Titel: Ueber sogenannte Selbstentzündungen der Zündhütchen bei Percussionsgewehren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1842, Band 83, Nr. LXXXIX./Miszelle 2 (S. 488)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj083/mi083089_2

Ueber sogenannte Selbstentzündungen der Zündhütchen bei Percussionsgewehren.

Bei den Zündhütchen der Percussionsgewehre kommen hie und da sogenannte Selbstentzündungen vor, die im einzelnen Falle sich oft schwer erklären lassen. Dieß gab Veranlassung zu einer Reihe von Versuchen, welche kürzlich in München von dem königl. bayer. Artilleriehauptmann Zeller angestellt wurden und in dem Kunst- und Gewerbeblatt des polyt. Vereins für Bayern, Januarheft 1842 beschrieben sind. Das Resultat dieser interessanten Versuche theilen wir hier kurz mit.

Zu den Zündhütchen bedient man sich entweder Knallqueksilbers (knallsauren Queksilberoxyds) oder eines Zündsazes, welcher aus chlorsaurem Kali, Schwefel und Kohle oder Schwefelantimon besteht. Im ersteren Falle ist nun nicht in Abrede zu ziehen, daß das Knallqueksilber, wie alle eigentlichen Knallsalze, bei seiner Bereitung, Aufbewahrung, und namentlich bei seinem Gebrauch die größte Vorsicht und Sorgfalt in Anspruch nimmt und bei ihm schon viele nicht beabsichtigte Entzündungen stattfanden. Die Erfahrung lehrt nämlich, hier daß bei feucht gewordenen Hütchen das Knallqueksilber aus der Mischung tritt, sich krystallinisch an den inneren Wänden ablagert und es dann nur der geringsten Veranlassung bedarf, um eine Detonation herbeizuführen. Faßt man diesen Umstand namentlich bei Zündhütchen, die sich schon längere Zeit auf dem Piston befinden, ins Auge, so wird man finden, daß nicht immer Schlag, Stoß oder Reibung die explodirende Zersezung verursachen, sondern daß hohe Wärmegrade und die damit in Verbindung stehende Ausdehnung der metallischen Schloßtheile bei der äußerst großen Empfindlichkeit der Knallsalze eine sogenannte Selbstentzündung zu veranlassen im Stande seyn dürften.

Der Zündsaz mit chlorsaurem Kali besizt dagegen die werthvolle Eigenschaft, daß gewöhnliche und selbst bedeutend hohe Temperaturen, wie auch die übrigen atmosphärischen Verhältnisse keine nachtheilige Veränderung an demselben hervorbringen und daß also jede Bedenklichkeit bezüglich einer Selbstentmischung und Selbstentzündung gänzlich verschwindet. Dieser für den sichern Erfolg beim Gebrauch und bei der Magazinirung der Zündhütchen so wesentliche Vortheil wird selbst bei ungewöhnlich starken Einwirkungen von Feuchtigkeit, ja bei unmittelbarer Berührung mit Wasser nicht geschmälert, indem der Zündsaz unter solchen Umständen nur momentan leidet und durch Troknen, z. B. an der Sonne, seine volle Zündkraft wieder erhält.

Aus diesen Gründen suchte man sich in neueren Zeiten von der Anwendung der Knallsalze zu entfernen und kehrte, namentlich für militärische Zweke, zu dem Zündsaze aus chlorsaurem Kali und Schwefel mit dem Beisaze von Kohle oder Schwefelantimon zurük.

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