Titel: Verordnungen hinsichtlich der Eisenbahnfahrten in Frankreich.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1842, Band 85, Nr. XXXVIII./Miszelle 2 (S. 156–157)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj085/mi085038_2

Verordnungen hinsichtlich der Eisenbahnfahrten in Frankreich.

Der französische Minister der öffentlichen Arbeiten hat in Folge des unglüklichen Ereignisses auf der Versailler Eisenbahn provisorisch folgende Verfügungen erlassen:

1) Die Anwendung vierräderiger Locomotiven für den Personentransport ist verboten.

2) An die Spize der Züge vor die Locomotiven darf kein vierräderiger Tender oder überhaupt vierräderiger Wagen gestellt werden.

3) Die Locomotiven müssen sich immer an der Spize des Zugs befinden und nie hinter demselben.

Von dieser Verordnung darf nur in dem Falle abgewichen werden, wenn man die Richtung der Züge an den Stationen ändert oder wenn ein Zug durch Zufall aufgehalten ist und es nöthig wird, ihm von Hinten Vorschub zu leisten; in lezterem Falle darf jedoch die Geschwindigkeit des Zugs 22 Kilom. per Stunde nie überschreiten.

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Es ist ferner durchaus verboten, einen Zug zwischen zwei Locomotiven einzuschließen, so daß sich eine vor und die andere hinter ihm befindet.

4) Bis eine bessere Methode ausgemittelt ist, um die nachtheiligen Wirkungen der Stöße und Collisionen zu vermindern, soll ein Waggon ohne Passagiere an die Spize jedes aus höchstens fünf Wagen bestehenden Zugs gestellt werden, und es müssen zwei solche Waggons vorangestellt werden, wenn der Zug aus mehr als fünf Wagen besteht.

5) Die Personenwagen dürfen niemals gesperrt werden, so daß man sie nur von Außen mit Schlüsseln offnen könnte.

6) Die Eisenbahngesellschaften haben Bücher zu halten, worin von jeder Wagenachse, es mag eine gerade oder gekrümmte seyn, deren Beschaffenheit und wie lange sie benuzt wurde, aufgeschrieben wird.

7) Eine besondere Verordnung wird den Zwischenraum, in welchem zwei Züge aufeinander folgen dürfen, bestimmen.

8) Bei der Rükfahrt (bergab) von Versailles nach Paris darf auf keiner der beiden Eisenbahnen die Geschwindigkeit 39 Kilometer per Stunde überschreiten.

Der Minister hat überdieß eine Commission zur Untersuchung der Fragen ernannt:

1) Ob es bei der Fahrt von Versailles nach Paris und überhaupt bei einem starken Gefäll der Bahn nicht rathsam ist, die Anwendung von mehr als einer Locomotive zu verbieten; und falls dieß als unnöthig befunden würde, welche Verordnungen bei zwei Locomotiven zu ertheilen sind.

2) Wie man am besten verhindern kann, daß brennende und brennbare Substanzen durch die Locomotiven auf die anderen Wagen gelangen.

Endlich hat der Minister eine besondere Commission beauftragt Versuche anzustellen:

1) Ueber die Anfertigung möglichst vollkommener Locomotiven-Achsen und darüber, wie lange dieselben in Gebrauch bleiben dürfen.

2) Ueber die verschiedenen Mittel, welche angewandt werden können, um die nachtheiligen Wirkungen von Collisionen aus Eisenbahnen zu vermindern.

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