Titel: Rowley's rotirende Dampfmaschine und Dampfwagen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1842, Band 86, Nr. XLVII. (S. 245–247)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj086/ar086047

XLVII.  Rowley's rotirende Dampfmaschine und Dampfwagen.

Aus dem Mechanics' Magazine. Aug. 1842, S. 194.

Mit Abbildungen auf Tab. VI.

I. Die stationäre Dampfmaschine. Durchmesser des Dampfrades 36 Zoll, Breite desselben 14 1/2 Zoll, Tiefe desselben 4 Zoll; mittlere Länge der Dampfkammer 100 Zoll. Die Kolben oder Schieber bieten der Einwirkung des Dampfes eine Fläche von 58 Quadratzoll dar. Die Anzahl der Umdrehungen ist 80 in der Minute. Der Druk beträgt 1 Pfd., wenn die Maschine außer Eingriff ist, und 5 Pfd., wenn sie die Welle umtreibt. Sie steht auf |246| einer 5 Fuß langen und 4 Fuß breiten Bodenplatte und ist 3 1/2 Fuß hoch.

Mit Bezug auf die Figuren 20, 21 und 22 wird man bemerken, daß die Maschine aus einem äußeren Ring oder Cylinder A, A, A und zwei vollkommen gleichen Seitenplatten besteht, an deren innerer Seite eine in sich zurükkehrende Rinne B, B, B sich befindet, welche aus einem Kreisbogen a, a, a und einer unregelmäßigen Curve b, b, b besteht. In dem Apparate C, C, C befinden sich drei Kammern D, D, D, in denen die Kolben E, E, E aus- und einwärts gleiten können. Dieses Rad besizt zwei Flantschen G, G, G, in denen zur Unterstüzung der Kolben Vertiefungen H, H angebracht sind, und ist auf die Centralwelle F, F festgekeilt. Leztere geht durch die Seitenplatten und dreht sich in geeigneten Lagern. Die Leitbolzen K, K laufen in der an der inneren Seite der Seitenplatten angebrachten endlosen Rinne B, B.

Aus dieser Einrichtung geht hervor, das der durch die Röhre L zugelassene Dampf seine Expansivkraft gegen die Kolben ausüben, und das Rad C, C in Rotation versezen wird. Da die Leitbolzen in der endlosen Rinne B, B spielen, so werden die Kolben abwechselnd gegen den Mittelpunkt des Rades hingetrieben, um an der Widerlage M, M vorüberzugleiten und dann wieder in die Dampfkammer vorgeschoben zu werden. Nachdem der Dampf seine Kraft gegen die Kolben ausgeübt hat, entweicht er durch die Röhre N. O, O ist die Kammer für die Metallliederungen der Widerlage.

Die in Rede stehende Maschine arbeitet in der Drahtfabrik der HHrn. R. Johnson und Comp. in Manchester; da die ausgeübte Kraft fortwährend sich ändert (das an den Cylinder befestigte Queksilbervisir wechselt von 5 bis 35 Pfd. Druk), so läßt sich die wirkliche Pferdekraft nicht leicht angeben.

Um die Kraft zu berechnen, multiplicire man die Anzahl der Quadratzolle Kolbenfläche mit dem Dampfdruk = 30 Pfd., ferner mit der mittleren Länge der Dampfkammer = 8. 4 Fuß und mit der Anzahl der Umdrehungen per Minute = 80 und dividire das Resultat durch 33000, also:

(58 × 30 × 8.4 × 80)/33000 = 35,4 Pferdekraft.

Die Maschine ist seit 17 Monaten in dem oben genannten Etablissement zur vollen Zufriedenheit der Besizer in Thätigkeit und consumirt in 338 Arbeitsstunden 48 Tonnen 10 Cwt. Kohlen.

II. Die Locomotive mit rotirender Dampfmaschine. Rowley gibt der in Fig. 23 dargestellten Einrichtung den Vorzug. Die Verbindung der Maschine mit den Treibrädern wird nämlich in |247| vorliegendem Falle vermittelst doppelter Krummzapfen und einer Zwischenwelle bewerkstelligt, in deren Mitte sich ein Stirnrad befindet, welches in ein an der Treibwelle sizendes Getriebe greift. Der Vortheil dieser Anordnung besteht darin, daß eine und dieselbe Maschine für einen Passagier- und einen Güterzug eingerichtet, oder mit anderen Worten, durch Versezung des Räderwerks einer Maschine mit 11- oder 18zölligen Cylinder gleich gemacht werden kann. Es fällt ferner jene wellenförmige oder oscillirende Bewegung ganz hinweg, welche außer der Gefahr, die sie in ihrem Gefolge hat, sehr zerstörend auf die Spurkränze der Räder und auf die Bahnschienen wirkt.

Die neulich auf der Liverpool-Bahn probirte rotirende Locomotive wurde durch den Eingriff eines in der Mitte der Treibwelle befindlichen Stirnrades in Bewegung gesezt; doch war die Einrichtung von der obigen verschieden. Die größte Geschwindigkeit betrug 37 Meilen in der Stunde. Folgendes sind die Resultate einiger Versuche, jedoch muß vorher noch bemerkt werden, daß der Dampfkessel alt und in einem schlechten Zustande war. Die der strahlenden Wärme ausgesezten Heizflächen betrugen 37,84 Quadratfuß, die Oberfläche der Röhren belief sich auf 258,44 Quadratfuß, ihre Länge auf 6 Fuß 6 Zoll.

Datum. Gewicht. Mittlere Geschwindigkeit. Durchlaufene Streke.
15. Jun. 59 T. 12 Cwt. 2 Qrs. 17 Meilen per Stunde. 14 Meilen.
18. – 57 – 11 – 0 18 – – 30 –
30. – 45 – 0 – 0 19,3 – – 30 –
1. Jul. 22 – 0 – 0 25 – – 14 –

Hr. Phillips, Professor an dem New-College in Manchester, lieferte einen Bericht über einen Versuch, welcher mit der rotirenden Locomotive Mars angestellt wurde, hauptsächlich, um die Brennmaterialconsumtion zu ermitteln. Die Locomotive mit Tender wog 20 Tonnen, verließ Liverpool unter starkem Gegenwind um 1 Uhr 42 Minuten mit 12 belasteten Waggons = 60 Tonnen 1 Cwt. 3 Qrs., Gesammtlast = 80 Tonnen 1 Cwt. 2 Qrs. und kam um 3 Uhr 33 Minuten in Manchester an. Mittlerer Dampfdruk im Kessel 40 1/2 Pfd.; mittlere Geschwindigkeit 16,2 Meilen per Stunde; Brennmaterialconsumtion 4 Säke Kohks = 560 Pfd. und 2 Säke Kohlen = 280 Pfd. oder 24,9 Pfd. Kohks auf die Meile. Dabei Verdient bemerkt zu werden, daß Kessel und Röhren sich in einem sehr unvollkommenen Zustande befanden.

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