Titel: Ueber die Bereitung der Lauge in den Haushaltungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1842, Band 83, Nr. XVIII./Miszelle 6 (S. 87)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj083/mi083018_6

Ueber die Bereitung der Lauge in den Haushaltungen.

Die Lauge zum Waschen oder zum Bleichen roher Leinwand oder zum Seifensieden wird in unseren Haushaltungen aus Holzasche, welche durch Wasser ausgezogen wird, dargestellt. Es ist aber nicht einerlei, wie das Wasser dabei angewandt wird. So wird oft empfohlen, die Asche bloß mit heißem Wasser zu übergießen, damit nur das viel leichter auflösliche kohlensaure Kali und nicht so viel von dem nuzlosen salzsauren und schwefelsauren Kali ausgezogen werden. In gleicher Absicht wird der Gebrauch des kalten Wassers, was diesen Zwek noch mehr erreichen soll, vorgeschrieben. Durch genaue, immer mit gleichen Quantitäten angestellte Versuche wurde gefunden, daß, wenn Asche mit Wasser ausgekocht wird, die Lauge nicht nur überhaupt mehr, sondern auch das meiste kohlensaure Kali aufgelöst enthält. Wurde Asche nur mit heißem Wasser angerührt und selbst erst nach 24 Stunden das Flüssige abgeseiht, so war die Lauge in jeder Beziehung viel schwächer als die vorige; und wurde die Asche auf gleiche Weise mit kaltem Wasser bereitet, so zeigte sich nur geringer Unterschied gegen die leztere. Es ist also klar, daß das Kochen den Vorzug verdient; allein diese Verfahrungsart wird dadurch beschränkt, daß der vorhandene Kessel gewöhnlich aus Kupfer besteht, welcher, wenn das Kochen lange dauert und die Masse im Kessel erkaltet, angegriffen wird. Hier wird das beste und auch vielfach im Gebrauche stehende Verfahren seyn, die Asche, welche zuvor befeuchtet worden, in einen mit grober Leinwand oder mit Stroh ausgelegten Korb, oder auf ein, über die in einer Kufe eingelegte Wäsche oder Leinwand, ausgebreitetes linnenes Tuch einzudrüken, aus dem nahestehenden kupfernen Kessel kochendes Wasser aufzugießen, die durchgeträufelte Lauge wieder abzuziehen, in den Kessel zurük und wieder ins Sieden zu bringen und neuerdings aufzugießen, was noch einigemal wiederholt wird. Hiedurch wird die Asche ebenfalls gut ausgezogen und der Vorwurf des zu großen Verbrauchs von Brennmaterial kann nicht gemacht werden, da die Lauge ohnehin mehrmals auf die zu behandelnden Gegenstände heiß aufgegossen werden muß.

Durch den immer mehr in Gebrauch kommenden Torf wird es auch immer häufiger, daß die Holzasche mit Torfasche gemengt ist. Die Torfasche enthält aber (wie die Steinkohlenasche) gar kein kohlensaures Kali und überhaupt kein Kalisalz. Dieses ist aber nicht der einzige Nachtheil, sonst könnte er durch Anwendung einer größeren Menge von Asche leicht beseitigt werden, sondern die Torfasche wirkt geradezu schädlich, indem sie die Lauge der Holzasche ganz verdirbt. Erstere enthält nämlich viel schwefelsauren Kalk (Gyps), welcher sich auch im Wasser auflöst und durch das aus der Holzasche aufgelöste kohlensaure Kali einerseits in unauflöslichen kohlensauren Kalk und andererseits in nuzloses schwefelsaures Kali zersezt wird. Versuche haben gezeigt, daß ein Theil Torfasche drei Theile gute Holzasche ganz verderben kann, so daß in der aus diesem Gemenge dargestellten Lauge gar kein kohlensaures Kali mehr vorhanden ist, der wirksame Bestandtheil also gänzlich fehlt. (Dr. Leo in Hermann's Kalender für 1842.)

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