Titel: Moser's Versuche Lichtbilder in der Finsterniß hervorzubringen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1842, Band 85, Nr. LVII./Miszelle 8 (S. 236–237)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj085/mi085057_8

Moser's Versuche Lichtbilder in der Finsterniß hervorzubringen.

Folgende Stelle aus einem Schreiben Alexander v. Humboldt's an den Unterzeichneten enthält eine so hochwichtige Nachricht, daß wir deren unverzügliche Mittheilung in diesen Blättern uns nicht erlassen können. K. L. v. Littrow. „Das Wunderbarste der neuen Physik sind Moser's (in Königsberg) nur noch unvollkommen bekannt gewordene Versuche: Lichtbilder in der Finsterniß hervorzubringen. Auf eine mit vielen gravirten Figuren versehene Achatplatte wurden schmale Glimmerstreifen gelegt, und auf diese die Silberplatte, so daß die Entfernung zwischen den beiden Oberflächen 1/5 Linie betrug und ein bequemes Hindurchsehen erlaubte. Als nach einigen Stunden die Silberplatte in die Queksilberdämpfe gebracht wurde, zeigte sich ein deutliches Bild aller auf der Achatplatte befindlichen Figuren. Diese Versuche geschahen in tiefster Finsterniß. Wenn zwei Körper hinreichend genähert werden, so bilden sie sich auf einander ab. Jeder Körper ist als selbstleuchtend zu betrachten, auch da, wo unsere Sehorgane nicht erregt werden. (Man vergl. Poggendorff's Annalen 1842, Bd. LVI. S. 177)

Als Ergänzung zu der Nachricht von der höchst merkwürdigen und wichtigen Entdekung des Prof. Moser macht Hr. v. Littrow noch folgenden Auszug aus dem Briefe, bekannt, in welchem Moser dem Hrn. Alex. v. Humboldt seine neuen Entdekungen meldete. „In der lezten Zeit ist es folgende Aufgabe gewesen |237| die mich hauptsächlich beschäftigte: es hat eine Lichtwirkung auf eine Platte stattgefunden, dieselbe sey schon äußerlich wahrnehmbar oder nicht, man soll angeben, durch welche Farbe diese Wirkung hervorgebracht wurde. Es entgeht wohl nicht, daß diese Aufgabe das Fundament aller weiteren Untersuchungen bildet; auch habe ich ziemlich beträchtliche Fortschritte in ihrer Lösung gemacht, und nicht unwichtige Erfolge bereits davon gesehen. Das erste Resultat, welches ich erlangte, besteht darin, daß die unsichtbaren Lichtstrahlen eine viel größere Brechbarkeit haben, als diejenigen, welche die Retina erregen, sonst ist zwischen den beiden Gruppen von Lichtstrahlen kein anderer Unterschied, als den man in der sichtbaren Gruppe mehr oder minder brechbarer Strahlen wahrnimmt. Ein zweites Resultat ist dieses, daß die unsichtbaren Lichtstrahlen weder im Tageslichte, noch, merkwürdigerweise, im Sonnenlichte enthalten sind. Es sind also nicht die sogenannten dunklen chemischen Strahlen, welche Ritter im Sonnenspectrum entdekt hat, sie haben vielmehr eine noch größere Brechbarkeit, auch hat man folglich niemals die neue Art von Strahlen einem Experimente unterworfen. Meine Versuche mit der Sonne sind in dieser Beziehung so entschieden, daß, wenn ich sie im Detail beschreiben werde, kein Zweifel darüber bleiben wird. Ich muß jedoch bitten, mir diese Behauptung schon vorläufig gestatten zu wollen, ich bedarf ihrer bei dem eigenthümlichen Zustand, den die Versuche herbeigeführt haben. Von der einen Seite kräftige Lichtwirkungen in der sogenannten vollkommenen Dunkelheit, Bilder in zehn Minuten, sogar auf reinem Silber durch Strahlenbrechung hervorgebracht, welche von der andern Seite in der vollen Junius-Sonne nicht zu finden sind. Da die neue Art von Strahlen der Sonne fehlt, so ist die plausibelste Annahme hierüber, daß sie von der Atmosphäre absorbirt werden, wie dieß ja auch unzweifelhaft durch die brechenden Flüssigkeiten im Auge bewirkt wird. Diesen Gegenstand hoffe ich wenigstens annähernd zu erledigen, sobald die Apparate, welche zu dieser Untersuchung nöthig sind, gefertigt seyn werden. Es wird dann die wichtige Frage seyn, welche Körper für die unsichtbaren Lichtstrahlen permeabel seyen, und ob das Glas in dieser Beziehung der Durchsichtigkeit den Rang verdient, den man ihm einräumt. Auch in der Untersuchung des latenten Lichtes habe ich weitere Fortschritte gemacht. Ew. Exc. werden aus meinem ersten Aufsaze über den Proceß des Sehens ersehen, daß die Condensirung von Dämpfen auf irgend welche Platten Lichtwirkungen hervorbringe. Dasselbe thut auch die Verdampfung, wovon ich mich in diesen Tagen überzeugt habe, und worüber ich nächstens einen Aufsaz in Poggendorf's Annalen einrüken werde. Wenn also Wasser verdampft, oder Wasserdampf sich niederschlägt, so ist das so gut ein Licht-, als ein Wärme-Proceß. Nach vielen Anstrengungen ist es mir gelungen, die Farbe des latenten Lichtes bei zwei Dampfarten mit hinlänglicher Sicherheit zu bestimmen, und so habe ich gefunden, daß die Queksilberdämpfe gelbes Licht latent haben, Joddämpfe blaues oder violettes. Die mannichfachen Erscheinungen, welche diese Dämpfe zeigen, führen übereinstimmend zu demselben Resultate. Der schöne Daguerre'sche Proceß beruht auf diesem latenten Licht, und er verändert sich wesentlich, wenn man mit den unsichtbaren Strahlen operirt. Während man das Silber zum Behufe der Daguerre'schen Bilder erst jodirt und dann der Lichtwirkung aussezt, ist es bei Anwendung unsichtbarer Lichtstrahlen vortheilhafter, das reine Silber ihnen auszusezen und es dann erst zu jodiren. Diese Umkehrung leistet mir seit einigen Tagen gute Dienste. Die Farbe des latenten Lichtes der Wasserdämpfe habe ich noch nicht hinreichend sicher bestimmen können, weil diese Dämpfe, an die Platte herangehend und sie so rasch wieder verlassend, eigene Apparate nöthig machen, doch kann ich schon anzeigen, daß die Farbe des Wasserdampfes jedenfalls dem brechbarsten Theile des Sonnenspectrums angehört. Erlauben mir Ew. Excellenz, noch ein Experiment mittheilen zu dürfen, welches recht gut die Wirkung des Lichts auf alle Körper, an welchen überhaupt die Wirkung wahrnehmbar gemacht werden kann, darthut. Eine kleine Camera obscura mit einer Linse von einigen Linien Oeffnung richte ich auf die Sonne, und seze eine Platte von Spiegelglas hinein. Nachdem die Sonne hindurchgegangen, behauche ich die Platte, und erhalte das scharfe vollständige Bild der Sonnenbahn. Denselben Versuch habe ich mit reinem Silber, Kupfer und Stahl angestellt, und dasselbe Resultat erhalten. Die Schärfe der Conture der Bahn lehrt, daß hiebe: an eine Wirkung der Wärme nicht zu denken ist. Auch kann man die Silberplatte in die Queksilberdämpfe u.s.w. bringen und so dasselbe Bild entstehen lassen. Königsberg, 18. Jun. 1842. Ludwig Moser.“

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