Titel: Brustharnisch von gefilzten Flachsfasern.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1842, Band 85, Nr. CXII./Miszelle 2 (S. 463–464)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj085/mi085112_2

Brustharnisch von gefilzten Flachsfasern.

Hr. Seguier erstattete am 18. Jul. d. J. der franz. Akademie Bericht über die von Hrn. Papadopulo Vreto angestellten Untersuchungen der Vertheidigungswaffen der Alten. Das Resultat, welches lezterer aus einer großen Menge darüber nachgeschlagener Autoren schöpft, ist, daß in jenen Zeiten mit Salz und Essig imprägnirte, faserige Pflanzensubstanzen mit Erfolg zur Verfertigung von Brustharnischen dienten, welche die Menschen vor Verlezung durch stechende oder schneidende Waffen schüzten. Er dachte, daß dieses Verfahren unter geringen Modificationen auch zu unsern Zeiten noch Dienste thun könne, um unsere Soldaten gegen den so heftigen Stoß der aus dem Kleingewehr durch Pulver getriebenen Geschoße zu schüzen. Er ließ zu diesem Behufe aus fein zertheiltem Flachs eine Art Filz bereiten, welchem er den Namen Pilima (πίλημα, Filz) beilegte, aus welchem er den zur Bewaffnung der Truppen vorgeschlagenen Harnisch fertigte. Die Commission stellte mit demselben Versuche an, obgleich keineswegs noch vom militärischen Gesichtspunkt ausgehend. – Hr. Papadopulo beabsichtigt also, aus Flachs, der in einer Salzlösung mit Essig macerirt, zertheilt und mit dem Fachbogen des Hutmachers gefilzt wird, eine Art vegetabilische Matraze zu verfertigen, welche selbst von der Kugel der daran anstehend abgeschossenen Munitions-Pistole nicht durchdrungen wird. Der zur Probe genommene Harnisch war 29 Millimeter (1'' 1''' franz.) dik; die mit gefirnißtem Leder |464| überzogene Filzmasse wog sammt den Schnallenriemen 4 1/2 Kilogr. Durch vorausgehende Versuche schon etwas strapazirt, hatte das Gewebe an manchen Theilen bereits etwas gelitten; nichtsdestoweniger hielt es, ohne durchschossen zu werden, den Stoß von fünf Kugeln, die aus einer mit 25 1/2 Grammen gewöhnlichem Schießpulver geladenen ordonnanzmäßigen Pistole von drei Schritten Entfernung geschossen wurden, aus. Im Durchschnitt drang in dieser Entfernung die Kugel 7 Millimeter (3'''), bei acht Schritten Entfernung nur 5 Millimeter (2 1/5''') tief ein. Die in ihrer Gestalt nur wenig veränderte Kugel ließ noch etwas ein wenig aus seinem Zusammenhang gerissenen Filz von 10 bis 15 Millimeter Dike hinter sich. Der Harnisch war beim Versuch an einer Kiste von weichem Holz angebracht; die halb faulen Bretter derselben erlitten eine starke Erschütterung. Es kann auch wirklich zur Zeit noch nichts über die Schuzkraft solcher Harnische für den menschlichen Körper gegen das Kleingewehrfeuer gesagt werden, und es müßten wenigstens an lebenden Thieren Versuche angestellt werden, um zu erfahren, in wie weit der Filz den wiederholten Erschütterungen durch die in ihm steken bleibende Kugel widersteht. Es genüge hier die Bemerkung, daß die Kugel, in allen Entfernungen abgeschossen, sich wie oben angeführt verhielt, nicht ein einzigesmal aber durch den Filz drang. (Comptes rendus Jul. 1842, No. 3.)

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