Titel: Benuzung der nicht abdestillirten Weintrestern zum Pferdefutter und der abdestillirten als Futter für Rindvieh und Schafe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1842, Band 85, Nr. CXII./Miszelle 6 (S. 465–466)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj085/mi085112_6

Benuzung der nicht abdestillirten Weintrestern zum Pferdefutter und der abdestillirten als Futter für Rindvieh und Schafe.

Die zur Destillation geeigneten Weintrestern sind es auch zum Pferdefutter. Sobald sie aus der Kelter kommen, bringt man sie in ein Kämmerchen, wo sie bleiben; man bedekt sie mit einer Lage Thon, in welchen man, um täglich davon herauszunehmen, ein Loch macht, das man mit Strohmatten bedekt, um den andauernden Zutritt der Luft zu verhindern, welcher Gährung bewirken würde. Hr. Scilivaux de Graische bediente sich dieser Trester jeden Morgen während der Monate Oktober, November und December; jedes Pferd erhielt davon 4 bis 5 Liter auf die erste Mahlzeit, was 2 1/2 Liter Hafer und 1 Kilogr. Heu ersezte. Diese Lebensweise schlägt sehr gut an; die Pferde sind munter, rüstig und ihr Haar ist glatter und glänzender als sonst. Sie sollen sich sehr leicht an dieses Futter gewöhnen, sind sehr begierig und wiehern danach; man erspart sehr viel dabei, indem das Hektoliter, dem Gewicht nach etwa 50 Kilogr., höchstens 2 1/2 Fr. kosten und Hafer und Heu, welches sie in gleichem Gewichte ersezen (zur Zeit), mehr als noch einmal so viel kosten. Hr. Scilivaux räth, nicht mehr als ungefähr 5 Liter für eine Mahlzeit zu geben, weil mehr vielleicht Trunkenheit hervorbrachte. Er glaubt, daß die abdestillirten Weintreber durchaus nicht diesen Zwek erfüllen könnten und alle tonische Kraft verloren haben, welche die Verdauung bei den Pferden befördert und eine leichte und wohlthuende Aufregung bewirkt. Hr. Henry, Landwirth und Thierarzt in Dombasle, empfiehlt |466| die Anwendung der abdestillirten Trester als wohlfeiles Futter für Rindvieh und Schafe. Seit mehreren Jahren wendet er sie mit gutem Erfolge zur Mast der Ochsen an; doch räth er, die Kämme auszulesen, welche beim Wiederkauen durch Stekenbleiben im Schlunde der Verdauung hinderlich seyn können, indem sie aufstoßen und bisweilen Verstopfungen bewirken. Hr. Henry nimmt nur die in der Destillirblase oben liegenden Trestern beim Ausleeren derselben; sie enthalten noch etwas geistige Bestandtheile, was der Ernährung und Transspiration der Thiere zuträglich zu seyn scheint und sie fett macht.

Tägliche Nation für einen Ochsen:

Weintrester 12 Kilogr.
Gekochte Kartoffeln 5 –
Treber (aus der Bräuerei), klein zerstoßene
Gerste oder Roggen, oder Preßkuchen

5 –
Kleines Stroh oder besser Heublumen 4 –
Heu oder Grummet 4 –
––––––––
Zusammen 30 Kilogr.

Hr. Henry erhielt mittelst dieses Futters Ochsen von 375 bis 400 Kilogr., welche 45 bis 50 Kilogr. Unschlitt gaben und zwar in etwa 4 bis 4 1/2 Monaten vom November angefangen. Die Kühe gaben mehr und bessere Milch. (Echo du monde savant. 11. Aug. 1842.)

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