Titel: Ueber die Gewinnung des Indigo's aus dem Färberknöterich.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1842, Band 85, Nr. LXXVI./Miszelle 8 (S. 319–320)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj085/mi085076_8

Ueber die Gewinnung des Indigo's aus dem Färberknöterich.

Hr. Prof. Hludeck theilt in den Verhandlungen der k. k. Landwirthschafts-Gesellschaft in Steyermark Bd. XI. folgendes Verfahren als das leichteste und vortheilhafteste mit:

Die frischen Blätter werden durch Waschen mit kaltem Wasser von der angehängten Erde befreit, nachher mit Wasser von 50 Grad Wärme nach R. begossen und der Einwirkung der Luft 8–12 Stunden lang ausgesezt, bis die Flüssigkeit eine braune, der Bierwürze ähnliche Farbe angenommen hat, wo sie dann abgezogen wird. Man vermischt sie alsdann mit Schwefelsäure, peitscht sie wiederholt mit Ruthen und sezt sie abermals der Einwirkung der Luft in flachen Gefäßen aus. Die reichlich mit Floken versehene Flüssigkeit kommt nun in einen Sezbottich, das Klare wird abgezogen, der Bodensaz mit reinem Wasser zweimal ausgewaschen, abgezogen, dann in einem beliebigen Kessel erhizt, wobei sich die Floken zu Ballen coaguliren, welche abfiltrirt und dann an der Luft getroknet werden. Der erste und zweite Abzug von dem Sezbottich enthält noch Indigo und muß aufs Neue mit Schwefelsäure versezt, gepeitscht und abgesezt werden.

Das Gelingen des Verfahrens hängt hauptsächlich von der entsprechenden Menge der anzuwendenden Schwefelsäure ab, da zu viel oder zu wenig davon schadet. Die Menge derselben läßt sich aber nicht angeben. Zur Bestimmung derselben ist es gut, von der Flüssigkeit eine bestimmte Menge, etwa 1 Schoppen, zu nehmen, solche nach und nach mit Säure zu versezen zu rühren und der Einwirkung der Luft auszusezen. Sieht man, daß sich Floken bilden, so ist die angewandte Quantität von Säure zureichend, und solche kann nun auf die ganze Masse des Abgusses berechnet werden. Die Pflanze scheint übrigens zur Zeit, wo die Blüthe beginnt, den meisten Indigo zu enthalten. Die erste Ernte der Blätter fällt daher gewöhnlich in den Junius und die zweite in den August. Man mäht ihn und zupft die Blätter ab. Da die Asche der Blätter sehr viel Kalk enthalten soll, so ist es wahrscheinlich, daß die Pflanze auf Kalkboden, auf dem sie einen wesentlichen Bestandtheil ihres Wachsthums leicht findet, am besten gedeiht. Doch wäre dieß noch näher zu untersuchen, indem der Kalk auch zufällig vom |320| Boden, auf dem sie wuchs, eingesogen worden seyn kann, ohne daß er alsdann auf das Bestehen der Pflanze selbst einen wesentlichen Einfluß äußert.

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