Titel: Ueber verfälschtes Leinmehl.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1842, Band 83, Nr. XXXI./Miszelle 3 (S. 163–165)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj083/mi083031_3
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Ueber verfälschtes Leinmehl.

Folgendes ist ein Auszug aus einem von den HHrn. Guibourt und Chevallier der Société de Pharmacie hierüber erstatteten Bericht.

Sieben Versuche über den Oehlgehalt des reinen Leinsamenmehls durch Ausziehen des Oehls mittelst Aethers gaben im Mittel einen Oehlgehalt von 35 Proc. Das reine Leinmehl wird von Jod durchaus nicht gefärbt. Das specifische Gewicht desselben zu dem der Kleie, mit welcher es verfälscht zu werden pflegt, verhält sich wie 470 zu 170. Ein Gemenge derselben ist demnach von geringerm spec. Gewicht als das reine Leinmehl; gleichwohl übertrifft dieses Gewicht die mittlere Dichtigkeit der beiden Substanzen, wie man dieß nebst den Jod-Reactionen aus folgender Tabelle ersieht.

Gemenge von Kleie und Leinmehl.

Benennung. D. Gewicht nach D. Volum nach Berechnete Dichtigkeit Gefundene Dichtigkeit Järbung durch Jod.
Leinmehl
Kleie
1
1
1
2,76
250 230 Veilchenblau.
Leinmehl
Kleie
2
1
2
2,76
298 372 Graublau.
Leinmehl
Kleie
3
1
3
2,76
326 400 Veilchengrau.
Leinmehl
Kleie
4
1
4
2,76
348 406 Grünlichgrau.
Leinmehl
Kleie
9
1
8
2,76
400 420 Hellgrünlichgrau.
Reines leinmehl 480 Gelb.

Folgende Tabelle zeigt, daß sechs im Handel bezogene Leinmehl-Proben sämmtlich verfälscht waren.

Benennung der Mehle. Dichtigkeit. Järbung durch Jod. Menge des erhaltenen Oehls.
Wirklich reines Mehl 470 Gelb 35
Angebl. Reines Mehl
Mehl Nr. 1
Mehl Nr. 2
Mehl Nr. 3
Mehl Nr. 3 bis
Mehl Nr. 3, erwärmt.
aus
dem
Handel.
470
440
455
445
465
430
405
Veilchengrau
Mohrenfarbe
Schwarzgrau
Dunkelschwarzgrau
eben so
Schwarz
35
26
22,8
21,2
20
18
13

Es geht hieraus hervor, daß das als rein verkaufte Leinmehl ebenfalls nicht rein ist. Die lezte Sorte enthält weniger als 40 Proc. wirkliches Leinmehl und das Uebrige scheint eine stärkmehlartige Substanz zu seyn. Die starke Färbung durch Jod, welche diese Mehle erleiden, ohne an ihrem spec. Gewicht sehr zu verlieren, beweist, daß die Verfälschung nicht mit Kleie geschieht, sondern daß das Mehl von Hülsenfrüchten dazu genommen werden dürfte, über dessen Art nur der Fabrikant Ausschluß geben kann. Endlich scheinen die untersuchten Mehle, |165| namentlich Nr. 1, 2, 3 und 3 bis mit einer gewissen Quantität Curcuma gefärbt zu seyn, indem sie, in Wasser gerührt, eine trübe gelbliche Flüssigkeit geben, welche, indem sie eine gelbe unauflösliche Substanz auf den groben Saz von der Samenhülle niederfallen läßt, ihre gelbe Färbung verliert, eine Erscheinung, die bei dem reinen Leinmehl nicht wahrzunehmen ist. (Journal de Chimie médic. Nov. 1841, S. 600.)

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