Titel: Ueber verschiedene Baumwollpflanzen und die Baumwollcultur in Indien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1842, Band 85, Nr. CXII./Miszelle 9 (S. 468)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj085/mi085112_9

Ueber verschiedene Baumwollpflanzen und die Baumwollcultur in Indien.

In der Versammlung der Naturforscher in Manchester theilte Hr. Royle Nachstehendes über Baumwollcultur mit. – Die die wahre Baumwolle gebenden Pflanzen sind im alten und neuen Continent heimisch. In Indien wachsen zwei dort heimische Species: Gossypium arboreum mit rothen Blüthen, wenig angebaut, obgleich eine sehr seidenartige Baumwolle liefernd, und Gossypium herbaceum krautartige oder gemeine indische Baumwollpflanze, von welcher es wieder mehrere Abarten gibt, worunter die Dacca-Baumwolle, die von Indien in das mittägliche Europa gebracht wurde. Auch in Amerika werden zwei Species unterschieden: Gossypium peruvianum oder acuminatum, von welchem die Baumwolle von Brasilien, von Fernambuk, von Bahia etc., und Gossypium barbadense, welches seinen Namen von dem Orte hat, wo es früher cultivivirt wurde; es ist dasselbe wie das von der Insel Sea. Es wurde vor langer Zeit auf den Inseln Mauritius und Bourbon eingeführt, und scheint den Mustern und Abbildungen nach identisch mit der Baumwolle von Georgien und Neu-Orleans zu seyn, die aus mexikanischen Körnern erhalten worden seyn soll; in Mexico scheint diese Species zu Hause zu seyn. Es kann in Afrika und China noch weitere Gossypium-Arten geben, worüber aber nichts bekannt ist. Die angegebenen Species scheinen alle Baumwolle des Handels zu liefern. Die indischen Baumwollen sind gewöhnlich in niederem Preise, weil sie von geringerem Faden und nicht so weiß sind; doch besizen sie einige Vorzüge, daß sie nämlich die Farben gerne annehmen und beim Bleichen anschwellen. Die Cultur der Baumwolle in Amerika und in Indien ist sehr verschieden. In Amerika wird jede Pflanze besonders cultivirt, sie wird zweimal umgearbeitet, gejätet, mit Erdschollen bedekt, manchmal zugeschnitten, die Samen sehr sorgfältig gesammelt und die Baumwolle getroknet, davon getrennt und gereinigt. In Indien findet das Gegentheil statt, doch ist schon viel zur Verbesserung der Cultur daselbst geschehen. Die Dirextoren der ostindischen Compagnie haben die Aufmerksamkeit ihrer Beamten daselbst darauf hingelenkt. Im Jahre 1788 schikten sie Samen, Anleitungen, und sogar einen Amerikaner, Hrn. Metcalf, dahin, um sich derselben zu bedienen; in den Jahren 1811, 1818 und 1829 wurden eigene Höfe zur Beförderung der Baumwollcultur angelegt. Das Gerücht, als hätten sie fallirt, wird als falsch erklärt; ihr Product war gut und die Cultur wurde als gewinnbringend betrachtet; es bedürfte nur Pflanzer, welche sich auf eigene Rechnung damit abgeben. Man sagt auch, daß die amerikanische Baumwollstande in Indien ausarte, was nicht richtig ist; es sind im Gegentheil Beispiele vorhanden, daß von Amerika dahin verpflanzte Baumwolle mehrere Jahre nacheinander ein Product gab, welches besser bezahlt wurde, als alle indischen Sorten. In kurzer Zeit wird die indische Baumwolle mit der amerikanischen concurriren können. (Echo du monde savant, 28. Jul. 1842.)

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