Titel: Ueber die Behandlung des Pferdemists zur Gewinnung eines kräftigen Düngers.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1842, Band 83, Nr. LXXXIX./Miszelle 7 (S. 491–492)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj083/mi083089_7

Ueber die Behandlung des Pferdemists zur Gewinnung eines kräftigen Düngers.

Die Behandlung des Düngers ist in Frankreich und sogar im Elsaß, wo die Landwirthschaft doch in sehr gutem Zustande ist, ziemlich zurük. Seit langer Zeit schon benüzt man in der Schweiz den Harn der Viehställe, wäscht den Mist aus und sammelt das Wasser in Gruben an, worin nach der Gährung das Ammoniak mit Eisenvitriol, Gyps oder mit Schwefelsäure gesättigt und so in schwefelsaures Ammoniak umgewandelt wird. Dieses Wasser, auf Wiesen und Felder ausgebreitet, bewirkt eine kräftige Vegetation, die vorzüglich dem schwefelsauren Ammoniak zuzuschreiben ist, welches sich nicht, wie das kohlensaure Ammoniak, durch die intensive Wärme der Sonnenstrahlen verflüchtigt. Der Mist enthält, wie der Harn, Ammoniak, welches erhalten werden muß, bei den gewöhnlichen Verfahrungsweisen aber größtentheils verloren geht. Der Pferdemist wird als viel geringer angenommen als der Mist des Hornviehes; allein dieß scheint nur von seiner Behandlungsweise abzuhängen, welche in Elsaß und Lothringen und in Frankreich überhaupt darin besteht, ihn in Gruben aufzuhäufen, worin er manchmal unter Wasser gesezt wird, größtentheils aber ihn troken, etwa 3 Fuß hoch, aufzuhäufen, ohne ihn hinlänglich zu befeuchten. Das Vorurtheil, daß der Pferdemist sich nur durch Um- und Untereinanderrühren gut macht, ist Schuld, daß dieß gewöhnlich ein- oder zweimal geschieht. Der Mist, welcher im Wasser eingeweicht ist, fault nicht und das Stroh zersezt sich nicht. Der leicht aufgehäufte und nicht hinlänglich befeuchtete Mist erhizt sich dagegen so, daß er oft schimmelt; das Ammoniak, welches er entwikelt, verflüchtigt sich und der wirksamste Theil des Düngers geht dadurch verloren. Man erhält so einen leichten, wenig gehaltvollen Dünger, dessen Wirkung tief unter jener des Kuh- und Ochsendüngers steht, der von Natur feucht und fett und wenig zur Erhizung geneigt ist.

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Ich habe zu jeder Zeit den Pferdemist auf eine der allgemein gebräuchlichen gerade entgegengesezte Weise mit sehr gutem Erfolge behandelt. Seit 14 Jahren, wo ich die Bergwerks- und chemische Producten-Anstalten zu Buxwiller leite, hatte ich, obwohl ich mich mit dem Akerbau nur zur Benüzung meiner hiesigen, größtentheils aus Wiesen bestehenden Besizungen abgebe, doch Gelegenheit, die Versuche über die Behandlung des Pferdemists im Großen zu wiederholen. In den Jahren 1831 bis 1834 stand mir, und seit dem vorigen Jahre steht mir wieder der Mist von 200 in Buxwiller cantonnirten Artillerie-Pferden zu Gebote, die in einem einzigen Gebäude stehen, hinter welchem ich ein Grundstük besize, auf dem ich eine Mistgrube von 400 Quadratmetern Fläche angelegt habe, die in zwei Theile von je 200 Metern abgetheilt ist. Diese Grube bildet eine geneigte Ebene, welche sich gegen vorne und rechts und links erhebt, so daß das davon abfließende Wasser sich in der Mitte vereinigt, wo sich ein Reservoir mit einer Pumpe befindet, mit welcher das abfließende Wasser nach Belieben wieder auf den Mist gebracht werden kann. Das nöthige Wasser verschaffe ich mir durch einen neben der Mistgrube befindlichen Pumpbrunnen. Auf diese Weise erhalte ich ohne viel Kosten die für den Pferdemist erforderliche große Menge Wasser und verliere keinen Tropfen des gesättigten Wassers, welches am Ende von dem Miste, wenn man ihn herausnimmt, ganz absorbirt ist, falls man es nicht vorzieht, dieses Wasser direct anzuwenden und noch mehr davon zu erzeugen, indem man größere Quantitäten Wasser auf den Mist schüttet.

Die beiden Abtheilungen werden wechselsweise mit dem Miste belegt, so wie er aus den Ställen kommt. Dieser Mist wird 6 bis 12 Fuß hoch über die ganze Fläche des Viereks aufgehäuft, von den Leuten, die ihn dahin bringen und ausbreiten, mit den Füßen eingestampft, und mittelst der Pumpen reichlich bewässert. Ich erziele auf diese Weise die gehörige Aufhäufung und hinreichende Befeuchtung, welche beide Bedingungen ich für nöthig erachte zur Bekämpfung der dem Pferdemist eigenen heftigen Gährung, durch welche seine kräftigsten Theile verloren gehen, indem sie sich verflüchtigen. Dem gesättigten Wasser seze ich aufgelösten Eisenvitriol oder Gypspulver zu, welche ich auf den Mist ausbreite, um das sich entwikelnde Ammoniak, welches sich bei etwas höherer Temperatur leicht verflüchtigt, in schwefelsaures Ammoniak umzuwandeln. Auf diese einfache und nicht kostspielige Weise erhalte ich in zwei bis drei Monaten einen vollkommen fertigen und eben so fetten und teigigen Dünger, wie der von Kühen und Ochsen ist; dieser Dünger hat sich auch durch die merkwürdige Production auf meinen Feldern und Wiesen seit einer Reihe von Jahren als sehr kräftig erwiesen.

Der in Haufen gebrachte Pferdemist consumirt eine bedeutende Menge Wasser, was leicht zu erklären ist durch die Wärme, welche er entwikelt, die eine beständige Verdampfung verursacht. Ich bin überzeugt, daß man die Wichtigkeit dieser Verdampfung nicht genug beherzigt und daß der Pferdemist bei den meisten Landwirthen nur den geringsten Theil des erforderlichen Wassers erhält.

Das Urinwasser, dessen Ammoniak gesättigt und in schwefelsaures Salz umgewandelt wurde, bringt, auf Wiesen ausgebreitet, eine kräftige, von der daneben befindlichen sich wohl unterscheidende Vegetation hervor. Ein durch das Begießen einer Wiese geschriebener Name oder eine Figur sind an ihrem Wachsthum sehr leicht zu erkennen, so wie man bekanntlich (nach einem zuerst von Franklin angestellten Versuche) solche aus Gypspulver beim Kleebau gebildete Figuren erkennen kann.

Ich glaube keineswegs hiemit eine Entdekung gemacht zu haben, denn das Verfahren, den Harn und die Mistgrubenjauche zu sättigen und diese Flüssigkeit bei feuchter Witterung im Frühjahr sowohl als nach den auf einander folgenden Schnitten auf den Wiesen auszubreiten, ist in der Schweiz etwas Altes. Ich wollte mir nur die Wirkung des schwefelsauren Eisens aus den gefaulten Harn und in Folge hievon dessen kräftigen Einfluß auf das Wachsthum zu erklären suchen, und fand die Ursache in der mehrerwähnten chemischen Veränderung. Schattemann. (Echo du monde savant 1842, No. 701.)

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