Titel: Payen, über die Fabrication des Stärkezukers.
Autor: Payen,
Fundstelle: 1842, Band 86, Nr. LXXVI. (S. 339–343)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj086/ar086076

LXXVI. Ueber die Fabrication des Stärkezukers; von Payen.

Aus dem Recueil de la Société polytechnique, Jul. 1842, S. 1.

Mit Abbildungen auf Tab. VII.

(Wir haben Payen's Vorlesung über Stärkezuker-Fabrication bereits im polyt. Journal Bd. LXXXIII. S. 395 mitgetheilt; indem wir wegen mehrerer Details darauf verweisen, glauben wir, die Beschreibung der Operationen mit beigefügten Abbildungen nachtragen zu müssen.)

Ueber freiem Feuer kocht man die Stärke mit der Schwefelsäure in einem 2 Linien diken, 5 Fuß im Durchmesser weiten und 5 Fuß tiefen bleiernen Kessel, Fig. 5, welcher auf eine gewölbte, 12 bis 15 Linien dike, gußeiserne Scheibe gesezt wird, die so über dem Feuer angebracht ist, daß sie auf ihrer ganzen Oberfläche gleichförmig erhizt wird. Ein wohl zusammengefügter und mit Kupferblech beschlagener hölzerner Dekel liegt auf diesem Kessel. Derselbe hat nahe am Rande eine Oeffnung von 12 bis 15 Zoll Durchmesser |340| und noch eine solche kleinere, von nur 6 Zoll Durchmesser, welche nach Belieben mit einer beweglichen hölzernen, mit Kupfer belegten Scheibe bedekt werden kann. Eine hölzerne Krüke wird durch die große Oeffnung in den Kessel gestekt und dient zum Umrühren des Gemenges von Wasser, Schwefelsäure und Stärkmehl, damit sich nichts an den Kessel anlegen oder absezen und anbrennen kann.

Man bringt nun in den Kessel 1000 Kilogr. Wasser, erhizt es bis zum Sieden und sezt 10 Kilogr. Schwefelsäure von 66° B. mit 20 Kilogr. Wasser verdünnt, hinzu. Damit die Schwefelsäure keine zu große Erhizung hervorbringt, wird dieses Wasser nur allmählich unter Umrühren mit einer Holzspatel hinzugeschüttet und dann das Ganze in das siedende Wasser gegossen. Man rührt noch einmal um, damit die Säure in der ganzen Flüssigkeit vertheilt wird und läßt diese wieder ins Sieden gerathen. Es fängt nun ein Mann die Flüssigkeit mit der Krüke in der Runde herum zu rühren an, während ein anderer oder ein Kind löffelweise (jedesmal ungefähr 1/2 Kilogr.) alles Stärkmehl (400 Kilogr.) durch das kleine Loch im Dekel hinzusezt, wozu er sich aber Zeit läßt, damit sich kein Kleister bilden kann. In diesem Augenblike geht die Zukerbildung vor sich, und wenn alles Stärkmehl in den Kessel gerührt ist, bleibt wenig mehr zu thun übrig. Man unterhält das Kochen noch 8 bis 10 Minuten, bis wohin das Ganze klar und durchsichtig seyn muß. Wenn das Kochen aufgehört hat, wird Kreide hinzugesezt, um die Säure zu sättigen. Man bedarf davon ungefähr eben so viel als Schwefelsäure, nämlich 10 Kilogr. Die Kreide darf nur sehr vorsichtig und in kleinen Portionen hinzugesezt werden, damit das durch Entwikelung der Kohlensäure entstehende Aufbrausen nicht einen Theil der Flüssigkeit als Schaum über den Rand des Kessels hinaus steigen macht. Man seze demnach die Kreide in Portionen von 1/2 Kil. zu, indem man jedesmal die Masse umrührt und abwartet, bis das Aufbrausen vorüber ist.

Findet man, daß die Sättigung eingetreten, so muß der unaufgelöste schwefelsaure Kalk abgetrennt werden, indem man die Flüssigkeit 1/2 Stunde lang sich absezen läßt; man richtet unterdessen die Filter her. Diese bestehen aus hölzernen Kästen oder metallenen Kufen, in welchen man durchlöcherte und mit Tüchern bedekte Platten über einander anbringt, über welchen man gröblich gepulverte, mit Wasser befeuchtete Knochenkohle ausbreitet. Wenn diese Filter so hergerichtet sind, füllt man einen kupfernen Heber mit Wasser an, wendet ihn im Kessel um und läßt mittelst eines Trichters mit an der Seite angebrachter Dille und einer Röhre über dem Filter den Syrup darauf abfließen, welcher, durch die Knochenkohle-Schichten passirend, |341| von der in ihm schwebend erhaltenen und einem großen Theil der ihn färbenden Substanz befreit wird. Von den Filtern läuft der Syrup in Bottiche ab, um concentrirt zu werden. Wenn der Heber alle Flüssigkeit übergeleitet hat und auf den Bodensaz kommt, so wird er von diesem bald verstopft; man nimmt ihn dann heraus, schöpft den ganzen Bodensaz mit einem großen Löffel aus, bringt ihn in Bottiche, wascht ihn aus, um allen Syrup, den er enthalten kann, daraus zu gewinnen, und läßt ihn dann auf Filtern abtropfen. Diese Waschwasser werden bei einer folgenden Operation verarbeitet.

Nachdem der Kessel ausgeleert ist, wird er mit Wasser ausgespült und dann wieder zur gewöhnlichen Höhe mit Wasser angefüllt; man zieht nun die Schicht feuchter Steinkohle über dem Herd hinweg, schließt die Thüre des Ofens und das Feuer brennt bald wieder an. Wenn das Wasser dem Sieden nahe ist, wird mit einer Gießkanne davon ausgeschöpft, um es in Form eines Regens auf den Rükstand im Filter zu gießen, und der Kessel mit frischem Wasser angefüllt. Ist der Kamin des Kessels unter ein Beken von dünnem Kupferblech (siehe Fig. 5) geführt, so unterhält dieses die Temperatur des hineingebrachten Wassers hoch genug, um den auf dem Filter gebliebenen Bodensaz damit auswaschen zu können. Wenn der Kessel so angefüllt ist, daß er etwa 1000 Kilogr. Wasser enthält und dieses siedet, schreitet man zu einer zweiten, eben so auszuführenden Operation. In 24 Stunden können mit zwei Personen, welche sich ablösen, 5 Kochungen vorgenommen und 2000 Kilogr. Stärkmehl verarbeitet werden.

Die filtrirte Flüssigkeit wird auf drei- bis viermal in eine Kipppfanne gebracht, in welcher man sie auf die Hälfte ihres Volums rasch abdampft. Man bringt nun die eingekochten Flüssigkeiten zur Klärung in einen bleiernen Kessel, in welchen man sie auf einer Temperatur von ungefähr 64° R. schüttet; man sezt sehr fein gepulverte Knochenkohle, 1/20 des Gewichts der Stärke, zu, rührt die Masse um und bringt mit 15 Theilen Wasser abgeschlagenes Blut hinein; wenn das Kochen wieder eingetreten ist, zieht man die ganze Flüssigkeit auf ein durch Uebereinanderlegen mehrerer Tücher gebildetes Filter ab. Die ersten Antheile der filtriten Flüssigkeit gehen trübe durch; man sammelt sie in einem Bottich auf und bringt sie wieder auf das Filter, welches man eilends mit in Wollentuch eingehüllten Holztafeln bedekt, um eine zu schnelle Abkühlung zu verhüten. Wenn der Syrup beinahe ganz abgeflossen ist und der auf dem Filter gebliebene Saz troken zu seyn scheint, wird er mit warmem Wasser begossen, um den noch darin enthaltenen Zuker auszuziehen. |342| Die erschöpfte Masse wird dann herausgeworfen. Die schwachen Waschwasser des Rükstandes, von 4 bis zu 1/2° B., werden zum Erschöpfen eines anderen Sazes aufbewahrt. Man dampft sie erst dann ab, wenn kein Rükstand mehr auszulaugen ist.

Im Großen erhält man von 100 Theilen trokener oder 150 Theilen noch feuchter Stärke 150 Th. Syrup von 30° B., was ungefähr 100 Th. trokenen Zuker repräsentirt. Will man nur Stärkesyrup, so concentrirt man auf 30° des Baumé'schen Aräometers bei 80° R.; will man aber krystallisirten Zuker haben, so concentrirt man auf 36° B. bei 96° R. und gießt den Syrup in nicht sehr tiefe Fässer mit Löchern, die mit hölzernen Zapfen oder Pflöken verstopft sind; nach zweitägiger Abkühlung ist der Zuker krystallisirt; man stößt die Zapfen aus und läßt den über den Krystallen stehenden Syrup abfließen, welchen man am besten als solchen verkauft.

Apparate zur Stärkezuker-Bereitung über freiem Feuer.

A Fig. 5, ist ein bleierner Kessel von 5 Fuß Durchmesser und 5 Fuß Tiefe, worin die Zukerbildung vor sich geht.

B gußeiserne Scheibe von 12 bis 15 Linien Dike.

C Herd; b, b Feuercanäle, durch welche die Verbrennungsproducte in den Kamin gehen.

E, E Dekel von Holz; er ist in der Nähe des Randes mit einem Loch F, von 12 bis 15 Zoll Durchmesser versehen.

H hölzerne Krüke, womit das Gemenge von Wasser, Säure und Stärke umgerührt wird.

J Filter, aus einem rechtekigen Kasten von Holz bestehend, der am Boden ein Loch von 1 Zoll bis 15 Linien Durchmesser hat, in welchem ein Stük eines Bleirohrs eingepaßt ist. Am Boden des Filters befindet sich ein hölzernes Gitter, das aus einem Rahmen besteht, der in jeder Richtung um 1 Zoll schmäler als das Filter im Lichten und mit 6 Zoll von einander entfernten und etwa 1 Zoll diken Leisten versehen ist; über dieses Seihgitter breitet man ein haariges Baumwolltuch aus.

G Reservoir, in welches die filtrirte Flüssigkeit abläuft.

I ein Beken von dünnem Kupfer, welches über dem Kamine des Kessels angebracht ist und durch die sonst verlorengehende Wärme erhizt wird.

Apparate zur Stärkezuker-Fabrication mittelst Dampf.

A, Fig. 6 und 7, ist eine hölzerne Kufe aus diken Dauben, welche das Gemenge von Wasser und Schwefelsäure enthält und in welche der in einem Dampfkessel erzeugte Dampf einströmt.

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B ein zweischenkliges Rohr, welches den Dampf in die Kufe A leitet. Sobald die Flüssigkeit bis zum Sieden erhizt ist, wird das Ventil C mittelst einer Kippstange gehoben und die in einem oberen Behälter D beständig gerührte Stärkebrühe läuft in einem dünnen Faden in die siedende Flüssigkeit aus. In der Kufe A wird auch die Sättigung der Schwefelsäure mit der Kreide vorgenommen.

K ist das Rohr, durch welches der mit flüchtigem Oehle beladene Dampf entweicht. Dieses Oehl verbreitet bei seinem Entweichen einen sehr widerlichen Geruch, welcher die Nachbarschaft solcher Fabriken sehr unangenehm macht. Man hat jedoch diesem Uebelstande dadurch abgeholfen, daß man diesen Dampf in das Feuer des Dampfkessels leitete, wobei der größte Theil des Oehls verbrennt.

Der Kessel F dient zum Abziehen, wenn der Syrup concentrirt werden soll; die Abdampfung geschieht durch rostförmig verbundene Röhren, worin der Dampf circulirt. (Fig. 6, 7 und 8.)

G ist der zur Befreiung der Werkstätte von den während des Einkochens sich entwikelnden Dämpfen dienende Abzugsmantel. Er ist mit einer Oeffnung H versehen, welche mit einem in einen Kamin ausmündenden verticalen Rohr in Verbindung steht.

Fig. 6 ist ein verticaler Längendurchschnitt des Apparats zur Zukerbereitung aus Stärke; Fig. 7 ist ein zweiter verticaler Durchschnitt, senkrecht auf den ersten.

Fig. 8 zeigt die Details des Rostes E über dem Boden des Kessels F; lezterer kann von Kupfer oder auch von dikem, wohl zusammengefügtem nordischem Tannenholz verfertigt seyn.

Fig. 9 zeigt die Details des Hahnes I am Boden der Kufe A, um sie ausleeren zu können.

Die Figuren 10 und 11 sind eine Vorder- und Profilansicht eines Stükes des Rohrs B. Dieses Rohr ist mit zwei Hähnen versehen, deren einer, a (Fig. 6) dem Dampf in den Rost E einzutreten gestattet, und der andere, b, ihn in die Kufe A durch die doppelte Röhre c, c treten läßt.

J (Fig. 6) Hahn, um den Kessel F zu entleeren.

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