Titel: Ueber Elektricitäts-Entwikelung bei der Fabrication des endlosen Papiers.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1842, Band 83, Nr. LXII./Miszelle 2 (S. 340–341)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj083/mi083062_2

Ueber Elektricitäts-Entwikelung bei der Fabrication des endlosen Papiers.

Bei einer Papiermaschine, welche mit Trokencylindern versehen ist, zeigen sich an dem endlosen Papierbande, so wie dasselbe den Trokenapparat verläßt, sehr deutliche, schon dem bloßen Gefühle, ohne alle Anwendung von Elektroskopen wahrnehmbare Spuren von Elektricität. Es liegt nun wohl ganz nahe, diese Elektricität der Verdunstung des Wassers zuzuschreiben, obwohl es auch dann noch immer sonderbar bliebe, daß das mit der ganzen Oberfläche auf dem metallenen Trokencylinder aufliegende Papierblatt, welches außerdem noch über eine kupferne Leitungswalze geht, nicht alle Elektricität verliert, welche es etwa durch die Verdunstung des Wassers erlangt haben könnte.

Diese Erklärung ist jedoch unrichtig. Bei der Maschine nämlich, an welcher diese Beobachtung angestellt wurde, kann das Papier, nachdem es den Trokenapparat verlassen hat, durch ein Satinoir geleitet werden, welches aus drei vertical übereinander laufenden, in einem besondern Gestelle befindlichen gußeisernen Cylindern besteht, welche entweder bloß mit ihrem eigenen Gewichte übereinander laufen, oder aber auch mittelst Drukschrauben stark zusammengepreßt werden können. Alle drei Cylinder können mittelst Dampf erhizt werden.

Erst wenn man nun das Papierband durch diese Cylinder laufen läßt, tritt die Elektricität auf eine merkwürdige Weise hervor. Augenbliklich entsteht ein starkes Knistern; schon auf eine bedeutende Entfernung äußert sich für das Gesicht das spinnennezartige Gefühl und die Haare sträuben sich empor. Zieht man die Drukschrauben an, so verstärken sich diese Phänomene auffallend und erreichen den höchsten Grad, wenn die Cylinder gewärmt werden. Alsdann geht das Knistern in ein fortdauerndes Rauschen über, und wenn man den Knöchel der Papierfläche nähert, sieht man des Abends, wenn das Satinoir nur nicht von directem Lampenlichte |341| penlichte erleuchtet ist, positiv-elektrische Strahlenbüschel rasch hintereinander auf 6 bis 10 Zoll Entfernung in denselben fahren.

Wird nun das Papier auf das bestimmte Format geschnitten und in Stöße gestellt, so ist beim Auseinandernehmen derselben oft noch nach Stunden die Elektricität mittelst des Gefühls und zuweilen auch durch das Knistern wahrnehmbar; auch haften die Papierblätter auffallend stark aneinander, und schnellen rasch wieder zusammen, wenn sie aufgehoben und wieder ausgelassen werden.

Es erhellt nun eben aus dem Umstande, daß die stärkste Elektricitätsentwiklung erst beim Durchgange des Papiers durch das Satinoir statt hat, daß es keineswegs die Verdünstung des Wassers ist, welche als Ursache derselben betrachtet werden darf, indem sich jene sonst gleich beim Austritt des Papieres aus dem Trokenapparat zeigen, und von dem allenfalls auf das Papier ausgeübten Druke unabhängig seyn müßte; eben so wenig bewirkt Reibung dieses Phänomen, da hier eine solche weder statt hat, noch überhaupt möglich ist.

Ob nun die starke Compression, welcher das Papier unterworfen wird, oder eine andere Ursache die beobachtete Elektricitätsentwiklung hervorbringt, mögen andere entscheiden; mein Zwek war es nur, auf das Phänomen aufmerksam gemacht zu haben, da es mir sowohl an Zeit, als auch an den nöthigen wissenschaftlichen Mitteln zur Anstellung fernerer Versuche gebricht. Daß man hier durch Anbringung eines Conductors mit zwekmäßigen Saugern eine stets thätige und ziemlich wirksame Elektrisirmaschine sich verschaffen und mancherlei Spielereien anbringen könne, versteht sich von selbst.

O. W. v. E.

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