Titel: Ueber die Ursachen der Dampfkessel-Explosionen, von Jobard.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1842, Band 84, Nr. XXVI./Miszelle 3 (S. 158)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj084/mi084026_3

Ueber die Ursachen der Dampfkessel-Explosionen, von Jobard.

Wenn die Wasserhöhe im Dampfkessel sinkt und einige Stellen seiner Wände der directen Einwirkung des Feuers ausgesezt läßt, so erhizen sich diese Stellen bis zum Rothglühen; der Wasserdampf zersezt sich in Berührung mit dem glühenden Eisen und bildet Wasserstoffgas, während sich der Sauerstoff mit dem Eisen verbindet; um jenes Gas explodirbar zu machen, ist eine große Menge atmospärischer Luft nöthig, welche sich nicht im Kessel vorfindet. Nun kann aber die Speisungspumpe leicht in solchen Umständen seyn, daß jeder Kolbenstoß eine Portion Luft in den Kessel treibt; diese Luft streicht durch das in ihm noch enthaltene Wasser und sammelt sich über der Oeffnung der Eintreibröhre, ohne sich unmittelbar mit dem Gas, welches fortwährend an den rothglühenden Wänden des Kessels erzeugt wird, zu vermischen; sobald man aber die Maschine in Gang sezt, also den Dampfhahn ganz öffnet, entsteht immer ein stürmisches Aufwallen in dem Wasser, welches gegen die offene Ausmündung geschleudert wird und dann ist auch das explodirende Gemisch von Luft und Gas bewirkt. Sobald nun dieses detonirende Gemisch mit den glühenden Wänden des Kessels in Berührung kommt, entzündet es sich und die Explosion erfolgt.

Man kann die Entzündung des detonirenden Gemisches auch noch auf eine andere Weise erklären: nämlich durch den elektrischen Funken, welcher jedesmal entsteht, wenn der Dampf sich zwischen den Rändern eines Ventils gewissermaßen plättet; hebt man lezteres in einem solchen Augenblik, so ist der durch die Reibung des Dampfes oder Gases erzeugte Funken offenbar hinreichend, um das Gasgemisch im Innern des Kessels zu entzünden.

Um Explosionen bei Dampfkesseln zu vermeiden, brauchte man nach der Ansicht des Verfassers das Speisungswasser nur in einem offenen Behälter unter den Augen des Heizers zu haben und dürfte sich nie einer Pumpe bedienen, welche das Wasser direct aus einem Brunnen oder niedrigeren Behälter nimmt, um es ohne Zwischenbehälter in den Kessel zu treiben. Auf die regelmäßige Speisung der Dampfkessel hat man also ganz besonders zu sehen. Hr. Jobard glaubt, daß die Sicherheitsventile, die schmelzbaren Scheiben und offenen Manometer niemals ein Schuzmittel gegen die zerstörenden Dampfkessel-Explosionen waren und seyn können. (Comptes rendus, Jan. 1842.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: