Titel: Ueber Auspressen des Brodes mittelst der hydraulischen Presse, um es lange aufbewahren zu können.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1842, Band 83, Nr. LXXXIX./Miszelle 5 (S. 489–490)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj083/mi083089_5

Ueber Auspressen des Brodes mittelst der hydraulischen Presse, um es lange aufbewahren zu können.

Die HHrn. Laignel und Malepeyre machten mit der hydraulischen Presse einige Versuche, welche bekannt zu werden verdienen.

Man hat die hydraulische Presse schon zum Verpaken der Baumwolle und anderer Waaren, zum Heben bedeutender Lasten, zum Zerdrüken großen Widerstand leistenden Baumaterials u. s. f. angewandt. Im spanischen Kriege benüzten sie die Engländer, um das Heu in ein kleineres Volumen zu bringen, wodurch die Armee wohlfeil verproviantirt werden konnte.

Hr. Laignel hat die Anwendung der hydraulischen Presse noch weiter ausgedehnt. Er suchte nämlich (wie den Lesern des Journals aus einer Notiz bereits bekannt ist) frisches Brod so auszupressen und auszutroknen, daß dadurch die Aufbewahrung desselben auf unbestimmte Zeit gesichert wird. Er glaubte mit Recht, daß es zu diesem Zweke hinreiche, es der hydraulischen Presse zu unterwerfen, worauf man es nur mehr gegen Insecten, Staub und Feuchtigkeit zu schüzen habe. In Gesellschaft des Hrn. Malepeyre stellte er Versuche an, welche seine Ansicht zu bestätigen scheinen. Sie brachten frisches Brod zwischen zwei Brettern unter die Presse. Diese Brode, welche im Durchschnitt 3 bis 4 Zoll dik waren, hatten in einigen Minuten nur mehr 5 bis 6½ Linien Dike und wurden ohne alle weitere Veränderung aus der Presse genommen. Aus diesem Versuch gehen folgende Thatsachen hervor.

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1) Das Brod erfährt unter der Presse eine Veränderung der Gestalt und der Dimensionen, wird compacter und dichter; die Kruste bleibt unverändert und nur die Krume erhält ein glasiges Ansehen. 2) Wenn es aus der Presse kommt, ist das Brod etwas feucht, welche Feuchtigkeit aber schnell verdunstet und in ein paar Stunden beinahe ganz verschwindet; in einigen Tagen wird es so troken, so hart und dicht wie ein Stein. 3) In diesem Zustande kann es nicht mehr verderben und widersteht der Feuchtigkeit, der Gährung, dem Schimmel, und ein solches Brod, welches von Hrn. Laignel ein Jahr lang aufbewahrt worden war und dann der Akademie vorgelegt wurde, war nach dem Zeugniß Aller ganz gut conservirt. 4) Das so gepreßte Brod wird nach einiger Zeit so hart, daß man es mit dem Hammer zerschlagen muß. Läßt man es in diesem Zustande in einer Flüssigkeit weichen, so erhält es in nicht sehr langer Zeit sein früheres Volumen und die frühere Farbe wieder. 5) Das so getroknete und wieder aufgeweichte Brod verliert nichts von der Schmakhaftigkeit und dem Geruch des frischen Brodes und nimmt keinen schlechten Geschmak an. Man kann es beinahe überall wie neugebakenes Brod brauchen und der Unterschied ist wirklich unbedeutend.

Wir brauchen nicht zu bemerken, wie nüzlich das so gepreßte Brod zur Verproviantirung der Marine, befestigter Pläze, als Nahrungsmittel für Armeen, für den Transport von Nahrungsmitteln in Natura an Orte wo Theuerung oder Hungersnoth eingetreten ist, für Reisende durch unbewohnte Gegenden etc. zu werden verspricht.

Nach andern Versuchen scheint es, daß man durch dieses Mittel auch die Kartoffeln und meisten Gemüse aufbewahren kann. (Echo du monde savant. 1842, No. 705.)

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