Dieses Projekt wird gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und präsentiert von der Sächsischen Landesbibliothek — Staats- und Universitätsbibliothek Dresden und der Humboldt-Universität zu Berlin.
LXIX. Ueber das Bude-Licht; von Dr. Andr. Ure.Aus dem London Journal of arts. Mai 1842, S. 292.Aus dem Berichte eines Comité's des engl. Unterhauses ist ersichtlich, daß dieses Licht nach Bude in Cornwall, dem Wohnort des Erfinders, Hrn. Gurney, so benannt wird, und daß dieser Name ihm gegeben wurde, um es vom Licht des glühenden Kalks zu unterscheiden, |284| Das Bude-Licht bestand ursprünglich aus einer Argand'schen Oehlflamme, über deren innere Oberfläche ein Sauerstoffstrom sich ergoß, welcher eine sehr lebhafte Beleuchtung hervorbrachte. Doch fand man, nachdem das Unterhaus eine Zeit lang damit beleuchtet worden war, daß so mit Lebensluft gespeiste Oehllampen kostspielig und schwer zu reguliren sind. – Hr. Gurney versuchte hierauf die Beleuchtung mit naphthalisirtem Steinkohlengas in Argand'schen Brennern, welchen ebenfalls Sauerstoff zugeführt wurde; obwohl dieß ein hinreichend starkes Licht gab, so fand er doch für den Fortgebrauch desselben ein großes Hinderniß im Absaz flüssiger Naphtha (Steinöhls) in den Vertheilungsröhren. Er erdachte nun ein Verfahren, um aus gewöhnlichem Steinkohlengas, welches er in einem einfachen Apparat von seiner eigenen Erfindung reinigt und mit Oxygen aus der Atmosphäre verbrennt, ein Licht zu erzeugen, welches jedem Zwek innerer und äußerer Beleuchtung angemessen ist und jezt im Unterhause mit bestem Erfolg und mit nur 12 Schilling Kosten per Nacht angewandt wird, während die kurz vorher angewandte Beleuchtung mit Kerzen jede Nacht 6 Pfd. St. und 11 Sch. kostete (man vergl. die Patentbeschreibung im polyt. Journal Bd. LXXXIV. S. 269.) Dieses neue Bude-Licht besizt folgende Vorzüge vor allen anderen bisher bekannten Arten künstlicher Beleuchtung: 1) gibt es so viel Licht wie die besten Argand'schen Gasflammen bei dem halben Gasverbrauch. Eine gewöhnliche Argand'sche Gasflamme gab ein Licht wie 10 (zu solchen Versuchen früher schon von mir angewandte) Normalkerzen (3 auf das Pfund) und ein Bude-Brenner, Nr. 10 genannt, gab ein Licht = 94,7 Kerzen; also hat die Bude-Flamme beinahe eine 10mal so starke Leuchtkraft wie die Argand'sche Gasflamme, während sie, wie mittelst eines genauen Gasmessers gefunden wurde, nur 4,4 mal so viel Gas verzehrt als leztere, woraus erhellt, daß die Kosten des Bude-Lichts mehr als die Hälfte geringer sind; und dieses Ersparniß nimmt mit der Größe des Lichts noch zu. – Die Quelle dieser außerordentlichen Verschiedenheit findet man durch Vergleichung der beiden Flammen; die Basis der Argand'schen Gasflamme nämlich ist 14/16 Zoll hoch blau; das Gas verbrennt in diesem Raume mit intensiver Hize, aber mit keinem oder nur sehr wenig Licht; dagegen ist die Basis der Bude-Flamme 3/16 Zoll vom Metall entfernt schon blendend weiß; es gehen also 11/16 eines Zolls von der Argand'schen Flamme lästige Hize, aber kein Licht gebend, verloren. 2) Aus den eben erwähnten Erscheinungen, so wie auch aus |285| 3) Das Bude-Licht vereinfacht die Apparate zur künstlichen Beleuchtung sehr, weil es in einer Flamme so viel Licht concentrirt, als ein Luster (midday Lustre) in einem großen Zimmer verbreitet; dasselbe kann durch Schirme von beliebigen Farben gemildert und durch Spiegel in allen Richtungen reflectirt werden. 4) Aus dieser Eigenschaft geht auch sein Werth als Ventilator hervor, weil die Röhre, welche das verbrannte Gas hinwegleitet, auch zum Abziehen der Ausdünstungen eines überfüllten Zimmers dient. Durch diese Thatsachen bin ich überzeugt, daß Gurney's neues Bude-Licht eine sehr verdienstvolle Erfindung ist; auch treffen dasselbe nicht die Vorwürfe, welche gegen das wasserstoffreiche Gas der Londoner Gasgesellschaften für den Gebrauch in Wohnhäusern geltend gemacht wurden, namentlich daß die Hize desselben zu groß sey im Verhältniß zu seinem Licht – ein Uebelstand, der bei den kohlenstoffreichern Gasen zu Edinburgh und Glasgow nicht stattfindet. Daß dieselbe Menge Steinkohlengas nach Gurney's Verfahren doppelt so stark beleuchten soll, möchte vielen eine paradoxe, wenn nicht gar zu bezweifelnde, Behauptung scheinen. Ich bin aber vollkommen davon überzeugt und glaube die Thatsache folgendermaßen erklären zu können. Das Licht ist in der Regel der Intensität des Glühens proportional, was die Wirkung der Oxyhydrogengas-Flamme auf ein Stükchen Kalk oder Thon beweist. Nach demselben Gesez bringen die Flammen zweier Kerzen, wenn sie in genaue Berührung gebracht werden, ein zusammengeseztes Licht hervor, welches bedeutend stärker ist als die Summe der beiden einzelnen. Nun liefert aber Gurney's Brenner eine so zusammengesezte Flamme. Er besteht nämlich aus zwei oder mehr concentrischen Löcherkreisen und folglich aus zwei oder mehreren concentrischen Flammencylindern, welche wechselseitig ihre Temperaturen erhöhen, gerade wie in Fresnel's polycyklischen Argand'schen Oehllampen, deren man sich in den französischen Leuchtthürmen bedient. Außer der vermehrten Intensität des Glühens muß auch noch die besondere Art, wie das Kohlenwasserstoffgas verbrannt wird, es mag aus Steinkohlen in Retorten oder aus Oehl in den Lampen erzeugt seyn, in Betracht gezogen werden. Das lebhafte Weiß seiner Flamme rührt von der Absonderung seines Kohlenstoffs in festen Theilchen und von dem darauffolgenden Glühen derselben her. Reines Wasserstoffgas gibt beim Verbrennen nur ein sehr schwaches Licht; und |286| |
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