Titel: Sauvage, über die Explosionen in mehreren Hohöfen des Departements der Ardennen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1842, Band 83, Nr. LXII./Miszelle 1 (S. 339–340)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj083/mi083062_1

Sauvage, über die Explosionen in mehreren Hohöfen des Departements der Ardennen.

Nach einem detaillirten Bericht über die in den Hohöfen des Arrondissement Mezières stattgehabten Explosionen entwikelt Hr. Sauvage seine Ansichten über die Ursachen, welchen diese Unglüksfälle zuzuschreiben sind, wie folgt:

„Ich finde mich zu glauben veranlaßt, daß die Hauptursache dieser Unglüksfälle in der Anwendung gerösteten Holzes liegt. Die Explosionen fanden nur bei unregelmäßigem Gang der Oefen statt und jeder gingen Stürze des Erzes und heftiges Herabfallen der Beschikung voraus. Unter diesen Umständen kann und muß wohl eine große Quantität Brennmaterials, noch ehe es vollkommen verkohlt ist, zu der Zeit im Gestell ankommen, wo die Temperatur gerade am höchsten ist; sogar noch ganz roh kann es dahin gelangen. Hier ist es nun auf einmal einem bedeutenden Hizgrad ausgesezt, zersezt sich rasch und es entwikeln sich in sehr kurzer Zeit große Quantitäten entzündlichen Gases. Dieses Gas kann sich in den leeren Räumen ansammeln, welche sich zwischen den den Ofen füllenden Substanzen bilden und unbestreitbar in dem Augenblik existiren, wo der Gang unregelmäßig ist und die Stürze häufig sind. Es findet sich in geringer Entfernung über der Form, manchmal sogar bei sehr hoher Temperatur vor derselben, und wird zugleich durch das Gewicht der herabfallenden Substanzen comprimirt. Kein Wunder also, daß es sich mit dem Sauerstoff der Luft verbindet, da es sich in einer Zone des Apparats befindet, wo dieser Sauerstoff noch nicht erschöpft ist; daher die Explosion und das Umherwerfen der Substanzen außerhalb des Ofens entweder durch die Gicht oder durch den Tümpelstein, je nachdem der Widerstand größer ist, von der einen oder von der andern Seite.

Diese Erklärung bietet sich zuerst dar; doch kann man nicht läugnen, daß sie mehrere gewichtige Einwürfe zuläßt. Es ist z. B. schwer anzunehmen, daß eine Explosion anders eintreten kann, als durch die frei entstehende Verbrennung. eines schon gebildeten Gemenges von Sauerstoff und brennbarem Gase. Ein solches ist aber in den Oefen, wovon die Rede ist, offenbar nicht vorhanden. Andererseits scheint die Explosion, wenn diese Erklärung richtig ist, augenbliklich eintreten zu müssen, während man im Gegentheil gesehen hat, daß das Auswerfen bei der Gicht mehrere Minuten dauern konnte.

Folgende Betrachtungen erklären die beobachteten Erscheinungen befriedigender. Man nimmt, wie eben geschehen, an, daß das Holz beinahe ganz roh in einem sehr erhizten Raum ankömmt und daß es dazwischen den Wölbungen eingeschlossen wird, welche sich in den Hohöfen häufig bilden, namentlich in solchen, wo schmelzbare Erze in kleinen Körnern angewandt werden. Die Spannung der durch die Destillation des Holzes erzeugten Gase und Dämpfe nimmt allmählich zu und es kömmt ein Augenblik, wo sie groß genug ist, um die Kruste halbflüssiger, halb fester Substanzen, welche ihr im Wege stehen, wie eine Bombe zu zersprengen. Diese Erklärung gibt hinlängliche Rechenschaft von den das Ereigniß begleitenden Umständen; es wird begreiflich, wie das Auswerfen bald durch die Gicht, bald durch den Tümpelstein stattfindet; warum die Explosion nicht plözlich eintritt und wie die successiven Detonationen entstehen.

Was die erhizte Luft betrifft, so kann sie bei diesen Vorgängen nur eine indirecte und völlig untergeordnete Rolle spielen. Ein Heizapparat für die Gebläseluft, welcher nicht regelmäßig wirken und dem in den Ofen eindringenden Wind sehr verschiedene Hizgrade mittheilen würde, müßte selbst in dem Gang große Störungen verursachen, Erzstürze und plözliches Herabfallen unverkohlten Holzes veranlassen, jene Agglomerationen, jene Hüllen von teigigen Substanzen erzeugen und folglich diese Gasentbindungen und Explosionen noch gefährlicher machen.

Im Allgemeinen scheinen die mit Flamme brennenden Brennmaterialien die Hauptursache der erwähnten Unglüksfälle zu seyn, und diese Ansicht wird auch |340| durch die Versuche bestätigt, welche über Schmelzen der Erze mit roher Steinkohle angestellt wurden. Es scheint, daß bei diesen Versuchen häufig Explosionen und ein Auswerfen der Substanzen stattfinden. Man wird sich hiebei erinnern, daß die Anwendung trokenen oder wenig gerösteten Holzes die Erzstürze häufiger machte, was wenigstens ich in den Hüttenwerken des Depart. der Ardennen zu beobachten Gelegenheit hatte. Es ist übrigens einleuchtend, daß alle Umstände, welche Störungen in den Gang des Ofens zu bringen geeignet sind, zur Veranlassung solcher Unglüksfälle beitragen, und so könnte auch die erhizte Gebläseluft, schlecht angewandt, in vielen Fällen wirken.

Die aus dem Vorausgehenden zu ziehende Folgerung ist keineswegs, daß man die Anwendung des Holzes, noch weniger die der erhizten Luft, aufgeben soll; man müßte denn auf alle Fortschritte im Eisenhüttenwesen verzichten; die besten Dinge haben ihre schwache Seite und können Mißbräuche eintreten lassen. Man müßte dann auch die Dampfschifffahrt aufgeben, weil schon einige Dampfkessel explodirten, die Ausbeutung der Steinkohlenlager verbieten, weil das Wasserstoffgas in den Gruben schrekliche Verheerungen anrichtet, sich mit den gewöhnlichen Straßen begnügen, weil ein Eisenbahn-Waggon aus den Schienen trat oder an einen andern rumpelte. Andererseits gehen viele Oefen vortrefflich mit geröstetem Holz und heißer Luft. Was zu thun ist, da die Ursache des Uebels in dem unregelmäßigen Gang der Schmelzvorrichtung liegt, das ist, diesen Gang gleichförmiger und vollkommener zu machen. Wir können übrigens hierüber nur einige allgemeine Andeutungen geben.

Es muß in der Zusammensezung der Beschikungen des Hohofens größere Sorgfalt eintreten, als gewöhnlich stattfindet, es sollen immer dieselbe Quantität gleichförmig zugerichteten Brennmaterials, Erze von gleichem Gehalt und gleicher Schmelzbarkeit und von gleichem Grad der Trokenheit eingetragen werden; das Gebläse muß vollkommen regelmäßig seyn; es soll zu jeder Zeit dieselbe Quantität Windes, unter gleichem Druk und gleicher Temperatur eintreten, und jeder Heizapparat der Gebläseluft, welcher nicht eine gleichmäßige, oder doch beinahe gleichmäßige Temperatur hervorbringt, müßte abgeändert werden. Auch müßte man, wenn man bemerkt, daß das bloß getroknete Holz die Ursache der häufigen Stürze ist, es etwas stärker rösten.“ (Echo du monde savant, 1841, No. 673.)

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