Titel: Girardin und Preisser, über die Reinigung des Fischthrans.
Autor: Girardin, Jean
Preisser,
Fundstelle: 1842, Band 85, Nr. CIX. (S. 455–456)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj085/ar085109

CIX. Ueber die Reinigung des Fischthrans; von Girardin und Preisser.

Aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement. Jul. 1842, S. 296.

Die HHrn. Girardin und Preisser untersuchten die bisher angegebenen Verfahrungsweisen, den Fischthran zu reinigen, zu klären und von seinem unangenehmen Geruch zu befreien. Sie fanden, daß weder jene, welche Hr. Davidson in Edinburgh angegeben51), noch die übrigen in verschiedenen Journalen zerstreuten ihrem Zwek vollkommen entsprechen und die meisten gar nicht. Sie bemerkten, daß wenn man den Thran filtrirt und mit Chloralkalien oder mit Kalk, Kreide oder Thierkohle behandelt und dann 30 bis 40 Tage sich selbst überläßt, derselbe nach und nach eine weißliche, organische wie das Margarin in Wasser und Aether lösliche Substanz absezt; während dieß geschieht, entfärbt sich der Thran immer mehr. Wenn man vorher mit Chlorkalk behandelten und dann mehrmals durch Thierkohle filtrirten Thran der Sonne aussezt, so erhält man einen im Aussehen gutem Olivenöhl ähnlichen Thran. Der Geruch wird immer schwächer, verschwindet jedoch nie völlig. Sogar das bloße Aussezen der Sonne mehrere Monate hindurch bewirkt einen bedeutenden Absaz im Thran, die Klärung und merkbare Desinfection desselben.

Bringt man Wallfischthran mit Aezlauge in sehr kleinen Portionen und ohne Wärme zusammen, so wird er sogleich entfärbt; die Masse theilt sich in zwei Schichten; die obere, beinahe farblose, ist sehr flüssiges, klares Oehl, riecht jedoch noch immer; die untere, unbedeutende Schicht ist ein Gemenge der alkalischen Lösung, die sehr stark braun gefärbt ist und aller dem Margarin ähnlichen festen Bestandtheile des Wallfischthrans. Das abgegossene Oehl bedarf sonst weiter keiner reinigenden Behandlung und ist, abgesehen von seinem immer noch sehr hervortretenden Geruch, zu allen technischen Zweken anwendbar.

Aus diesen Versuchen geht also hervor, daß man noch keinwirksames Mittel kennt, um dem Thran seinen starken, unangenehmen Geruch zu benehmen; daß man aber durch obige Mittel denselben klar, weniger gefärbt und etwas weniger widerlich riechend erhalten kann. – Der (in Frankreich) als gereinigt verkaufte Thran (huile de poisson desinfectée) ist eine Mischung von animalischem |456| und Samenöhl, von welchen lezteres wenigstens die Hälfte oder das Drittheil ausmacht; es ist dieß noch das beste Mittel, um den Wallfischthran zum Beleuchten anwendbar zu machen; es müßte aber dann das Brennöhl wohlfeiler werden, sonst wäre es ein Betrug, indem zwischen den Preisen der Samenöhle und des Thranes ein großer Unterschied ist. Ein sehr gutes Mittel, die Verfälschung des Kohlsaat- und des Rüböhls mit dem Wallfischthran zu erkennen, ist die Anwendung des Chlorgases. Wenn ein Pflanzenöhl nur ein wenig thierisches Oehl enthält, wird es durch einen Strom dieses Gases braun gefärbt, während das Gas ohne Wirkung auf dasselbe ist, wenn es rein ist. – Die Reinigung des Thrans ist ein in Frankreich um so wichtigerer Gegenstand, als die Einfuhr desselben seit 12 Jahren immer zunimmt. Es wurden nämlich im Jahre 1827 nur 3,000,000 Kilogr. ungefähr, größtentheils von den Inseln St. Pierre und Miquelon, eingeführt, während im J. 1839 die Einfuhr 9,201,213 Kilogr. betrug, was einen Werth von 5,520,728 Fr. ausmacht.

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Polyt. Journal Bd. LXXVII. S. 66.

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