu geben fähig sind, nämlich die genaue Bestimmung einzelner getrennter Punkte, welche der Künstler dann nach dem Augenmaaße verbinden muß, wodurch er in kurzer Zeit die Perspective sehr schwieriger Gegenstände erhält.

Das von Hrn. Artilleriehauptmann Burnier der Société d'Encouragement übergebene Instrument, welches er Homograph nennt, zeichnet die Perspective auf eine verticale Fläche; darin ist es der Vorrichtung des Hrn. Clinchamp ähnlich (worüber im Jahre 1823 ein Bericht erstattet wurde1)), die der Erfinder Hyalograph nennt, weil die Zeichnung auf ein verticales Spiegelglas gemacht wird, welches man schwach mit Gummi überstreicht, der ihm seine Durchsichtigkeit nicht benimmt.

Jede Perspective ist nichts anderes, als der Abdruk der auf die Gegenstände gerichteten Sehstrahlen an den Punkten, wo sie die Ebene der Tafel durchdringen; bei dem Durchschneiden der von einem fixirten Auge ausgehenden Sehstrahlen mittelst einer verticalen Ebene entstehen Kegel, von welchen das Auge der Scheitel ist. Der Hyalograph |18| ist die bloße Anwendung des Gesagten. Wenn an die Umrisse eines Gegenstandes Sehstrahlen gelangen, welche durch eine vertical dazwischen gesezte Glastafel gehen, und auf derselben an den Punkten, wo sie dieselbe durchbringen, Abdrüke zurüklassen, so erhält man die Perspective des Gegenstandes.

Man wirft aber dem Hyalograph vor, daß er nur eine Perspective gibt, welche hernach wieder copirt werden muß; überdieß ist die Stellung des Zeichners für ihn nicht bequem, um seinen Arm und die zeichnende Spize gut regieren zu können.

Hr. Burnier scheint uns diese Schwierigkeiten besiegt zu haben, indem er das vorher erklärte allgemeine Problem der Perspective direct in Anwendung bringt.

Die Zeichnung wird mit Bleistift auf einem vertical aufgespannten Papiere gemacht, welches auf einer Tafel angebracht ist. Vor der Tafel und höher als sie ist ein festes Ocular angebracht, an welches man das Auge bringt, von welchem die auf die Gegenstände gerichteten Strahlen ausgehen. Ein messingener Stab schleift auf der Oberfläche der Tafel hin, und nimmt verschiedene Stellungen ein, die man ihm mit der rechten Hand mittheilt. Dieser Stab hat am oberen Theile einen Zeiger, welcher, während er sich bewegt, die verschiedenen Punkte des Gegenstandes, den man zeichnen will, bedekt; der Stab bewegt sich also in einer verticalen Ebene, und sein Zeiger steigt oder sinkt, wie es die ihn führende Hand verlangt. Diese Hand hält einen Bleistift senkrecht auf das Papier, welcher in einer cylindrischen Hülse festgehalten wird, die auf der Tafel aufliegt. Alle Bewegungen des Zeigers werden durch den Bleistift auf das Papier übertragen, und wenn man will, zieht sich der Bleistift zurük und hört auf zu zeichnen. Die Hülse ist auf den Messingstab aufgestekt, und jede Bewegung des Stabes und seines Zeigers wird durch den Bleistift aufgezeichnet, wenn man nicht will, daß er zurükgezogen seyn soll.

Der Stab wird in seiner verticalen Ebene durch ein um Scharniere gleich einem Laden bewegliches Stük getragen, welches oben und unten mit einem Schieber versehen ist, in dem der Stab beständig festgehalten wird. Dieses Stük ist das Wesentlichste des Homographs.

Nach dieser Beschreibung ist es klar, daß die Perspective, welche man erhält, getreu seyn wird, und daß man nur einer kleinen Uebung bedarf, um sich des Instrumentes zu bedienen. Alle seine Bewegungen sind so leicht, daß man Curven jeder Art damit zeichnen kann, was so schwierig mit dem Diagraph ist; es kostet nur 20 Fr. Ich habe es für unnüz gehalten, die Verbindung der verschiedenen Theile |19| zu beschreiben, welche den Messingstab tragen, und ihm alle Bewegungen mitzutheilen gestatten, weil die Zeichnung dieses deutlich machen wird.

Da die Tafel nicht sehr weit vom Auge entfernt seyn soll, damit die Hand sie erreichen und den Bleistift darauf führen kann, so sind die Gränzen, in welchen das Ocular sich von ihr entfernen kann, nicht sehr ausgedehnt; es folgt daraus, daß der von den Sehstrahlen gebildete Kegel durch diese Ebene in Punkten geschnitten wird, die dem Scheitel ziemlich nahe stehen, und daß man von einem sehr weit entfernten Gegenstande nur kleine Bilder erhalten kann, oder nur entstellte Bilder von einem nahen Objecte, weil die verticale Ebene die äußersten Strahlen zu schief durchschneidet.

Hr. Burnier hat aber ein Verfahren erfunden, um den Scheitel des Kegels hinter den Kopf des Zeichners zu bringen, ähnlich demjenigen bei Chrétien's Physionotrace, wodurch also das Bild in einen solchen Raum gebracht wird, daß kein Sehstrahl zu schief geschnitten wird; auf meine Bemerkung, daß sich schon Hr. Clinchamp der langen Arme des Physionotrace bedient habe, theilte er mir sogleich ein anderes sehr sinnreiches Mittel mit, um dasselbe Resultat zu erzielen. Er vereinigt mit seinem beweglichen Stabe ein System mit demselben beweglicher Lineale, welches den Zeiger führt, der als Ziel an dem Seitentheile und rükwärts von der Tafel dient, so daß es nicht mehr der Scheitel des Kegels ist, welcher sich hinter den Kopf des Zeichners entfernt, sondern es ist die Tafel, welche sich gleichsam von dem Auge entfernt, weil der Kegel weiter vom Scheitel entfernt durch diese Ebene geschnitten wird, obschon die Zeichnung auf der Tafel entsteht, welche im Bereiche der Hand geblieben ist.

Obgleich der Homograph des Hrn. Burnier in manchen Punkten Aehnlichkeit mit dem Hyalograph des Hrn. Clinchamp hat, so besizt er doch neue und sinnreiche Theile, ist leichter und bequemer zu handhaben als dieser und verschiedene andere zu diesem Zwek erfundene Instrumente, und kostet überdieß viel weniger.

Beschreibung des Homographs.

Fig. 61 ist die Seitenansicht desselben. Fig. 62 die obere Ansicht. Fig. 63 eine Ansicht von Vorne.

Dieselben Buchstaben bezeichnen dieselben Stüke in allen Figuren.

a verticale Tafel, auf welcher das Papier zum Zeichnen aufgespannt wird.

b, b Metalldrähte; sie sind durch Unterlagen unterstüzt, und werden parallel zur Tafel gehalten.

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c, c ein paar Latten mit Ansäzen, um das Instrument auf einen Tisch zu stellen.

d Säulen, an welchen die Tafel angebracht wird.

e Streben, um die Tafel vertical zu halten.

f ein aus Metallblech verfertigtes Ocular, in welches ein kleines Loch gebohrt ist; es ist an einer runden Stange festgemacht.

g ein Lineal mit einem Spalte, welches die runde Stange des Oculars trägt.

h, h Lineale, welche mit dem Ocularträger durch eine Flügelmutter i vereinigt sind.

k eine messingene Stange, welche den Zeiger l trägt.

m eine Röhre von Messing, die den Bleistift trägt; sie schließt eine Feder mit einem Knopf ein, welcher auf den Bleistift drukt; diese Röhre ist durchbrochen mit einem länglichen Spalt, durch welchen man den Bleistift mit dem Zeiger zurükhalten kann.

n eine runde Hülse, welche den Bleistiftträger mit dem Stabe vereinigt.

o ein beweglicher Laden, der sich frei um zwei Angeln dreht, die mit der Säule p verbunden sind. Dieser Laden hat an seinem obern und untern Theile einen messingenen Schieber mit einem Spalte, um dem Stabe einen Durchgang zu gestatten; er dient, diesen Stab immer in einer verticalen Stellung zu erhalten.

r ein längliches Kästchen, in welches man die einzelnen Theile des Instrumentes legt, wenn es auseinander genommen ist. An diesem Kästchen ist die Säule p des Ladens o angebracht.

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Polytechn. Journal Bd. XII. S. 156.

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