Titel: Ueber den Voigtländer'schen Apparat zur Erzeugung photographischer Porträte.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1842, Band 83, Nr. XVIII./Miszelle 3 (S. 85–86)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj083/mi083018_3

Ueber den Voigtländer'schen Apparat zur Erzeugung photographischer Porträte.

Ueber den jezt sehr verbreiteten Voigtländer'schen Apparat zur Anfertigung photographischer Porträte hat die Abtheilung für Chemie und Physik des niederösterreichischen Gewerbvereins folgenden Bericht (in dessen Verhandlungen, 3tes Heft, 1841) mitgetheilt.

1) Der Apparat, um den es sich handelt21) hat der Hauptform nach, die Einrichtung desjenigen, den Hr. Daguerre in Paris zur Anfertigung von Lichtbildern nach der von ihm erfundenen, so berühmt gewordenen Methode angab.

2) Die besonderen Eigenthümlichkeiten desselben bestehen in der Anwendung eines aus zwei achromatischen Linsen gebildeten Objectivs für die Camera obscura, und in einer dem Zweke, Porträte lebender Personen zu Stande zu bringen, besonders zusagenden Disposition der ganzen Vorrichtung.

3) Die Idee, eine Combination zweier achromatischer Linsen, statt einer einzelnen, an der photographischen Camera obscura anzubringen, wodurch, der Präcision der Bilder unbeschadet, weit mehr Licht gewonnen wird, als bei den nach Daguerre's Muster construirten Apparaten, und die zur Hervorbringung des nöthigen Eindruks auf die im Hintergrunde der Camera befindliche jodirte Silberfläche erforderliche Zeit so abgekürzt wird, daß ohne Schwierigkeit Porträte ausgeführt werden können; — diese Idee gehört, sammt der Angabe der Abmessungen und Stellung der Bestandtheile der Linsen, ausschließend dem Hrn. Dr. Petzval, Professor der höheren Mathematik an der Universität in Wien; die Ausführung und Anordnung des auf diese Idee gegründeten Apparates aber den Optikern Voigtländer und Sohn.

4) Da weder die theoretischen Betrachtungen des genannten gelehrten Mathematikers, noch die Resultate derselben vorliegen, so kann die Section in keine Würdigung derselben eingehen, auch nicht untersuchen, mit welcher Genauigkeit die Optiker den ihnen gegebenen Vorschriften nachgekommen sind. Die Section hält sich lediglich an den mit dem neuen Apparat erzielten Effect.

5) Die Leistungen des Apparates sind in hohem Grade befriedigend. Die Lichtstärke desselben ist wenigstens zehnmal größer, als bei jedem nach Daguerre ausgeführten Apparate, so daß eine Sizung der abzubildenden Person von einigen Secunden zur Erzeugung eines Porträtes hinreicht. Dabei ist die Schärfe der Zeichnung nicht geringer, als bei Anwendung der besten Daguerre'schen Gläser.

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6) Die Einrichtung des Apparates ist seinem Zweke ganz angemessen. Die Camera obscura erhielt eine compendiöse kegelförmige Fassung aus Messing, und kann auf ihrem soliden, mit kreisförmigen Tragarmen versehenen und durch Stellschrauben zu regulirendeu Gestelle nicht nur die jedesmal erforderliche Lage gegen die zu porträtirende Person erhalten, sondern auch mit größter Leichtigkeit von dem Gestelle abgehoben und wieder aufgelegt werden, ohne an dieser Lage das Mindeste zu ändern, was wegen des Auswechselns des matten Glases, worauf das Bild zuerst hergestellt wird, gegen die jodirte Platte nöthig ist. Diese Platte ist in ihrer Fassung, so wie die matte Glastafel, an die Camera obscura zu schrauben, und kommt daher genau an die rechte Stelle. Die Linsen, welche eine sorgfältige Einstellung erfordern, sind durch ein Triebwerk beweglich. Auf mehrere, seit der Bekanntwerdung des Daguerre'schen Verfahrens in Gebrauch gekommene Verbesserungen ist Rüksicht genommen worden. Der ganze Apparat, dessen Haupttheile in Messing ausgeführt sind, enthält alle zur Vornahme der photographischen Operation nöthigen Stüke und Ingredienzien in größter Vollständigkeit und möglichst bequemer Form, und ist überhaupt mit Präcision und Eleganz gearbeitet.

Auf diese Punkte gründet die Section das Urtheil: die Optiker Voigtländer und Sohn haben sich um die Förderung der Photographie in einer ihrer interessantesten und angenehmsten Anwendungen ein bedeutendes Verdienst erworben, und gerechte Ansprüche auf eine ehrende Anerkennung von Seite des Vereines. Die Section trägt in Folge dieses Urtheils darauf an, den §. 48 der Geschäftsordnung in Anwendung zu bringen, und den Optikern Voiglländer und Sohn zur Belohnung ihrer ausgezeichneten Bestrebung die silberne Vereinsmedaille zuzusprechen, die Beschreibung und Zeichnung des Apparates aber in die Verhandlungen aufzunehmen.

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Man vergl. über denselben polyt. Journal Bd. LXXX. S. 231.

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