Titel: Loth's patentirte Spinnräder.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1842, Band 83, Nr. XVIII./Miszelle 2 (S. 84–85)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj083/mi083018_2

Loth's patentirte Spinnräder.

Diese patentirten Spinnräder sind nach einer sehr sinnreichen Weise ausgeführt. Die Construction ist, obgleich sehr elegant, dennoch dauerhaft. Sie besteht aus drei Füßen, von Holz gedrechselt und schwarz lakirt; die beiden vorderen werden durch einen 4 Linien starken Eisendraht verbunden, worauf der Tritt befestigt ist. Mittelst eines Messingdrahtes werden die drei Füße zur Aufstellung des Spinnrades im Dreiek befestigt. Außerdem können die vorderen Füße durch Ausheben des Ankers zurükgelegt und das Rad sehr bequem unter dem Arme transportirt werden. Die Messingscheibe, welche zur Aufnahme des fertig gedrehten Fadens bestimmt ist, hat 6½ Zoll Durchmesser mit einer ¾ Zoll breiten und tiefen Rinne, worin sich der Faden aufwindet. Diese Rinne läßt sich auseinandernehmen und das Garn wird nur unterbunden, um eine kleine Strähne darzustellen. Hier wird also gesponnen und gehaspelt zu gleicher Zeit, was nach dem bekannten Sprüchworte bisher nicht zulässig schien. Die Scheibe, worüber die Schnur läuft und womit der Tritt verbunden ist, hat 3 Zoll Durchmesser, und die Welle, über welche die Schnur zur Umdrehung der Holzscheibe geht, ½ Zoll, so daß also diese bei jedem Umlauf der unteren Scheibe oder bei jedem Tritt 6 Umläufe macht. Die Achse, auf welcher die größere Scheibe läuft, trägt |85| nach der vorderen Seite einen Flügel von Draht, durch den der Faden, indem er durch eine Oehse an der Spize der Achse geht, seine Drehung erhält und auf den äußeren hohlen Umkreis der größeren Scheibe umgewunden wird.

Durch eine Preßschraube kann das schnellere oder mehr verzögerte Aufnehmen des Fadens bewirkt werden, so wie es denn auch in der Willkür der Spinnerin steht, den Faden mehr oder weniger zu drehen. Die größere Scheibe wirkt zugleich als Schwungrad, so daß die Bewegung der Maschine sehr leicht von statten geht. Außerdem wird nicht das geringste Geräusch bemerkt, und der Gang derselben ist sehr regelmäßig. Nur ein Umstand möchte noch zu bemerken seyn, welcher vielleicht mancher Spinnerin etwas ungewohnt vorkommen mag; nämlich, daß der Roken, worauf der Flachs sich befindet, nicht zugleich mit dem Rade verbunden und man genöthigt ist, solchen auf den Schooß zu nehmen. Allein dieses ließe sich leicht beseitigen, indem ein in mehrere Theile getheilter Stab an dem Fuße des Rädchens befestigt werden kann. Für die Gleichförmigkeit des Fadens würde dadurch viel gewonnen, indem alsdann beide Hände zur Bildung desselben mitwirken, was sonst, wenn der Roken auf dem Schooße gehalten oder an dem Gürtel befestigt ist, nicht so gut von statten geht.

Das Rad läßt sich sehr bequem transportiren, indem man es zusammenlegen kann, nimmt wenig Raum ein, liefert einen schönen Faden in größerer Quantität als die gewöhnlichen Räder, und sieht dabei sehr nett und elegant aus, so daß solches als Möbel, auch ohne in Gebrauch zu seyn, hingestellt oder an die Wand gehängt werden kann. (Schweizerisches Gewerbeblatt, 1841, S. 327, 328.)

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