Titel: Ueber die Tiefe, in welcher gesäet werden soll, um eine gute Ernte zu erreichen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1842, Band 85, Nr. CXII./Miszelle 8 (S. 466–468)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj085/mi085112_8
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Ueber die Tiefe, in welcher gesäet werden soll, um eine gute Ernte zu erreichen.

Man pflegt die Saat des Getreides, selbst die der Futterkräuter, mittelst Akergeräthschaften in einer Höhe von wenigstens 4 Zoll im Mittel wieder zudeken zu lassen. Dieses Verfahren aber ist fehlerhaft. Leider stehen die Landleute fest bei dieser Meinung, und glauben, daß das Getreide sich in der Erde wohl befinde, daß es hier vor Frost und Trokne gesichert liege, daß die Vögel und Insecten es nicht so leicht herausgraben können. Wiederholte Versuche haben aber das Gegentheil dargethan. Es wurden vergleichende Versuche mit einer oder zwei Furchen, die auf jedem Felde hiezu stehen gelassen wurden, angestellt, wo die Saat mit der bloßen Egge mit eisernen Zähnen zugedekt wurde, und die, ohne daß Kälte oder Trokne einen Schaden anrichteten, sehr wohl gelangen. Und welcher Vortheil läge, wenn dieses Verfahren auch nicht an und für sich offenbar besser wäre, nicht schon darin, wenn man zur Zeit der Saat, wo die Tage schon viel kürzer sind und die Zeit um so kostbarer ist, als die schönen Tage seltener werden, diese Arbeit schnell vollbringen könnte, indem man die Eingrabung der Saat umginge? Welcher Menge Zugvieh bedarf man bei großem Feldbau, um die Arbeit zu beschleunigen, welche außerdem noch vom schlechten Wetter oft verlängert wird!

Die Versuche, welche deßhalb im Norden und Süden Frankreichs angestellt wurden, unterstüzen und bestätigen sich wechselseitig, indem das von Hrn. Barreau bei Paris gesäete und beinahe gar nicht zugedekte Getreide der Kälte dieses Klima's vollkommen widerstand, so wie jenes des Hrn. Lardier der Trokne der Gegend von Aix in der Provence trozte. Folgendes sind die theoretischen Gründe des gelehrten Urhebers dieses Verfahrens. 1) Daß die Lappen oder Cotyledonen, welche dem Embryo oder Keime als Hülle dienen und bis zu ihrem Abfall einen integrirenden Theil desselben ausmachen, geschaffen sind, um an der freien Luft zu leben, die auch das Element für das Knöspchen (Federchen) ist, welches von jenen Lappen Nahrung und seine erste Entwikelung erhalten soll. 2) Daß, wenn der Same kaum mit Erde bedekt ist, die Lappen desselben sich leicht entwikeln und die ihnen von der Natur bestimmten Functionen verrichten können. 3) Daß sie dieß aber nicht können, wenn der Same zu tief unter der Erde stekt, indem dann die auf ihnen lastende Erdschicht sie verhindern würde, sich zu öffnen und dadurch die Erzeugung und das Auskriechen der Pflanze hinderte. 4) Daß dieses Gesez allen Arten Samen gemein sey, sogar auch den bloß einlappigen. 5) Daß daher, wenn die Samen zu tief eingegraben sind, das Würzelchen und der Hals zu Grunde gehen und faulen, wenn sie sich auch anfangs bilden konnten. 6) Daß dann die in ihrem natürlichen Streben gehinderte Pflanze entweder völlig unterliegt, oder erst später kömmt, nachdem ihr die Natur andere Wurzeln verschaffte. 7) Daß daraus nothwendig Schwäche und Krankheiten entstehen, welche fälschlich andern Ursachen zugeschrieben werden u.s.w.

Hr. Lardier säete oft in dazu bestimmte Reihen in verschiedene Tiefen, von einer Linie bis zu mehreren Zollen alle Arten Getreide und verschiedene Hülsenfruchtsamen, und das constante Resultat war, daß die tiefer als 3 Zoll liegenden Samenkörner beinahe alle faulten, die andern aber desto weniger gut ausgingen, je mehr sie mit Erde belastet waren, und daß die kaum davon bedekten stets die kräftigsten und fruchtbringendsten Pflanzen gaben. – Hrn. Lardier's Ansichten stimmen hierin ganz mit jenen der HHrn. Basc, Molt und Mathieu v. Dombasle überein.

Alle Landwirthe wissen, daß die thonreichsten, durch die Fröste aufgelokerten Erden eine Oberfläche haben, so zart wie Asche. Die beim Umgraben im Herbst auf der Oberfläche zurükgebliebenen Schollen zerfallen bei der geringsten Berührung zu Staub. Akert man die Erde in diesem Zustande mit dem Pfluge um, so verliert man für die Saat den ganzen Nuzen dieser Auflokerung; man schließt diese lokere Schicht, welche dem Keimen der Saat so förderlich gewesen wäre, unter dem Furchenrain ein und bringt auf die Oberfläche wieder neue Schollen, welche man mit vieler Arbeit durch wiederholtes Eggen zwar wieder brechen und zertheilen, nimmermehr aber in jenen pulverigen Zustand bringen kann, welcher für die Keimung der vortheilhafteste ist.

Auch Hrn. Barreau's Versuche zeigten, daß die 12 bis 6 1/2 Zoll unter |468| der Erde liegenden Samen nicht aufgingen und die andern um so viel besser, je näher sie der Oberfläche waren.

Es ist merkwürdig, welche Menge Samen jährlich durch die Saat verloren geht. Das Quaterly journal of agriculture nimmt an, daß in der Regel nur ein Drittheil Kornsaat gedeihe; die andern 2/3 aber aus verschiedenen Ursachen zu Grunde gehen. Betrachtet man nun noch den Verlust an Körnern durch Insecten, so soll man sich um so mehr aufgefordert finden, einem Verfahren Folge zu leisten, welches schlechte Ernten möglichst verhindert. Auch fehlen viele Landleute, indem sie glauben, um so mehr Getreide zu erhalten, je mehr sie Samen ausstreuen, und nicht bedenken, daß durch zu viele Körner der Raum zur Entwikelung beengt wird. Mombrion, Mitglied der französischen Akademie. (Echo du monde savant. 11. August 1842.)

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