Titel: Chuard's Gasoskop.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1842, Band 85, Nr. XXXVIII./Miszelle 4 (S. 158–159)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj085/mi085038_4

Chuard's Gasoskop.

Hr. Chuard übergab der Société philomatique in Paris sein Gasoskop, einen Apparat zur Verhütung der Explosionen des Einfachkohlenwasserstoff-Gases (der sogenannten Schwaden), so wie der Explosionen und Asphyxie in Folge ausgetretenen Leuchtgases (Doppeltkohlenwasserstoffs) in Zimmern und öffentlichen Gebäuden. Dieser Apparat beruht auf dem Princip des Aräometers, nimmt wenig Raum ein und wird im oberen Theile des Zimmers, wo man sich desselben als Indicator bedienen will, angebracht.

Die Dichtigkeit der atmosphärischen Luft, als Einheit angenommen, ist bekanntlich das specifische Gewicht des Doppeltkohlenwasserstoffs 0,67. Wenn der Apparat demnach in der atmosphärischen Luft im Gleichgewicht ist, so wird dieses gestört werden, sobald sich das Gas in der Wohnung verbreitet. – Das Gasoskop besteht aus einer Luftkugel von sehr dünnem Glase, welche mittelst eines verticalen Stabes von einem Aräometer getragen wird. Das Ganze hält sich im Gleichgewicht in einem Gefäße mit destillirtem Wasser, welches leztere um seine Verdunstung zu verhindern, mit einer Schicht Oleins bedekt ist. Man sieht leicht ein, daß dieses Gleichgewicht durch eine und dieselbe Kraft, die der Schwere erhalten wird. Um aber die unmittelbare Wirkung dieser Kraft einleuchtender zu machen, wollen wir sie in zwei andere zerlegen. Die eine bezieht sich auf das Aräometer selbst und hält oder tragt den ganzen Apparat mittelst des Wassers im Raume. Die andere Kraft äußert ihre Wirkungen in der atmosphärischen Luft; auf diese haben wir die Aufmerksamkeit zu richten. Die Luftkugel, welche in der reinen Luft so schwimmen kann, daß sie vollkommen im Gleichgewicht bleibt, ändert darin ihre Stelle nie, weil die atmosphärische Luft immer ein spec. Gew. = 1 hat; sobald aber mit dieser reinen Luft sich Doppeltkohlenwasserstoff-Gas mengt, so wird sich das spec. Gew. der ersteren nach Maaßgabe des hinzukommenden Gases verringern. Der Antheil Gas, welcher nöthig ist, um den Apparat in Wirksamkeit zu sezen, beträgt 1/170 bei einer Kugel von 12 Centimeter Durchmesser, welche auf einem 1 Millimeter diken Stab ruht. Bei dieser Proportion sinkt der Apparat um einen Centimeter. Der ganze Abstand, den er durchlaufen kann, ist 5 Centimeter; der Erfinder hatte aber die Idee, den Rest des zu durchlaufenden Abstandes von 4 Centimetern, um das Gasoskop empfindlicher zu machen, auf die Kraft eines dem Apparat beigefügten Magnets zu übertragen. Auf dem Dekel nämlich des Wassergefäßes liegt ein Hufeisenmagnet, welcher sich also an dem unteren verticalen Theile der Luftkugel befindet, die selbst unterhalb mit einer Eisenscheibe versehen ist. Da der ganze vom Apparat zu durchlaufende Abstand 5 Centimeter beträgt (1 Centim. durch das Gas, 4 durch den Magnet), die Attractionssphäre des Magnets sich auf 4 Centim. erstrekt, und die Eisenscheibe der Kugel 5 Centim. entfernt ist, so kann unter diesen Verhältnissen keine Bewegung des Apparats stattfinden. Sobald aber 1/170 Gas dazukommt, so fällt die Kugel in die Anziehungssphäre des Magnets und der ganze Zwischenraum wird dann rasch durchlaufen. Beim Herunterfallen auf den Magnet stößt die Scheibe auf den Hebel einer Allarmgloke, welche 12 Stunden lang spielen kann; man wird auf diese Weise von dem Entweichen des Gases schon viel früher benachrichtigt, als eine Explosion erfolgen kann, da diese erst bei 1/12 eintritt; die Asphyxie tritt ungefähr bei 1/8 in sehr kurzer Zeit ein.

Das Gasoskop wurde in der Gasbereitungsanstalt zu Grenelle, welche unter |159| der Direction der Gebrüder Pernot steht, im Großen benuzt. (Echo du monde savant 1842, No. 725.)

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