Titel: Sicheres und wohlfeiles Verfahren die Kornmotte zu vertilgen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1842, Band 83, Nr. LXXXIX./Miszelle 6 (S. 490–491)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj083/mi083089_6

Sicheres und wohlfeiles Verfahren die Kornmotte zu vertilgen.

Allen Landwirthen sind die Verheerungen bekannt, welche jenes kleine Insect, die Kornmotte, welches sehr viel Aehnlichkeit mit dem Kornwurm, noch mehr aber mit der Motte (Schabe), diesem eingefleischten Feind der Wolle und des Pelzwerks, hat, unter den Getreidekörnern, im Felde sowohl wie in den Speichern anrichtet. Es ist notorisch, daß die Kornmotte manchmal drei Viertheile der Ernten zerstört und ihre Fortpflanzung ist nicht minder erschrekend als ihre Verheerungen. Zahlreiche Versuche führten Hrn. Dr. Herpin, einen ausgezeichneten Landwirth, auf ein Verfahren, um die Kornmotte auszurotten, welches wir als eines der besten bisher bekannt gewordenen mittheilen zu müssen glauben.

In zwölf bis fünfzehn Departements des mittlern und mittäglichen Frankreichs, wo der Getreidebau der Hauptnahrungszweig ist, wird heutzutage der Weizen und das Korn noch im Felde stehend von Myriaden Motten angefallen, deren Larven die Mehlsubstanz verzehren, so daß sie manchmal ganze Ernten vernichten. Das aus diesem Getreide bereitete Brod enthält verdorbene Ueberreste dieser Insecten, hat einen unangenehmen, im Halse beißenden Geschmak und geht im Wasser unter wie ein Stük Erde. Es entstehen Epidemien dadurch, welche nur sehr schwer wieder zum Verschwinden gebracht werden, so hartnäkig und gefährlich ist die blasenziehende Kraft der Kornmotte, wenn sie einmal Geschwüre im Halse hervorgebracht hat.

Man glaubte anfangs, daß die einmal von der Motte angefallenen Körner nicht mehr keimen können; Hr. Herpin aber fand, daß die mit dem Korn gesäete Motte im Boden sich als Puppe erhält, bedeutender Kälte widersteht und als vollkommenes Insect aus dem Boden kommt; die Schmetterlinge begatten sich sogleich und legen ihre Eier auf die kaum ausgebildeten Aehren und Körner. Hievon einmal überzeugt, wollte Hr. Herpin schen, ob, wie behauptet wird, der Schmetterling der Motte sich vom Lichte anziehen und verbrennen lasse; nach 24 Stunden blieben aber kaum ein Duzend Schmetterlinge am Fuße einer mitten in einer Scheune, deren Garben von dieser Motte befallen waren, aufgestellten Lampe liegen. Hierauf wurde solches Getreide mit Kampher und Terpenthinöhl in Gefäße eingeschlossen; die Schmetterlinge krochen aus wie sonst. So wurde auch vergebens Schwefel verbrannt. Die Wärme scheint noch eines der besten Mittel zu ihrer Vertilgung zu seyn; die Versuche, welche Duhamel in auf 60° erhizten Baköfen anstellte und ähnliche, hatten guten Erfolg; jedoch hat diese Vertilgungsweise |491| ihren Uebelstand, daß nämlich die Austroknung das Volumen des Getreides vermindert, was für den Verkauf desselben ein großer Nachtheil ist.

Nach Hrn. Herpin ist aber die Asphyxie (Erstikung) das sicherste, bequemste und wohlfeilste Mittel zur Vertilgung der Kornmotten. Er bemerkte nämlich, daß die Temperatur der von den Motten befallenen Getreidehaufen 10 bis 20° C. über die der Atmosphäre steigt und daß die Wärme im Innern dieser Haufen zur Zeit der Metamorphose der Insecten auf 50 bis 60° C. kommt. Die so entwikelte thierische Wärme rührt offenbar von der Absorption einer bedeutenden Menge atmosphärischen Sauerstoffs durch die Athmungsorgane der Insecten her; ein tödtliches, unathembares Gas genügt demnach, um nach längerer oder kürzerer Zeit Asphyxie herbeizuführen. Am geeignetsten hiezu scheint die Kohlensäure zu seyn, welche man sich auf sehr wohlfeile Weise überall verschaffen kann, entweder durch den Dampf verbrennender Kohle, oder durch Gährung weiniger Flüssigkeiten, oder endlich durch Aufgießen einer Säure auf Kreide oder Kalksteinstüke.

Hrn. Herpin's Versuche haben ihn zur Erreichung einer radicalen Asphyxie geführt, indem er das von Motten befallene Getreide in hölzernen Silos, in großen Tonnen oder auch gewöhnlichen Fässern einschließt und aufhäuft, welche vollkommen damit angefüllt, hermetisch verschlossen werden und in deren Innerm man vorher einige glühende Kohlen verbrennen ließ, welche das Sauerstoffgas der in diesen Gefäßen enthaltenen Luft absorbiren und Kohlensäure darin bilden.

Dieses Mittel ist sicher; das aus diesen Gefäßen genommene Getreide liefert gutes Brod und ist vor den verheerenden Thieren aller Art gesichert. Auch hinsichtlich der Kosten ist es sehr vortheilhaft, denn eine Kubikklafter große Tonne faßt mehr als 60 Hektoliter und kostet per Hektoliter nur 1 Fr. 50 Cent.; die Tonnen halten in den Kellern über 50 Jahre aus und bedürfen beinahe keiner Reparatur.

Das Einsammeln des Getreides vor der völligen Reife und das unmittelbare Aufhäufen desselben in den Scheunen wäre ebenfalls ein vor den Verheerungen der Kornmotte schüzendes Mittel, denn zu dieser Zeit entwikelt die Pflanze viel Kohlensäure, welche die Larven des Insectes, sobald sie aus dem Ei kommen, erstikt und tödtet. (Echo du monde savant. Decbr. 1841, Nr. 690.)

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