Titel: Verfälschung der Milch mit Hammelgehirn.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1842, Band 85, Nr. LVII./Miszelle 15 (S. 239)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj085/mi085057_15

Verfälschung der Milch mit Hammelgehirn.

Die Milchhändler in Frankreich lassen in reinem Wasser Hammelgehirn aufweichen, von welchem sie alle Häutchen und Blutgefäße sorgfältig absondern; zerreiben es in einem Mörser mit Wasser, seihen und vermischen es mit Milch, von welcher sie die Sahne (den Rahm) abgenommen haben. Auf diese Weise können sie die Milch willkürlich verlängern, ohne daß leztere scheinbar dünner wird; im Gegentheil, obgleich sie all' ihre Sahne verloren hat, scheint sie dieselbe doch reichlich zu enthalten. Solche Milch zeigte am Milchmesser nach einer Stunde Ruhe 18 Grad, während gute natürliche Milch nach 12–15 Stunden Ruhe nur 10 Grad zeigte. Man erkennt sie gegen gute Milch daran, daß sie ein in Schmuziggrau übergehendes Weiß hat, und an den Seiten der Gefäße ein sehr feines weißliches Pulver hängen läßt. Sie schmekt zwar gewöhnlich nicht unangenehm, obgleich etwas teigig und schal, häufig aber nach dem Fleisch ungeschnittener Hammel, indem sie an den Geruch fettiger Schafwolle erinnert. Unter dem Vergrößerungsglase zeigt Milch, die Hammelgehirn enthält, bei 5 bis 300maliger Vergrößerung – neben den ihr eigenthümlichen Kügelchen – sehr kleine, runzelige, ungleiche Klümpchen von weißlicher Farbe, aneinander hängend in unregelmäßig geformten Haufen, so groß wie 10, 20, 30 und mehr Kügelchen zusammen; bisweilen sehen einzelne Theile röthlich aus, wie wässeriges Blut; auch entdekt man wohl dazwischen Bruchstüke von Blutgefäßen und ziemlich lange Fäden von Nervengeweben. Manchmal sind solche nur in geringer Menge vorhanden, doch hat es Fälle gegeben, wo dergleichen fremdartige Bestandtheile 1/5–1/3 der ganzen Menge der Milchkügelchen ausmachten; und es läßt sich wohl annehmen, daß die Menge der unächten Theile bei solcher verfälschten Milch stets noch größer ist, als man sie durch das Vergrößerungsglas wahrnehmen kann, denn die kleinsten von ihnen sind nicht mehr deutlich zu erkennen und vielleicht sind sogar welche davon aufgelöst. Zum Glük scheint solche verfälschte Milch nichts Schädliches für die Gesundheit zu haben. Dieß aber ist kein Grund, solchen Betrug dem Publikum nicht bekannt zu machen. (Leuchs' polytechnische Ztg. 1842, Nr. 26.)

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