Titel: Ueber Anwendbarkeit der Galvanoplastik im Großen für Monumente.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1842, Band 83, Nr. XLVI./Miszelle 4 (S. 247–248)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj083/mi083046_4

Ueber Anwendbarkeit der Galvanoplastik im Großen für Monumente.

Der galvanoplastische Hohlguß, für dessen Vervollkommnung und Anwendung im Großen der Vorstand der königl. Erzgießerei in München, Hr. Stiglmayer, keine Opfer und Kräfte gescheut hat, stellt bei weiterem Fortgange doch jene Vortheile nicht in Aussicht, die man sich anfangs von ihm für die monumentale Plastik versprach. Kleinere Cabinetssculpturen werden sich auf galvanoplastischem Wege stets in einer gewissen Vollendung herstellen lassen, indem bei ihnen die Zufälligkeiten des Gelingens oder Mißlingens, zumal in Bezug auf die gleichmäßige Entwikelung der Metallstructur in minderem Grade vorhanden sind, als bei größeren monumentalen Werken. Für diese gewährte die Galvanoplastik bis jezt nicht die erforderliche Bürgschaft der Festigkeit und Dauer. Der rein wissenschaftlichen Forschung scheint es demnach wiederum vorbehalten bleiben zu müssen, auf dem Grund der bis jezt gewonnenen Resultate die kalte Metallgießerei, wie schon Jacobi seine neue Erfindung nennt, auf eine höhere Stufe künstlerischer Anwendbarkeit und Vollendung zu erheben. Wäre die gleichmäßige Consistenz des galvanoplastischen Products verbürgt, dann dürfte man es unbedenklich wagen, die kolossalen Werke in einer einzigen zusammenhängenden Masse, wie aus Einem Gusse, auf diesem Wege herzustellen und nur die entfernt von dem Hauptkörper sich absondernden Extremitäten würden für sich gegossen und angelöthet werden müssen. Dieß leztere aber ließe sich mit der höchsten Genauigkeit bewerkstelligen, seitdem Richmond seine Löthungslampe (polytechnisches Journal Bd. LXXVII. S. 33) erfunden hat. Dieses Apparats bedient man sich auch in der genannten Erzgießerei mit bestem Erfolg, indem man auf chemischem Wege durch Schwefelsäure und Zink erzeugtes und entzündetes Wasserstoffgas, mittelst stärkerer oder feinerer, vorn mit einer metallenen Mündung versehener Kautschukröhren, auf den Punkt leitet, in welchem zwei Metallstüke zusammengelöthet werden sollen, und es gewährt dieß Verfahren eben dadurch eine größere Sicherheit der Ausführung als die bisher gebräuchlichen Methoden, daß die Kraft des Löthungsfeuers unmittelbar und in engster Begränzung auf einen Punkt concentrirt werden kann. Was übrigens die kleineren Werke der Galvanoplastik betrifft, so finden wir deren in der Münchner Erzgießerei stets zu beliebiger Auswahl aufgestellt. Es sind Gegenstände der verschiedensten Art und Größe, runde Werke und Reliefs, die wiederum theils als bloße galvanoplastische Ueberzüge eines darunter verborgenen festen Kerns, theils als wirkliche Güsse in hohler Form erscheinen. Noch haben aber Werke dieser Art kein Publicum in Deutschland; darum bilden sie auch bei uns keinen Handelsartikel, wie etwa in Frankreich, wo dieser Umstand schon fördernd auf ihren Kunstbetrieb und dessen Vervollkommnung eingewirkt hat.

|248|

Dagegen ist die galvanoplastische Nachbildung und Vervielfältigung gestochener Kupferplatten von entschiedenem Werth und läßt in Hinsicht auf Genauigkeit, Schärfe und Reinheit des nachgebildeten Stichs, nach dem Urtheil der competentesten Richter noch kaum etwas zu wünschen übrig. Die von gut gerathenen galvanoplastischen Gußplatten gewonnenen Abdrüke dürfen als identisch mit dem Original betrachtet werden. Diese Erfindung ist daher von um so größerer Bedeutung, weil sich gestochene Kupferplatten leicht durch den Druk abnüzen und in der Regel nur eine geringe Anzahl guter Abdrüke liefern; und der künstlerische Werth der neuen Erfindung beruht, wie man sieht, offenbar zunächst darauf, daß sie die Möglichkeit darbietet, von werthvollen Stichen eine größere Anzahl guter Abdrüke, und zwar eben deßhalb auch, um einen billigeren Preis zu erhalten, wodurch der Kunst in zweifacher Beziehung ein wesentlicher Dienst geleistet wird. Auch sind galvanoplastische Kupferblätter, wie der kreuztragende Christus nach Crespi von Felsing, galvanoplastisch nachgebildet von Dr. Böttger, bereits im Kunsthandel. (Aug. Ztg.) (Man vergl. Dr. Böttger's Verfvhreen gestochene Kupferplatten galvanoplastisch nachzubilden im polytechnischen Journal Bd. LXXXII. S. 311 und die Abbildung seines Apparats dazu Bd. LXXVIII. S. 57.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: