Titel: H. Weishaupt's lithographischer Farbendruk.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1841, Band 82, Nr. XCVI./Miszelle 2 (S. 435–436)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj082/mi082096_2

H. Weishaupt's lithographischer Farbendruk.

Das Bild wird 1) auf gekörnten Stein mit chemischer Kreide bloß in Haupt- und Halbschatten gezeichnet, die Hauptschatten besonders kräftig gehalten. Außerhalb des Rahmens in der Mitte des Bildes werden zwei Punkte mit chemischer Husche angegeben. Diese Platte gibt die Haupt- oder Schattenplatte; sie wird auf gewöhnliche Weise behandelt, nur statt schwarz braun gedrukt, wo der schwarzen Farbe Zinnober oder Mennig beigemischt wird, und zwar weniger oder mehr, je nachdem der Gegenstand des Bildes mehr Licht- oder Dunkelbraun erfordert. – 2) Von dieser Hauptplatte werden Ueberdruke auf drei gekörnten Steinen mit mäßiger Spannung der Presse gemacht, die mit übergedrukten zwei Punkte werden mit einer feinen Gravirnadel gebohrt. Eine Platte ist für die blauen, die zweite für die rothen, die dritte für die gelben Farbentöne bestimmt. Man zeichnet gleich auf der ersten Schattenplatte mit chemischer Kreide, z.B. zuerst die blauen, sowohl im Fleische, Kleidern, Hintergründen u.s.w. vorkommenden Töne, als auch die grünen und violetten Töne; die dunkelsten Stellen derselben werden mit chemischer Tusche gezeichnet. Auf die zweite Platte werden alle rothen, so wie auch alle rothgelben und violetten Töne gezeichnet; auf die dritte Platte alle gelben, grünen und rothgelben Töne. Es lassen sich durch diese drei Farben die mannichfaltigsten Nüancen durch das Uebereinandergehen der Farben hervorbringen, und von der richtigen Berechnung, wie ein Ton stärker oder lichter über den anderen kommen muß (was Sache des Gefühls ist), hängt der richtige Effect des Bildes ab. Die Platten werden dann wie gewöhnlich präparirt und mit der zugehörigen Farbe gedrukt. – 3) Zur blauen Farbe nehme man Pariserblau, Berlinerblau oder Mineralblau, je nachdem der Gegenstand mehr Licht- oder Dunkelblau erheischt) zur rothen Farbe Lak und Zinnober; zur gelben Farbe Oker, gelben Lak oder Schüttgelb. Die Farbe wird mit dikem Leinöhlfirniß gleich der schwarzen Farbe abgerieben, mit Walzen nach der bekannten Art aufgetragen, der von der Schattenplatte gemachte Abdruk mittelst Nadeln aufgelegt und abgedrukt. Man kann zuerst den blauen, rothen oder gelben Stein eindruken, so wie auch zulezt die Schattenplatte druken, was immer der Gegenstand, den man zu behandeln hat, bestimmt. – 4) Soll das Bild mehr den Charakter eines Oehlgemäldes an sich tragen, so kann dieß durch das Eindruken einiger Localtöne erzwekt werden, welches auf folgende Weise geschieht: es werden von der Hauptplatte Ueberdrüke auf gekörnte Steine gemacht, und zwar so viel, als Localtöne man für nöthig erachtet; vor dem Ueberdruken wird der Stein mit Terpenthinöhl überwischt. Auf die übergedrukten Steine werden dann mit nachstehender Tusche die Localtöne mittelst Feder und Pinsel gleichmäßig gedekt; nach dem Deken werden die licht seyn sollenden Partien, so wie die Gränzen, wo ein Ton sich in den anderen verliert, mit Schabeisen geschabt, wodurch man die sanftesten Uebergänge hervorzubringen im Stande ist; die Steine werden dann wie Federzeichnungen präparirt und die Localtöne in den vorher gemachten Druk wie bei den ersten Platten eingedrukt. Nach jedem Druk wird das Papier getroknet und wieder gleichmäßig gefeuchtet, und vor jedem Druk mit dem Stangencirkel |436| gemessen, ob es sich zu viel oder zu wenig ausgedehnt hat; im erstern Falle muß es nachgefeuchtet, im lezteren troknes Papier eingelegt werden, bis es das Maaß hält. – 5) Tusche zum Zeichnen der Localtöne: 2 Theile Seife, 4 Th. Schellak, 4 Th. Wachs, 4 Th. Mastix. Seife und Schellak kommen zugleich in die Pfanne, wo dann beständig mit einem eisernen Löffel gerührt wird, und wenn kein Schäumen mehr wahrzunehmen ist, läßt man die Masse brennen, bis der Schellak aufgelöst ist. Während des Brennens wird Mastix und Wachs beigesezt; man läßt dann das Ganze ungefähr eine Minute wieder brennen, gießt die Masse dann auf einen Stein, und bevor sie ganz erkaltet, formt man sie in Stangen von beliebiger Größe. Diese Tusche wird auf die gewöhnliche Weise beim Gebrauch mit weichem Wasser aufgelöst. – 6) Bereitung des Firnisses zum Druken der Localtöne: dunkle Localtöne werden mit gewöhnlichem Leinöhlfirniß von dünner Qualität gedrukt; zu hellen brillanten Farben wird der Firniß auf folgende Weise zubereitet: man gieße 5 Th. gutes Leinöhl und 1 Th. Terpenthinöhl in ein flaches zinnernes Gefäß, seze es der Sonnen- oder Ofenwarme so lange aus, bis es klar und dik wird. Dieser Firniß wird dann in einem verschlossenen Gefäße zum Gebrauch aufbewahrt. – 7) Bereitung der Farben zum Druk der Localtöne: alle Erd- und Mineralfarben sind hiezu anwendbar, die vegetabilischen nur ausnahmsweise, wie z.B. Indigo, Krapplak. Die Farbe wird mit Leinöhlfirniß fein gerieben, und manche Farbe, z.B. Pariserblau oder Lak, muß zuerst in Terpenthinöhl und ein wenig venetianischem Terpenthin abgerieben werden, um das Austreten der Farbe aus dem Oehl ins Wasser zu verhüten. Lichten Tönen wird feine weiße Kreide beigemischt; je lichter der Ton werden soll, desto mehr Firniß wird beigemischt. Das Auftragen der Farbe geschieht mit Walzen. – 8) Um das starke Ausdehnen des Papiers durch den Druk zu verhindern, wird, statt gewöhnlicher Auflage, feiner Kartenpappendekel aufgelegt. Auf diese Weise läßt sich ein ganz gemaltes Bild nachahmen, und das vollkommene Gelingen des Druks hängt theils von der richtigen Berechnung der Farbentöne, was Gefühlssache ist und auch Erfahrung lehrt, theils von der strengsten Genauigkeit der technischen Behandlung des Drukes ab. – Dieser Farbendruk ist besonders auch für naturhistorische, anatomische und botanische Werke von sehr großem Nuzen, indem diese Gegenstände nicht nur an Schönheit den colorirten gleichen, sondern auch, was bei solchen Werken besonders zu berüksichtigen ist: a) fest und dauerhaft in Hinsicht der Farbe hergestellt werden können; b) behalten die Farben ihr Ansehen beständig, während das Colorirte bald absteht; c) lassen sich eben so viele Abdrüke machen, wie bei dem gewöhnlichen lithographischen Schwarzdruke, welche weder die Zeit des Colorirens in Anspruch nehmen, noch die Preise desselben erfordern. (Kunst- und Gewerbeblatt des polyt. Vereins für Bayern 1841, S. 138.)

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