Titel: Luftdichte Fenster und Thüren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1842, Band 83, Nr. LXXVII./Miszelle 1 (S. 420)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj083/mi083077_1

Luftdichte Fenster und Thüren.

Als eine Entdekung der neuesten Zeit ist die sehr interessante Construction der luftdichten Fenster und Thüren zu nennen, die nicht nur den vielseitigen Wünschen nach einem Zimmer, auf das weder Wind noch Wetter sein Spiel auszuüben im Stande ist und dessen Lufttemperatur nach Willkür gehandhabt werden kann, völlig entspricht, sondern auch bei ihrer Anwendung lange nicht den Kostenaufwand erfordert, der schon unzähligen andern Versuchen zur Erlangung desselben Zieles geopfert worden ist. Es ist die Rinde der Korkeiche oder der sogenannte Kork, welcher dabei wegen der ihm eigenthümlichen starken Elasticität und Unzerstörbarkeit durch das Wetter auf folgende Weise in Anwendung gebracht wird. Man hobelt mit einem Fugenhobel das Rahmstük eines jeden Fensterflügels auf allen vier Kanten einen halben Zoll breit und eben so tief aus, so daß auf der innern Seite der Ueberschlag und auf der äußeren ein Streifen Holz von 1/8 bis 1/4 Zoll Stärke stehen bleibt, und legt diese Höhlung mit einem gerade hineinpassenden vierekig geschnittenen Streifen Kork aus, der jedoch sinnreich genug an das Holz befestigt werden muß, so daß also der Fensterflügel seine frühere Form wieder erhält. Auf diese Art erhält man ein luftdichtes Fenster, denn vermöge seiner Elasticität schließt sich der Kork an das Fensterkreuz und Rahmholz des Fensters so dicht an, daß durchaus keine Luft durchzufließen im Stande ist; ja es sizt Kork und Holz so fest aneinander, daß man ein ganzes loses Fenster an einem Flügel, der nur leicht zugemacht, gar nicht mit dem Wirbel befestigt ist, fortziehen kann. Der Kork muß bei dieser seiner Verwendung in seinem natürlichen Zustande bleiben und darf durchaus keinen Anstrich bekommen, denn Wasserfarben würden nicht lange daran haften und Oehl- oder Leimfarben seine Elasticität vermindern. Auch wäre es ganz überflüssig, ihm ein künstliches Ansehen geben zu wollen, da sich sein natürliches zu diesem Behufe, wenn die ganze Arbeit nur recht sauber ausgeführt wird, sehr nett, ja elegant herausstellt.

Dasselbe Verfahren, wie bei den Fenstern, ist bei den Thüren anwendbar, indem der Kork in die Thürbekleidung eingelegt und mit einem Leistenwerk so versehen wird, daß er bei den verschiedenartigen Beschäftigungen der Bewohner gegen Stöße und Schläge gesichert ist. Durch solche Vorrichtung entsteht dann nicht nur eine bedeutende Ersparniß an Brennmaterial im Winter, sondern es liegt darin auch ein wesentlicher Vortheil bei Einrichtung von Krankenzimmern, indem in einem solchen luftdichten Zimmer der oft den Kranken so schädliche Zug ganz vermieden werden kann. Der Erfinder dieser luftdichten Fenster und Thüren ist der Tischlermeister E. F. Schob in Berlin (Kronenstraße Nr. 3), welcher auch ein Patent darauf genommen hat. (Leuchs polyt. Zeitung.)

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