Titel: Neue Mahlgänge.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1842, Band 85, Nr. XXXVIII./Miszelle 3 (S. 157–158)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj085/mi085038_3

Neue Mahlgänge.

In Berg bei Stuttgart ist nun der Bau der neuen Getreidemühle vollendet, welchen das königl. Finanzministerium daselbst einrichten ließ, und interessant ist es, in einem so kleinen Local vier neue Mahlgänge probweise ausgestellt zu finden.

Der Mahlgang Nr. 1 mit doppeltem Läufer wurde in Folge höchster Bestimmung von dem Hrn. Major v. Brecht erbaut, wozu derselbe in Berg eine eigene Werkstätte einrichtete, und der Mahlgang dient zur Probe, was dessen erfundene, ihm patentirte Verbesserungen zu leisten vermögen, welche sich bereits bei den ersten Versuchen vorzüglich bewährten. Ueberraschend ist die schöne einfache Mechanik, wodurch der untere, bisher liegen gebliebene Mühlstein in entgegengesezter Richtung mit dem oberen Mühlstein in Bewegung gesezt wird. Nur ein Rad ist hiebei weiter angebracht, um diesen Zwek hervorzubringen.

Mit diesem neuen Mahlprincip ist auch der Vortheil vereint, daß die Mühlsteine, mit Beibehaltung des Gegeneinanderlaufens derselben excentrisch gestellt werden können, wodurch die Erfindung der excentrischen Mahlgänge, wo der untere Mühlstein den oberen mitnimmt, somit beide Mühlsteine nach ein und derselben Richtung sich umdrehen, eine wesentliche Verbesserung erhalten dürfte. Als sehr zwekmäßig bewahrt sich auch die Verbesserung, daß das Mehl an jenen Theilen der Mühlsteine, wo es aus der Mahlung hinaus geht, mittelst Einwirkung des Windes in den Beutel kommt (was zur Dauerhaftigkeit eines troken gemahlenen Mehls wesentlich beitragen soll), woselbst es auch auf eine neue Art durch ein vertical schwingendes Beutelwerk mir Doppelschlag gebeutelt wird. Das Reguliren der Mühlsteine geschieht auf eine äußerst sinnreiche Art. Das Abheben des Mühlsteins, was bisher so mühevoll geschah, wird durch eine sehr zwekmäßige neue Vorrichtung bewirkt, indem der obere Mühlstein in das zweite Stokwerk gehoben wird, woselbst er sich auf eine leichte Art umdreht, um das Schärfen der Mühlsteine vornehmen zu können, welches Abheben des Mühlsteins nöthigenfalls nur durch einen Mann bewirkt werden kann. Durch diese Vorrichtung |158| wird auch die Mühlsteinsarge abgehoben. Desselben Erfindung, wo feststehende Kammen in sich um ihre Achse drehende Triebstöke eingreifen, deßgleichen die verminderte Friction an den Zapfen der Wellen und deren Lager bewährten sich vorzüglich, und die ganze Structur dieses Mahlganges ist solid ausgeführt.

Der Mahlgang Nr. 2 und zwei Walzenmahlgänge wurden von dem Hrn. Kreisbaurath v. Grundler erbaut, und zwar Nr. 2 mit der Verbesserung, daß der Bodenstein auf einen eisernen Träger zu liegen kommt, wo ihm jede erforderliche Richtung durch Stellschrauben gegeben werden kann etc. Die Walzenmahlgänge zeichnen sich durch ihre niedliche Form und schöne Arbeit aus; jeder dieser Mahlgänge hat drei Paar eiserne, theils cannelirte, theils glatte Walzen, wo die eine jedes Paars der Walzen eine nur halb so schnelle Umdrehung hat als die zweite zu ihr gehörende, wodurch diese Art von Mühlen eine bedeutende Verbesserung erhalten dürfte. (Riecke's Wochenblatt.)

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